„Mit anderen Augen“

Wie Flüchtlinge ein Museum über Migration erleben

Samah Al Jundi Pfaff

Samah Al Jundi Pfaff

Friedland. Freudestrahlende Kriegsgefangene bei ihrer Heimkehr, optimistische Spätaussiedler und bange Flüchtlinge aus Krisenregionen – viele Kapitel der deutschen Geschichte, die das Museum Friedland beschreibt, sind deutschen Besuchern vertraut. Auf Flüchtlinge wirkt das ganz anders, wie sich am Sonnabend bei einer Führung gezeigt hat.

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Es ist ein distanziertes, bürokratisches Wort, das Museumssprecherin Eva Völker wählt, um gegenüber der durchgängig deutschen Besuchergruppe die Chronik des Grenzdurchgangslagers Friedland zu beschreiben: Einen "Pressespiegel" nennt sie den dicken Wälzer, der zahllose Fotos und Artikel über diejenigen enthält, die seit 1946 in Friedland angekommen sind.

Erinnerung an private Fotoalben

Ganz anders wirkt das auf die, die Samah Al Jundi Pfaff regelmäßig durch die Ausstellung führt. „Bei uns weckt das ganz viele Erinnerungen“, erzählt die Syrerin, die Führungen für Flüchtlinge Friedland gibt. Stets komme das Gespräch auf private Fotoalben, denen die Chronik ähnele. „Hier erinnern wir uns an das, was wir verloren haben“, sagt Al Jundi Pfaff angesichts des Wälzers – ein Anblick, der ihr zufolge bei nicht wenigen Besuchern Tränen auslöst.

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Al Jundi Pfaff, 2015 nach Deutschland geflohen, führt seit einiger Zeit regelmäßig Bewohner der Friedländer Erstaufnahmeeinrichtung durch das Museum. Neu ist ihr Angebot für deutsche Besucher: „Mit anderen Augen“ heißt die Tour, die sich damit befasst, wie das Museum über Flucht auf Flüchtlinge wirkt.

So erspart Al Jundi Pfaff ihren Besuchern regelmäßig einen Großteil des Parts der Ausstellung, der sich mit der Vorgeschichte des Grenzdurchgangslagers befasst. Dass es einen zweiten Weltkrieg gegeben hat, erwähnt sie durchaus. Doch die detaillierten Schilderungen der Gräueltaten lässt Al Jundi Pfaff aus. „Sonst erinnern sich die Besucher an das, was ihnen passiert ist“, sagt sie.

Die Trümmerfrauen sind im Nahen Osten bekannt

An anderer Stelle zeigt sich ihr zufolge, dass in Deutschland ankommende Flüchtlinge nur ein rudimentäres Verständnis der deutschen Geschichte haben: Viele können laut Al Jundi Pfaff zwar mit dem Begriff des Holocaust etwas anfangen, auch die Rolle der Trümmerfrauen sei den meisten aus Schulbüchern bekannt. Doch warum ein Lager wie Friedland seinerzeit gegründet wurde, müsse sie stets ausführlich erklären.

Die komplizierten politischen Verhältnisse lässt Al Jundi Pfaff eigenen Angaben zufolge allerdings aus. Das könnte die Flüchtlinge während des Ankommens in Friedland überfordern, befürchtet Al Jundi Pfaff. Außerdem geht es ihr weniger um ein abstraktes Geschichtsbewusstsein, als um ein Verständnis für die Rolle des Grenzdurchgangslagers.

Migration in Deutschland

Einen Ort für Registrierung, Versorgung und Weiterleitung nennt sie das – etwas, was sie den Flüchtlingen auch vermitteln will. Schließlich sei es wichtig, Verständnis für das System zu schaffen. Auch, um Spannungen während des Aufenthalts in Friedland entgegen zu wirken.

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Dabei sind die Führungen nur ein Teil des Angebots für Flüchtlinge, dass das Museum in Friedland entwickelt hat: Außer den Erklärungen über die Geschichte der Erstaufnahmeeinrichtung und die Rolle der Migration in Deutschland geht es Al Jundi Pfaff auch darum, überhaupt ein Verständnis für das Ankommen zu schaffen. Das fängt ihr zufolge aber nicht im Museum an, sondern mit einer Übersetzung: Friedland könnte man auf Arabisch "Ard Al-Salam" nennen –Land des Friedens, erklärt Al Jundi Pfaff.

Von Christoph Höland

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