Baum gerammt – und gewonnen

Beim Hainberg-Rennen vor 90 Jahren gewinnt ein Fahrer mit Hang zum Risiko

Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung nach Ende des 1. Weltkrieges begann der Siegeszug des Automobils in Deutschland. Auch in Göttingen: 1922 gründete sich der Göttinger Automobil-Club und richtete ab 1923 Rennen aus.

Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung nach Ende des 1. Weltkrieges begann der Siegeszug des Automobils in Deutschland. Auch in Göttingen: 1922 gründete sich der Göttinger Automobil-Club und richtete ab 1923 Rennen aus.

Göttingen. Die Strecke: die 3,1 Kilometer vom Stadtpark hinauf zum Hainholzhof mit Kurven und Steigungen, die hohe Anforderungen an Fahrer und Fahrzeuge stellten. Besonders gefährlich war eine 150-Grad-Biegung und die folgende 180-Grad-Haarnadelkurve auf halber Strecke.

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Die Teilnehmer kamen aus ganz Deutschland und lockten Scharen von Schaulustigen an. So auch 1925, als Otto Reif (1884-1951, Techniker und Werksfahrer bei Simson) mitfuhr. Reif war bekannt für seine Einsatzbereitschaft, manchmal gepaart mit einem Hang zum Risiko.

Beim dritten Hainbergrennen am 3. Mai 1925 hatte tagelanger Regen die Piste aufgeweicht. Um 11 Uhr starteten nacheinander 48 Rennwagen in mehreren Leistungsklassen. Der schnellste Fahrer wurde nicht automatisch Klassensieger, denn in die Wertung gingen auch Gewicht und PS-Zahl ein. Otto Reif kam mit 3.43 Minuten in der Tourenwagenklasse auf den zweiten Platz.

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Dann startete Reif in seinem zweiten Rennen in der Rennwagenklasse. Hier entschied sich alles in den rutschigen Kurven. Ein Steyr geriet nach der Haarnadelkurve ins Schleudern und legte sich auf die Seite. Ein Presto flog aus der Haarnadelkurve, ein Horch endete an einem Baum. Auch Reif ereilte das Pech: Er fuhr seinen Simson Supra gegen einen Baum, wobei sich der Wagen um sich selber drehte.

Reif schaffte allerdings das Unglaubliche und wurde noch Sieger in seiner Klasse. Dafür erhielt er  den Ehrenpreis des Göttinger Automobil-Clubs. Gesamtsieger des Rennens wurde der Göttinger Astro-Daimler-Fahrer Ernst Heidelberg.

Von Jens Jäger

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