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„Eine Menge zerplatzter Träume“

Diskussion um Groner Landstraße 9 a-c und Hagenweg 20 in Göttingen

Groner Landstraße 9: „Kinder können dort nicht gedeihlich aufgezogen werden.“

Groner Landstraße 9: „Kinder können dort nicht gedeihlich aufgezogen werden.“

Göttingen.Der Song „Haus 9-c“ ist eine davon und handelt von den Erfahrungen, die Bandmitglied Thomas Gotthardt in dem Wohnkomplex Groner Landstraße 9 a-c gemacht hat. Über Jahre ist er als Mitarbeiter eines ambulanten Pflegedienstes dort ein- und ausgegangen und hat Einblicke in das Leben der Mieter bekommen.

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Viele Familien lebten dort, Roma-Familien mit Kindern, viele Türken. Aber auch Drogenabhängige. Viele Bewohner seien alt, viele seien von der Stadt dort untergebracht worden und viele hätten schwere Schicksalsschläge erlebt. „Alle haben ihre Geschichte“, sagt Gotthardt. „Aber die Leute von außen regen sich hauptsächlich über den Müll auf.“

Bereits vor zweieinhalb Jahren hatte Göttingens Ordnungsdezernent Siegfried Lieske (Grüne) eine Runde ins Leben gerufen, um die Situation am Gebäude zu verbessern und ein ordentliches Wohnen zu ermöglichen.

„Menschenwürdiges Wohnen“

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Er kenne die komplizierten Probleme und Eigentumsverhältnisse, bekundete Lieske vor einem Jahr in der am Sonnabend mit dem Alexander-Preis ausgezeichneten Reportage über die Groner Landstraße 9 von Tageblatt-Redakteur Jörn Barke.

Inzwischen hat das Thema auch die Göttinger Ratspolitik erreicht. Inzwischen ist Lieske Oberbürgermeisterkandidat. Die Grünen im Rat haben einen Antrag auf „menschenwürdiges Wohnen“ für die Bewohner der Mietkomplexe Groner Landstraße 9 und Hagenweg gestellt.

Die Verwaltung soll mit anderen Fachstellen wie etwa dem Gesundheitsamt prüfen, ob es in den Gebäuden, Mängel und Missstände gibt. Falls nötig und möglich soll dann eine „fachliche Einflussnahme auf die Eigentümer“ oder durch ein Modernisierungs- und Instandsetzungsgebot durch die Stadt für Verbesserungen gesorgt werden, heißt es in dem Antrag.

"Den Stadteingang erträglicher machen"

Die Grünen berufen sich bei ihrem Antrag auf das Baugesetzbuch, speziell auf den Paragrafen 177, der einer Gemeinde ermöglicht, die Beseitigung von Missstände und die Behebung der Mängel anzuordnen.

„Kinder können dort nicht gedeihlich aufgezogen werden“, sagte Ulrich Holefleisch in der jüngsten Bauausschusssitzung. Aber es geht dem grünen Politiker nicht nur um das Schicksal der Menschen in dem Wohnkomplex an der Groner Landstraße. Ziel sei es auch, „den Stadteingang erträglicher“ zu machen.

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Hier pflichtete ihm Hans-Otto Arnold von der CDU bei. Er sieht in dem schlechten Ruf der Groner Landstraße 9 a-c einen Grund, weshalb die Stadt Schwierigkeiten hat, für das Grundstück gegenüber einen Investor für einen Hotelneubau zu finden. Auch der Hagenweg 20 strahle auf das Sozialleben in der Weststadt ab.

„Repariert wird hier fast gar nicht"

Beide Häuser seien „riesige Probleme“, für die auch die Stadt Verantwortung trägt, sei sie doch zum Teil an der Belegung der Wohnungen beteiligt, sagte Arnold. Gerd Nier (Linke) betonte, dass es nun darum gehe, „Verantwortung zu übernehmen“. Für ihn ist etwa der Hagenweg 20 ein „Fall für das Gesundheitsamt. Viele Kinder seien hier von den Zuständen betroffen.

Gegenüber dem Tageblatt gibt eine Bewohnerin aus dem Hagenweg 20 an, dass sich von offizieller Seite niemanden interessiert, dass es in dem Haus immer wieder Kakerlaken und Mäuse gebe. „Repariert wird hier fast gar nicht, nur mal ausgebessert“, beschreibt sie.

Holefleisch räumte im Ausschuss ein: „Das ist eine sehr komplizierte Angelegenheit. Schnellschüsse helfen dabei nicht weiter. Aber wir müssen uns kümmern.“ Unterstützung  kommt unterdessen von Bruno Briese, dem einige der rund 430 Wohnungen in der Groner Landstraße gehören. Er bot der Stadt Hilfe an.

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