Nordstadt-Entwicklung

Gallus-Park Göttingen: Industriebrache steht Sanierung im Wege

Unten halbrechts zwischen Bäumen: die Industriebrache mit den ehemaligen Produktionsgebäuden der Firmen der Hahn-Familie.

Unten halbrechts zwischen Bäumen: die Industriebrache mit den ehemaligen Produktionsgebäuden der Firmen der Hahn-Familie.

Göttingen. Das durch noch vergleichsweise günstige Mieten geprägte, innenstadt- und uninahe Sanierungsgebiet, das in das Städtebauförderungsprogramm des Landes Niedersachsen eingebunden werden soll, umfasst den Bereich zwischen Kreuzbergring, Robert-Koch-Straße, Christophorusweg und den Bahngleisen im Westen.

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Dort, an der Weender Landstraße, stehen neben der ehemals prächtigen, unter Denkmalschutz stehenden Fabrikantenvilla der Unternehmerfamilie Hahn verschieden große Industriebauten aus Backstein. Bis kurz vor dem Zweiten Weltkrieg betrieb dort die Familie Hahn ihre „Rohhäute- und Fellgroßhandlung Raphael Hahn Söhne OHG“ und die „Gallus Schuhfabrik GmbH“. Die Hahns gehörten zu den bedeutendsten Göttinger Unternehmern und waren die mit Abstand vermögendsten und angesehensten Mitglieder der damaligen jüdischen Gemeinde – bis sie unter den Nazis enteignet und später zum Teil ermordet wurden.

Aus Dächern wachsen junge Bäume

Während die Fabrikantenvilla noch einigermaßen intakt ist, verfallen die Industriebauten. Backsteinwände bröckeln, aus einigen Dächern wachsen junge Bäume, andere sind zum Teil bereits eingesunken. Das Sanierungskonzept für diesen Teil der Nordstadt enthält das Ziel der „Wiedernutzung brachfallender Flächen“ und sieht für das Grundstück der Industriegebäude weiterhin eine gewerbliche, für das Grundstück mit der Fabrikantenvilla eine gemischte Nutzung vor.

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Allen Entwicklungsplänen stehen jedoch die Eigentumsverhältnisse entgegen. Die sind kompliziert, der Besitz ist unter mehreren Hahn-Nachkommensfamilien, zum Teil im inner- und außereuropäischen Ausland, aufgeteilt. Die Eigentümer sollen sich untereinander zudem nicht grün sein, sagen Nachbarn. Das größere Problem sei, dass einige der Besitzer offenbar auf eine rasante Wertsteigerung der Brache setzten und daher derzeit weder investieren noch entwickeln oder verkaufen wollten.

Der Versuch einer Kontaktaufnahme der Stadt mit dem Ziel, über einen Verkauf des Geländes zu sprechen, sei gescheitert, bedauert ein Verwaltungssprecher. Auch auf eine Tageblatt-Anfrage zum gleichen Thema erklärte eine Miteigentümerin, eine Frau aus Rosdorf, die Besitzer wollten sich dazu nicht äußern. Die städtischen Planer rechnen deshalb auch nicht damit, dass sich an dem daraus resultierenden Stillstand in absehbarer Zeit etwas Grundlegendes ändert.

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