Nach Gewalttat in Göttingen

Gedenkmesse und Trauerprozession für Daniel G.

Die Trauerstelle.

Die Trauerstelle.

Göttingen. Musik sagt mehr als tausend Worte, heißt ein Sprichwort. Um ihrer Trauer über den Tod von Daniel G. Ausdruck zu verleihen, wählten Sven Müller, ein enger Freund der Familie, die Familie selbst und Pfarrer Ludger Joos das Lied „Abschied nehmen“ von Xavier Naidoo. Die Gedenkmesse nannte Joos einen „traurigem, ungewöhnlichem, schreckliche, mir-fehlen-die-Worte-Gottesdienst“ und sprach damit aus, was der Tod von Daniel G. für die Anwesenden bedeutet.

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Etwa 150 Menschen waren in die St.-Michael-Kirche gekommen, um ihr Beileid zu bekunden. Vor drei Wochen starb der 28-Jährige durch Messerstiche in der Unteren Karspüle in Göttingen. Ein 19-jähriger Hauptverdächtiger sitzt in Untersuchungshaft. Die Polizei ermittelt weiter.

Die Worte fehlen

„Angesichts des Todes fehlen die Worte“, sagte Joos. Es sei „ein Leben, dass uns weggenommen wurde. In unserem Kopf dreht sich die Zeit zurück, die sich nicht zurückdrehen lässt.“

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Daniel G. war das jüngste von fünf Kindern. Er wuchs mit drei Schwestern und einem Bruder auf. Seine Geschwister lasen Briefe und Texte, die von Freunden des Opfers verfasst worden waren. „Daniel war wie die Sonne; wenn man mit ihm zusammen war, war die Welt gleich viel heller.“ Dankbarkeit gab es, jemanden wie Daniel G. kennengelernt zu haben. „Es braucht Kraft, dir für diesen unverwechselbaren Menschen zu danken“, fügte Joos hinzu. Im Zwiegespräch mit Gott suchten Angehörige und Freunde nach Antworten und Trost.

Unfassbare Gewalttat

Rückblickend auf das Leben des Opfers bleibt für Joos die Unfassbarkeit, dass ausgerechnet Daniel G. durch eine Gewalttat aus dem Leben gerissen wurde. Das zentrale Wort, mit dem das Opfer zu Lebzeiten in Verbindung gebracht wurde, sei „Wertschätzung“ gewesen. „Er war großzügig mit seiner Kraft, seiner Zuwendung, seinem Wissen und seinem Geld“, beschrieb Joos das Opfer.

Nach seiner Ausbildung als Pfleger habe Daniel in einem Seniorenheim in Bovenden gearbeitet, wo er sich mehr Zeit für seine Patienten genommen habe und sorgfältiger gewesen sei, als er hätte sein müssen. Mit seiner Freundin sei Daniel G. im Oktober in Thailand gewesen, nach Hause brachte er spezielle Gewürze und eine Feder für Kalligrafie. „Daniel war jemand, der sich Dinge selbst beibrachte“, erzählte Joost.

Trauerprozession zum Tatort

Gemeinsam sangen die Besucher zu Beginn „So nimm denn meine Hände“ von Julie Hausmann (Text) und Friedrich Silcher (Melodie) sowie „Von guten Mächten“ von Dietrich Bonhoeffer. Im Anschluss an die Gedenkfeier gab es eine Trauerprozession zur Unteren Karspüle, dem Ort der Bluttat. Jeder der Anwesenden konnte ein Grablicht anzünden. „Das Opfer hat einen Namen: Daniel“ hieß es auf einem Banner, das während der Prozession getragen wurde. In der Unteren Karspüle wurden die Grablichter versammelt an den Ort der Gewalttat abgesetzt.

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Von Lisa Hausmann

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