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Evangelisches Krankenhaus Weende

Klinikchef kritisiert Bürokratiemonster

Sichtlich stolz auf das neue Parkhaus des Evangelischen Krankenhauses Weende: der Ärztliche Direktor Prof. Michael Karaus.

Sichtlich stolz auf das neue Parkhaus des Evangelischen Krankenhauses Weende: der Ärztliche Direktor Prof. Michael Karaus.

Weende. Auch anderen Herausforderungen werde sich das Krankenhaus Weende stellen müssen, erklärte Karaus. Der Klinikchef nannte unter anderem die Organisation der Notfallversorgung, die bessere Verzahnung von ambulanter und stationärer Versorgung, die Steuerung über Qualitätsinstrumente, das neu zu ordnende Medizinstudium und nicht zuletzt die Krankenhausfinanzierung. Für diese Problemfelder seien rasche Konzepte seitens der Politik notwendig, „damit wir als Leistungserbringer endlich Planungssicherheit haben“.

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Die Lage der Krankenhäuser in Deutschland sei schwierig geworden, meinte Karaus. Nach einer kurzen Erholungsphase von 2011 bis 2013 in der wirtschaftlichen Entwicklung der deutschen Kliniken gehe es mittlerweile wieder bergab: „Für 2016 hatten noch gerade 50 Prozent der Häuser einen positiven Jahresabschluss erwartet, für 2017 wird prognostiziert, dass es nur noch etwa 32 Prozent sein werden.“ Unter anderem treffe der allgemeine Fachkräftemangel „die Krankenhäuser im harten Wettbewerb um Pflegende, aber auch weiterhin um gute Ärzte besonders stark“. Tarifsteigerungen ohne Finanzierungsausgleich und die Unterfinanzierung im Investitionsbereich seien durch Arbeitsverdichtung nicht mehr aufzufangen. Auch die zwingend notwendige Digitalisierung müsse ohne zusätzliche Mittel geschultert werden.

Das diagnosebezogene Fallgruppen-Abrechnungssystem DRG sei eine „überbordende Regulierungsmaschinerie mit einem stetig wachsenden bürokratischen Dokumentationsaufwand und langwierigen Abrechnungsstreitigkeiten mit den Kostenträgern, die den Arbeitsplatz Krankenhaus immer unattraktiver machten“, kritisierte Karaus. Auch der Pflegebereich sei mittlerweile einem „Dokumentationswahnsinn“ unterworfen, der Schwestern und Pfleger demotiviere. Karaus: „Das Ganze wird von den Kostenträgern mit ihrem MDK (= Medizinischer Dienst der Krankenkassen) bis auf das letzte Detail überprüft, und steht auch nur eine Unterschrift am falschen Platz, ist die ganze Komplexpauschale futsch, und der besondere Pflegeaufwand wird nicht vergütet.“ Und das Entlassmanagement, das alle Krankenhäuser zum Oktober vergangenen Jahres aufbauen mussten, sei zwar geeignet, um Behandlungsbrüche bei dem Übergang in die ambulante Therapie zu vermeiden, aber: „Es ist ein weiteres Bürokratiemonster, das viel Geld und Personal bindet. Auch dafür gibt es keine zusätzliche Vergütung.“ Karaus’ Fazit: „Das System muss wieder menschlicher und lebbarer werden, damit wir genügend junge Menschen für die Pflege begeistern können.“

Ein großer nichtmedizinischer Erfolg sei das neue Parkhaus an der B 27, sagte Karaus: „Die fünf Millionen Euro sind gut investiert, kein Besucher, kein Patient muss mehr nach einem Parkplatz suchen oder in der Schlange an der Schranke stehen. Jeder Mitarbeiter kann seinen Dienstbeginn besser planen, weil er seinen Parkplatz sicher hat.“

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Von Matthias Heinzel

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