Wätzolds Woche

Krakeelende Kanarier

Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) spricht den Amtseid bei einer Sondersitzung des Bundestags im Paul-Löbe-Haus.

Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) spricht den Amtseid bei einer Sondersitzung des Bundestags im Paul-Löbe-Haus.

Göttingen. Wäre ich Bundestagsabgeordneter, hätte ich diese Woche meinen Urlaub unterbrechen müssen, um bei der Vereidigung der neuen Verteidigungsministerin anwesend zu sein; was allerdings völlig überflüssig gewesen wäre. Denn man hätte mich ja gar nicht nach meiner Meinung dazu gefragt und überhaupt scheint mir Frau Kramp-Karrenbauer für dieses Amt ungefähr so geeignet zu sein wie King Kong als Fluglotse, schließlich ist das einzige, was die Frau bisher erkennbar verteidigt hat, die binärgeschlechtliche Toilettenordnung.

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Nun bin ich aber gar kein Bundestagsabgeordneter und kann deshalb meinen Urlaub auf Teneriffa ungestört fortsetzen. Na gut, „ungestört“ ist vielleicht nicht der richtige Ausdruck, denn die Kanarier sind unfassbar laut. Wenn sich mehr als zwei von ihnen irgendwo versammeln, so tun sie es im Namen des Geschreis. Wir haben uns in einer Reihenhaussiedlung eingemietet und um uns herum wird auf den Terrassen derartig gebrüllt, dass wir uns vorkommen wie bei den anonymen Cholerikern. Dabei sind die Leute hier eigentlich gar nicht cholerisch, sondern sehr entspannt und zugänglich. Und auch im Straßenverkehr entsprechen sie überhaupt nicht dem südländisch-heißblütigen Vorurteil; vielmehr legen sie da eine geradezu seniorenhafte Lahmarschigkeit an den Tag.

Auf der Autobahn wird hier grundsätzlich 20 km/h langsamer gefahren als erlaubt – und zwar auf der Überholspur. Ich werde bei dem Gekrieche fast wahnsinnig am Steuer und raste ständig aus. So oft, wie ich hier in zwei Wochen lichthupe, lichthupe ich zuhause nicht in zwei Jahren. Der Grund für das Gebrülle in unserem Block muss also ein anderer sein. Vielleicht leiden die Leute hier ja an altersunabhängiger Schwerhörigkeit.

Oder es gibt in Puerto de la Cruz einen Preis für die lauteste Terrasse, denn wenn die Leute gerade mal schreimäßig verhindert sind, sitzen dort Hunde und bellen, als ob es kein Morgen mehr gibt. Vielleicht wurden die aber auch einfach auf die Verteidigung des Hofes vereidigt.

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Den Autor erreichen Sie per E-Mail an redaktion@goettinger-tageblatt.de

Von Lars Wätzold

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