Forderung der Feuerwehrgewerkschaft

Polizeischutz in der Silvesternacht

Erhöhtes Einsatzaufkommen in der Silvesternacht.

Erhöhtes Einsatzaufkommen in der Silvesternacht.

Göttingen. Das neue Jahr war gerade wenige Minuten alt, als die Göttinger Berufsfeuerwehr am 1. Januar 2018 nach Grone ausrücken musste. Eine Silvesterrakete hatte auf einem Balkon im Obergeschoss eines Mehrfamilienhauses in der Sollingstraße ein Feuer entfacht. Das Haus war offenbar gezielt beschossen worden. Als die Feuerwehrleute mit den Löscharbeiten begannen, flogen aus den Reihen der Schaulustigen Böller und Raketen auch in ihre Richtung. Erst als die Polizei vor Ort war, konnte der Brand ungehindert gelöscht werden. Zu ähnlichen Szenen war es an gleicher Stelle im Vorjahr auch schon gekommen.

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„Man muss das im Verhältnis zu der Gesamtzahl der Einsätze sehen“, relativiert Frank Gloth, Sprecher der Göttinger Berufsfeuerwehr. Beim vergangenen Jahreswechsel mussten die Wehren in Stadt und Landkreis Göttingen mehr als 120 mal ausrücken. Man dürfe von Einzelfällen nicht verallgemeinern. „Trotzdem ist natürlich ein Fall einer zu viel“, so Gloth weiter.

Entscheidung im Einzelfall

Der Forderung der Gewerkschaften will man sich in Göttingen also nicht unbedingt anschließen. Nach bisherigen Erfahrungen treffe die Leitstelle schon jetzt die richtige Entscheidung, bei welchem Einsatz eine Polizeistreife vor Ort sein muss, so der Feuerwehrsprecher. Und wenn eine Situation, wie beispielsweise in Grone, eskaliert, sei die Verstärkung schnell genug unterwegs.

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Jeden Einsatz von der Polizei begleiten zu lassen, erscheint auch für Kreisbrandmeister Volker Keilholz eher unrealistisch. „Schließlich wird in allen Orten des Landkreises gleichzeitig Silvester gefeiert.“ Ihm sei aus den vergangenen Jahren aus seinem Zuständigkeitsbereich auch kein Fall zu Ohren gekommen, bei dem die Feuerwehren bei ihrer Arbeit behindert worden wären.

„Im Einsatz bedroht“

Ein anderes Bild zeichnete in diesen Tagen Siegfried Maier, stellvertretender Bundesvorsitzender der Gewerkschaft. „Immer mehr Kollegen haben Schwierigkeiten, weil sie im Einsatz bedroht werden. Wir haben Angst, dass es noch schlimmer wird.“ Bei großen Menschenansammlungen und viel Alkohol komme es regelmäßig zu Problemen. Daher fordert er an Tagen wie Silvester standardmäßig eine Polizeistreife, sobald seine Kollegen ausrücken. Dass sein Vorschlag viel zusätzlich Personal fordert, ist Maier bewusst: „Ich halte es für schwer, aber möglich.“

In der Silvesternacht ist schon jetzt viel Polizei auf den Göttinger Straßen. Zusätzlich zur schon verstärkten Besetzung werden an neuralgischen Punkten seit einigen Jahren zusätzliche Präventionsteams eingesetzt, die beispielsweise auch das Böllerverbot in der Göttinger Innenstadt überwachen, erklärt Polizeidirektor Rainer Nolte. Man stehe im ständigen Austausch mit der Feuerwehr und habe so die Möglichkeit auf alle Eventualitäten zu reagieren. Eine Notwendigkeit für noch mehr Präsenz, wie von der Gewerkschaft gefordert, sieht auch Nolte nicht.

Unabhängig von den Besonderheiten der Silvesternacht verzeichnen Feuerwehr, Rettungsdienste und Polizei seit Jahren eine steigende Respektlosigkeit gegenüber Einsatzkräften und Uniformierten. Verbale aber auch körperlichen Attacken gehören mittlerweile zum Alltag – vor allem im Rettungsdienst. „Das ist ein bundesweites Phänomen, das wir auch in Göttingen registrieren“, sagt Nolte. Bei der Feuerwehr besteht mittlerweile die Verpflichtung, solche Vorfälle zu dokumentieren und anzuzeigen. Die Zahlen bewegen sich noch im Rahmen, bilanziert Gloth: „Aber wir wissen nie, was uns erwartet.“

Von Markus Scharf

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