Bahnhofsvorplatz

Seebrücke: Proteststaffel für Humanität und Solidarität macht halt in Göttingen

Trotz Dauerregens: Lena Glaser (li.) und die anderen Mitglieder des Bündnisses Seebrücke suchen immer wieder das Gespräch mit Passanten.

Trotz Dauerregens: Lena Glaser (li.) und die anderen Mitglieder des Bündnisses Seebrücke suchen immer wieder das Gespräch mit Passanten.

Göttingen. Mit der Aktion Proteststaffel für Humanität und Solidarität will das Bündnis Seebrücke auf die "dramatische Situation im Mittelmeer" aufmerksam machen und gegen "die tödliche Abschottungspolitik der EU" protestieren. Seit dem 24. April tourt die Proteststaffel durch verschiedene deutsche Städte. Am Sonnabend machte sie in Göttingen halt.

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„Garach, Alter ?, Tunesien, ertrunken in der Nähe von Metline (TN), nachdem das Boot gekentert war. Mouaz al Balkhi, 22 Jahre, Syrien, Leiche an die Küste von Texel (NL) gespült nach dem Versuch, von Calais (FR) nach Großbritannien zu schwimmen. Samuel, 6 Jahre, Kongo, ertrunken mit seiner Mutter Veronique und fünf anderen Menschen, das Boot sank zwischen Marokko und Spanien.“ Das waren nur einige Namen, die am Sonnabend auf dem Bahnhofvorplatz zu lesen waren. Die initiative Seebrücke hatte sie an einer langen Leine rund um ein Schlauchboot gespannt, das als Mahnmal und Kunstinstallation Teil der bundesweiten Kampagne ist.

Boot 2017 vor der libyschen Küste geborgen

Zwölf Meter lang, viereinhalb Meter breit und 60 bis 80 Zentimeter hoch misst das Boot, das im Sommer 2017 von der Seerettungs-NGO „Sea-Eye“ vor der libyschen Küste geborgen worden ist. Darüber informiert ein Plakat der Seebrücke. Auf dem Boot seien etwa 120 Menschen gewesen, „die von der sogenannten ‚libyschen Küstenwache‘ zurück nach Libyen gebracht wurden. Es ist nur eins von vielen, Booten, die täglich an der Festung Europa scheitert“.

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Sterben ist vorprogrammiert

Organisationen wie das UNHCR dokumentierten diese Fälle, „was leider sehr schwierig ist, weil die Seenotrettung aktiv behindert wird, und das Sterben so nicht mehr vor unseren Augen passiert“, sagte Benedikt Engelmeier von der Seebrücke Göttingen. Mit der Installation wollen die Mitglieder der Initiative zeigen, „wie seeuntauglich diese Boote sind, wodurch das Sterben damit quasi vorprogrammiert ist“.

Zwischen 200 und 300 Menschen quetschen sich in ein solches Flüchtlingsboot, berichtet Peter Jakobs von der Seebrücke Hannover

Zwischen 200 und 300 Menschen quetschen sich in ein solches Flüchtlingsboot, berichtet Peter Jakobs von der Seebrücke Hannover.

Vielen sei nicht bewusst, dass das Mittelmeer die Außengrenze Europas markiere, und der Tod dieser Menschen somit Ergebnis europäischer Politik sei. Darauf vor der Europawahl noch einmal hinzuweisen, sei ein Ziel der Kampagne, sagte Lena Glaser von der Seebrücke Göttingen. Ein weiteres, lokales Ziel des Bündnisses ist, dass Göttingen sich zum sogenannten "sicheren Hafen" erklärt. Laut Engelmeier würde das bedeuten, dass sich die Stadt sich bereit erklärt, aus dem Mittelmeer gerettete Menschen aufzunehmen – zusätzlich zu der regulären Zuweisung der Landesregierung. Im vergangenen Jahr hatte der Rat der Stadt Göttingen einen solchen Vorstoß von Linken, Grünen und Piraten, die die Aufnahme von 50 Geretteten gefordert hatten, abgelehnt. Begründet hatten CDU und SPD dies unter anderem mit fehlendem Wohnraum.

Zehn aktive Mitglieder in Göttingen

Unterstützt würden sie in ihrem Vorhaben hingegen von den Grünen, Linken und Piraten sowie den Jusos. Die Caritas in Friedland stehe der Seebrücke mit ihrem Hintergrundwissen zur Seite und habe beispielsweise dabei geholfen, den Forderungskatalog des Bündnisses zu formulieren, berichtete Glaser.

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Etwa zehn Mitglieder der im vergangenen Sommer gegründeten Seebrücke Göttingen seien derzeit aktiv. Um ihr Ziel voranzutreiben, nehmen sie Kontakt zu Parteien und bekannten Göttingern auf, erzählte Glaser. Erst vor Kurzem hatte sich die BG auf Facebook solidarisch mit der Initiative und deren Forderung "Göttingen soll sicherer Hafen werden" gezeigt. Mit Aktionen wie der Proteststaffel soll das Thema so in das öffentliche Bewusstsein gerückt werden, dass "die Kommunalpolitik daran nicht mehr vorbeikommt", betonte Engelmeier.

Von Nora Garben

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