Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

 

Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

Kostenloses Obst

Selber pflücken: So geht’s

Obst zum Pflücken wächst derzeit in Massen an den Bäumen in Südniedersachsen.

Obst zum Pflücken wächst derzeit in Massen an den Bäumen in Südniedersachsen.

Göttingen. Die Obstbäume in der Region hängen in diesem Jahr besonders voll. Auch an vielen Bäumen, die Wege und Straßen in der Region säumen, biegen sich die Äste unter der Last der Früchte. Oft fällt es ungenutzt auf den Boden und verfault, während sich Bürger ihr Obst im Supermarkt kaufen. Die Internetplattform Mundraub.org zeigt Standorte, an denen Obstbäume stehen, die zum Pflücken zur Verfügung stehen. Auch die Stadt Göttingen hält einen Flyer bereit, der Standorte aufzeigt, wo Obstbäume zur Ernte zur Verfügung stehen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Achtung: Fehler möglich

Die auf der Mundraub-Seite gelisteten Bäume werden von privaten Nutzern eingetragen - frei von Fehlern ist sie daher nicht. Tageblatt-Leser Volker Mistereck stellte fest, dass dort ein Mirabellenbaum im Naturschutzgebiet Kerstlingeröder gelistet ist. „Ich habe mich bereits an die Organisation gewandt: es wurde mir zugesichert, dass der Standort Kerstlingröder Feld aus der virtuellen Karte entfernt wird”, schreibt Mistereck. In Naturschutzgebieten ist das Pflücken von Obst und Pflanzen verboten. In den Richtlinien der „Mundräuber“ wird darauf hingewiesen, dass sich Nutzer vor dem Eintragen vergewissern sollen, dass keine Eigentumsrechte verletzt werden. Wer in Göttingen auf Nummer sicher gehen und nicht vorher den Eigentümer einer Fläche fragen will, der nimmt den Flyer der Stadtverwaltung zur Hand. Von den dort freigegebenen Bäumen an 17 Standorten dürfen Früchte geerntet, die Bäume dabei aber nicht beschädigt werden.

Interesse nicht überall gleich

Vor einigen Jahren noch wurde in fast allen Gemeinden das Obst der gemeindeeigenen Bäume versteigert. Das Interesse daran aber geht mancherorts zurück. „Die letzte Anfrage hatten wir vor fünf oder sechs Jahren hier”, sagt Karsten Rindermann von der Gemeindeverwaltung Rosdorf. Zwar besitze die Gemeinde eine Streuobstwiese und einige Obstbäume am Straßenrand, die früher für einen Betrag von fünf Mark abgeerntet werden durften. Die Nachfrage danach aber sei heute “gleich null”. Wer sich Obst von den gemeindeeigenen Bäumen pflücke, könne das gerne tun.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Saft aus ersteigerten Äpfeln

Anders in der Samtgemeinde Radolfshausen. Dort, so sagt Frank Wilde von der Verwaltung, gebe es eine rege Nachfrage nach dem Obst. „Versteigerungen gibt es jedes Jahr - beispielsweise in Ebergötzen und in Seeburg”, sagt er. Einen Grund für das Interesse sieht er darin, dass die Pflücker ihre Beute auch in der Mosterei Ott in Gieboldehausen zu Apfelsaft pressen lassen können.

Interview mit Gunnar Duttge, Direktor der Abteilung für strafrechtliches Medizin- und Biorecht der Uni Göttingen

Mundraub das war einmal, 1975 wurde er aus dem Deutschen Gesetz gestrichen. Aber welche juristischen Konsequenzen drohen heute, wann man Obst am Wegesrand pflückt? Prof. Gunnar Duttge vom Institut für Kriminalwissenschaften der Uni Göttingen, antwortet.

Prof. Gunnar Duttge: Direktor Abteilung für strafrechtliches Medizin- und Biorecht

Prof. Gunnar Duttge: Direktor Abteilung für strafrechtliches Medizin- und Biorecht

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Darf ich beim Spaziergang am Wegesrand einfach Äpfel pflücken?

Hier geht es um die Frage, wem das Obst gehört. Das hängt in der Regel davon ab, wem der Baum gehört und damit, wessen Eigentum das Grundstück ist, auf dem der Baum steht. Fällt Obst von einem privaten Grundstück auf einen öffentlichen Weg, ändern sich zwar die Eigentumsverhältnisse, aber es bleibt immer dennoch ein unbefugter Zugriff auf eine fremde Sache und damit Diebstahl.

Wann darf ich nicht pflücken?

Immer dann, wenn das Grundstück, auf dem der Obstbaum wächst, fremdes Eigentum ist. Das Obst kann zum Beispiel der Gemeinde, dem Land oder einem privaten Eigentümer gehören. Herrenlos dürfte ein Grundstück nur selten sein. Diebstahl ist strafbar, zumindest dann, wenn eine Mindestform von Vorsatz zu erkennen ist - einen Rechtsbruch in Kauf zu nehmen reicht dafür bereits aus.

Was kann ich tun, damit es legal ist?

Wenn ein Schild angebracht ist, das das Pflücken als erlaubt ausweist, ist man auf der sicheren Seite. Oder man kann den Grundstückseigentümer um Erlaubnis bitten.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Welche Konsequenzen drohen denn bei einem Verstoß?

Beim Obstdiebstahl handelt es sich um ein Bagatelldelikt, das in der Regel nicht strafrechtlich verfolgt wird. Das gilt zumindest, solange der Wert unter 50 Euro bleibt. Wenn jemand eine Plantage plündert, sieht das natürlich anders aus. Zudem muss es ja immer jemanden geben, der den Diebstahl anzeigt. Der Mundraub, der früher nur eine „Übertretung“ und damit ein leichteres Kriminaldelikt als der Diebstahl war, wurde übrigens 1975 aus dem Gesetz gestrichen.

Wie sieht es eigentlich mit wilden Früchten wie Brom- oder Himbeeren aus?

Wilde Früchte darf man sich aneigenen, aber nur für den persönlichen Gebrauch. Dort kommen wir dann in den Bereich des Naturschutzgesetzes. Man muss beispielsweise die Pflanzen beim Pflücken pfleglich behandeln.

Welchen Tipp haben Sie?

Im Zweifel sollte man erst die Lage klären, bevor man zugreift.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Von Britta Bielefeld

Mehr aus Göttingen

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.