Stationsapotheker

Sorge über Kostenerstattung bei Krankenhäusern

Göttingen/Duderstadt. Die Gesetzesänderung ist eine Reaktion auf die beispiellose Patienten-Tötungsserie durch den ehemaligen Krankenpfleger Niels Högel. „Grundsätzlich“, sagt Stefan Weller, Sprecher des Göttinger Uni-Klinikums, begrüße die Universitätsmedizin die neuen gesetzlichen Bestimmungen zur Einführung von Stationsapothekern: „Sie leistet einen Beitrag zur weiteren Steigerung der Arzneimitteltherapiesicherheit und trägt somit zur Erhöhung der Patientensicherheit und dem weiteren Ausbau der Sicherheitskultur im Krankenhaus als Hochrisiko- und Hochsicherheitsorganisation bei.“ Zwar betreibe das Uni-Klinikum ohnehin eine eigene Klinikapotheke, dennoch bedeute das neue Gesetz neue Stellen für weitere Stationsapotheker, um die Vorgaben erfüllen zu können. Weller: „Leider ist die notwendige Refinanzierung der einzurichtenden Stellen bislang nicht geklärt, so dass eine Finanzierungslücke in annähernder Millionenhöhe droht.“ Die Uni-Klinik hoffe nun auf entsprechende Konsequenzen auf Bundesebene.

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„Bundesweit einmalige Regelung“

Auch das Evangelische Krankenhaus Weende befürchtet, dass diese Stellen nicht eigens finanziert werden - „allein schon deshalb, weil es eine bundesweit einmalige Landesregelung ist, die im deutschen DRG-Vergütungssystem nicht abgebildet ist“, erklärt Prof. Michael Karaus, Medizinischer Geschäftsführer des Weender Krankenhauses. Zwar sei die Gefahr der Schädigung von Patienten durch Verabreichung falscher Medikamente oder nicht adäquater Dosierungen von Medikamenten ein dauerhaftes Problem im klinischen Alltag im Krankenhaus, das jedoch „über wiederholte Gegenkontrollen durch den Arztdienst und durch examinierte Pflegekräfte bereits heute bestmöglich reduziert wird“. Hilfreich seien dabei auch Computerprogramme zur Arzneimitteltherapiesicherheit, die diese Arbeit zeitsparend unterstützten. Aber, so Karaus: „Die vorsätzliche Gabe schädigender Medikamente durch einen kriminellen Mitarbeiter ist hingegen eine Straftat, die nur durch die Aufmerksamkeit aller Mitarbeiter erkannt werden kann.“ Jede Unterstützung bei dieser sehr verantwortungsvollen Aufgabe sei willkommen, aber: „Ob dieses durch die neuen Stationsapotheker besser gelingen wird, wurde noch nicht in unserem Krankenhaussystem gezeigt.“

Konsequenzen für die Patientenversorgung

Wenn dafür beispielsweise Ärzte eingespart werden müssten, erläutert Karaus, „so wird sich die Patientenversorgung eher verschlechtern und nicht verbessern. Ein Apotheker kann die Arzttätigkeiten nicht übernehmen, sondern nur überwachen. Dafür muss es zusätzliche finanzielle Mittel geben.“

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„Auch uns hat der Fall des ehemaligen Krankenpflegers seinerzeit sehr betroffen gemacht“, erklärt Markus Kohlstedde, Geschäftsführer des St. Martini-Krankenhauses in Duderstadt. „Trotz auch bisher schon streng geregelter Zugänge zu Medikamenten in unserem Krankenhaus und der Einführung eines anonymen Meldesystems für Zwischenfälle wird bei uns daher jeder Todesfall eingehend besprochen“, versichert Kohlstedde. „Die gesetzliche Regelung zur Einführung von Stationsapothekern ist für uns ein weiterer Baustein zur Erhöhung der Patientensicherheit, den wir ausdrücklich begrüßen.“ Erfahrungen aus dem Ausland belegten, dass Stationsapotheker weniger als Kontrollinstrument, sondern vielmehr als willkommene Unterstützer in der interdisziplinären Zusammenarbeit wahrgenommen würden.

Kosten in Fallpauschalen aufnehmen

Als Akademisches Lehrkrankenhaus erarbeite das St. Martini-Krankenhaus derzeit ein konkretes Umsetzungskonzept für die Anforderungen durch das neue Gesetz. Kohlstedde: „Für eine notwendige Refinanzierung der Stationsapothekerarbeit sprechen wir uns ausdrücklich für eine Abbildung der entstehenden Kosten in den geltenden Fallpauschalen aus.“

Mit der Novellierung des Krankenhausgesetzes habe das Land Konsequenzen aus der beispiellosen Mordserie des ehemaligen Krankenpflegers Niels Högel ziehen und die Patientensicherheit erhöhen wollen, erklärte die Niedersächsische Apothekerkammer. Högel soll in Oldenburg und Delmenhorst mehr als 100 Patienten getötet haben, indem er ihnen ein Medikament spritzte, um lebensgefährliche Herzprobleme auszulösen und durch Hilfeleistungen als Lebenretter glänzen zu können. Der Mehrverbrauch dieser Arzneien während Högels Arbeitszeit war nicht aufgefallen.

Von Matthias Heinzel

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