Stadthalle Göttingen: Rat verschiebt Entscheidung über Sanierungsstopp
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Die Entscheidung über einen Sanierungsstopp der Stadthalle ist nach der Ratssitzung am Freitag vorerst weiter offen.
© Quelle: Hinzmann
Göttingen. Die Karten für die Zukunft der Stadthalle sind neu gemischt. Obwohl sich nach der Explosion der Sanierungskosten eine Kehrtwende andeutet, hat es am Freitag im Rat der Stadt noch keinen Direktbeschluss zum sofortigen Sanierungsstopp sowie der ergebnis- und standortoffenen Prüfung eines neuen Konzeptes gegeben. Der Dringlichkeitsantrag aller Fraktionen mit Ausnahme der SPD wurde zwar einstimmig auf die Tagesordnung gesetzt, nach lebhafter Diskussion aber von der rot-grünen Ratsmehrheit in den Verwaltungsausschuss verwiesen. Eine Entscheidung soll dann in einer Sondersitzung des Rates erfolgen. Die CDU schlug einen Sperrvermerk und eine Sondersitzung am 7. März vor, Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) frühestens am 10. April.
Standort steht zur Disposition
Angesichts einer Kostensteigerung von 20 auf 30 Millionen Euro – ohne Tiefgarage, Umgestaltung des Albaniplatzes und Hallenausstattung – müsse man neu nachdenken, sagte Rolf Becker (Grüne). „Wir wollen keine sanierte Stadthalle mit unverändertem Umfeld und wollen an diesem Punkt stoppen.“ Andere Standorte könnten kostengünstiger sei, weil Verkehrs- und Infrastrukturkosten gespart werden könnten.
CDU plädiert für Neubau
Die Position der CDU für einen Neubau sei hinreichend bekannt, meinte Olaf Feuerstein. Wegen der ausufernden Sanierungskosten müsse jetzt die Kurve gekriegt werden und die Grundsatzfrage neu gestellt werden. Für die Stadthallensanierung samt Umfeld seien bis zu 45 Millionen Euro Kosten denkbar, das Gutachten zur Stadthalle „nicht das Papier wert, auf dem es geschrieben ist“. In die neuen Überlegungen sollte das „Schmuckkästchen Lokhalle“ einbezogen werden. Deren ehemaliger Manager Michael Thenner hat in einem offenen Brief an die Ratsmitglieder moniert, dass zu keiner Zeit fundierte mögliche Alternativkonzepte zur Sanierung der Stadthalle vorgestellt und professionell geprüft worden seien. Niemand aus der Veranstaltungsbranche halte eine Bestandssanierung für sinnvoll oder gar zukunftsorientiert. „Stoppen Sie sofort den Rückbau der Stadthalle, bevor dort Nägel mit Köpfen gemacht werden“, appelliert Thenner. „Offen für alle Lösungen“ zeigte sich Ulrich Holefleisch (Grüne). Die Sanierung sei auch vorgezogen worden, weil „die Menschen, die die Halle nutzen, sie erhalten wollten“, sagte er und warf zudem Klimaschutz und Stadtkultur gegen einen Abriss ins Feld.
Diskussionen nach Kostensteigerung
Die Kostensteigerung habe zu intensiven Diskussionen geführt und könne nicht einfach vom Tisch gewischt werden, räumte SPD-Fraktionsvorsitzender Thomas Wedrins ein und erinnerte an das Bekenntnis auch von CDU und FDP zum „Kachelofen“ Stadthalle in vergangenen Jahren. Es werde immer deutlicher, dass auch über die Funktionalität geredet werden müsse. „Eine Multifunktions-Veranstaltungshalle habe eine andere Funktion als eine Stadthalle, die auch für wenig Geld genutzt werden kann und gut erreichbar ist“, sagte Wedrins und verwehrte sich gegen Vorwürfe einer unseriösen Prüfung der Sanierung.
Stadtbaurat lehnt Abriss ab
Stadtbaurat Thomas Dienberg verwies auf den transparenten Entscheidungsprozess samt Machbarkeitsstudie und Einschalten verschiedener Fachbüros sowie den Nachhaltigkeitsaspekt beim Umgang mit vorhandener Bausubstanz. „Was macht sie so sicher, ob ein Abriss und Neubau günstiger wird als die Sanierung der Halle?“, fragte er die Sanierungsgegner. Das Gebäude mit durchaus eigenwilliger Fassade, das an der richtigen Stelle stehe, sei in die Jahre gekommen, die Grundsubstanz aber gut: „Warum sollte man dieses Gebäude abreißen?“. Auch Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD) rekapitulierte die Vorgeschichte des Sanierungsbeschlusses und gab die ungewissen Kosten für einen Neubau zu bedenken.
Kritik an Durchhaltestrategie
Die Durchhaltestrategie der SPD sei kein guter Weg, meinte Felicitas Oldenburg (FDP). „Die Sanierungsentscheidung war aus unserer Sicht von vornherein falsch.“ Rolf Ralle (Linke) warb ebenso um Unterstützung für den Dringlichkeitsantrag wie Dana Rotter (Piraten). „Wer geht denn zu Fuß in die Stadthalle?“, fragte sie und stellte damit auch den Standort in Frage. An der Stadthalle sei jahrelang nur herumgedoktert, vor zwei Jahren dann eine Hoppla-Hopp-Entscheidung getroffen worden: „Wir müssen prüfen, wie es weitergeht, und vernünftig über einen Neubau nachdenken.“
Die Diskussion zur Stadthalle hatte unmittelbar darauf auch Einfluss auf die Beratungen zum Haushaltsplan der Stadt. Mehr dazu lesen Sie hier.
Von Kuno Mahnkopf