Einigung

Studentenwerk Göttingen und Mieter Rote Straße handeln neue Verträge aus

Wohnheime in der Roten Straße: Die Sanierung der sechs Häuser soll sich auf 5,6 Millionen Euro belaufen.

Wohnheime in der Roten Straße: Die Sanierung der sechs Häuser soll sich auf 5,6 Millionen Euro belaufen.

Göttingen. Der Durchbruch kam in der vergangenen Woche: Das Studentenwerk Göttingen und die Bewohner der Wohnheime Rote Straße 1-5 und der Burgstraße 52 haben neue Mietverträge geschlossen. Vorangegangen war ein drei Jahre langer Streit um Verträge, Sanierungen und Mieten für die sechs im Eigentum des Studentenwerkes befindlichen, aber durch die Bewohner selbstverwalteten Häuser.

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"Wir freuen uns nach einer langen und nicht immer leichten Verhandlungsphase über den zuletzt sehr konstruktiven Dialog und die erreichten Vertragsabschlüsse", sagte Studentenwerksgeschäftsführer Jörg Magull. Die ausgehandelten Verträge seien eine zufriedenstellende Lösung für alle Beteiligten. Er bedankte sich bei der Universität Göttingen, Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD), Ratsherr Gerd Nier (Linke), dem Stiftungsrat und dem Vorstand des Studentenwerks für ihre Unterstützung und Begleitung bei den Verhandlungen.

Gerd Niers Appell an die CDU Göttingen

Die Nachricht über die Einigung habe er mit "Freude und Genugtuung" erhalten, kommentierte der inzwischen ehemalige Ratsherr Nier gegenüber dem Tageblatt. Es seien nicht immer leichte Gespräche gewesen, die Atmosphäre sei aber stets sachlich gewesenen Atmosphäre gewesen. Der gegenseitige Einigungswillen sei dagewesen. "Dafür bedanke ich mich bei allen Beteiligten", sagte Nier. Aus seiner Sicht sei es gut und wichtig für Göttingen, "dass weiterhin unterschiedliche Lebensentwürfe und -vorstellungen für das Zusammenleben und Wohnen in Göttingen ihren Raum haben". Er hoffe, so Nier, dass auch die CDU das Ergebnis zumindest toleriere und nicht weiter "rummäkele" und sich bei der Landesregierung und Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) offensiv dafür einsetze, "dass endlich die notwendigen Mittel für den Bau, aber auch die Sanierung von Studentenwohnungen im Haushalt verankert und fließen werden".

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Auch Anne Jasmin Müller, Studierendenvertreterin im Vorstand des Studentenwerks, die seit Anfang 2018 die letzten Phasen der Verhandlungen begleitet hat, äußert sich in einem ersten Statement glücklich darüber, dass eine für beide Seiten faire Lösung gefunden werden konnte.

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Die neuen Verträge sehen vor, dass die von den Studierenden der sechs Häuser gegründeten Vereine als Vertragspartner mit auftreten. „Die Gebäude werden für studentisches Wohnen genutzt“, heißt es in einer Pressemitteilung des Studentenwerkes. Der „Studierendenstatus“ müsse durch die Übermittlung von Immatrikulationsbescheinigungen nachgewiesen werden. Vertragsfördernd sei der Umstand, dass schließlich ein für alle Seiten akzeptables Mietmodell gefunden wurde, ergänzt Studentenwerkssprecherin Annett Reyer-Günther. „Der Fokus der neuen Verträge liegt auf der Vermietung und Sanierung der sechs Häuser.“ Weitere Details nannte das Studentenwerk zunächst nicht.

Drei Jahre Bauzeit

Gleichzeitig kündigte das Studentenwerk an, mit der Sanierung der ersten drei Häuser am 15. April zu beginnen. Die Sanierungskosten für alle sechs Häuser beziffert das Studentenwerk weiterhin mit rund 5,6 Millionen Euro. Die Bauzeit soll drei Jahre betragen. Übergangsweise sollen die Bewohner der sanierten Häuser im Gauß-Wohnheim in der Kurzen Straße unterkommen.

Ein Gutachten für die Gebäude empfahl bereits 2015 eine umfassende Sanierung und Instandsetzung der Gebäude. "Wir greifen in die tiefste Substanz des Gebäudes ein", sagte Magull 2017. Die Sanierungskosten seien so hoch wie für einen Neubau, erklärte er. Zu den Maßnahmen gehört auch die umfangreiche Sanierung und großflächige Erneuerung des Fachwerks, in dem sich Schimmel breitgemacht hat. Unsachgemäße Sanierungen vor Jahren hatte hier zu Feuchtigkeitsschäden und Schimmelbildung im Gebälk geführt. Die Gutachter empfahlen einen Sanierungsbeginn spätestens fünf Jahren nach Erstellung des Gutachtens.

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Demo der Bewohner der Häuser Rote Straße im Foyer der Mensa des Studentenwerkes im November 2017

Demo der Bewohner der Häuser Rote Straße im Foyer der Mensa des Studentenwerkes im November 2017.

Innovatives und alternatives studentisches Wohnprojekt

„Mit dem jetzt gelungenen Vertragsabschluss, der Sanierung der Gebäude ab Mitte April und der Bereitstellung von Interimswohnmöglichkeiten im Gauß-Wohnheim unterstützt das Studentenwerk Göttingen ein weiteres innovatives und alternatives studentisches Wohnprojekt“, heißt es in der Mitteilung des Studentenwerkes.

Noch im Dezember hatten die Bewohner der sechs selbstverwalteten Häuser die damals vom Studentenwerk vorgelegten Mietverträge abgelehnt. Die Bewohner sahen darin aber keine "Verhandlungsgrundlage", sei daran vom Studentenwerk doch die Forderung geknüpft worden, dass die dringend nötigen Sanierungen ausblieben, wenn die Verträge nicht unterzeichnet würden. Als weiteren Streitpunkt benannten die Bewohner eine in den Vertragsentwürfen angekündigte Mieterhöhung um 160 Prozent und einer anschließenden Staffelmiete mit regelmäßig steigenden Mieten. Seien die Häuser doch eine der letzten verbliebenen Inseln mit bezahlbarem Wohnraum in der Innenstadt.

Sie erreichen den Autor unter

E-Mail: m.brakemeier@goettinger-tageblatt.de

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Twitter: @soulmib

Facebook: michael.brakemeier

Der Text wurde am Dienstag, 2. April, um die Stellungnahme von Gerd Nier ergänzt.

Von Michael Brakemeier

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