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Kundgebung und Fest

Tag der Arbeit: Mehr als 1000 Demonstranten in Göttingen

Demo zum Tag der Arbeit in Göttingen

Demo zum Tag der Arbeit in Göttingen

Göttingen. „Alle sollen genug haben, Gerechtigkeit auch für die Umwelt“. Das stand zu lesen auf einem Schild, dass einer der jüngsten Demonstranten auf dem Platz der Synagoge trug. Dort versammelten sich um 10.30 Uhr mehrere Hundert Bürger zum Demonstrationszug zum Tag der Arbeit. Das Thema lautete diesmal „Europa. Jetzt aber richtig.“

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Zum Auftakt stimmte ein Vertreter der Jugendorganisation der Gewerkschaft Verdi noch am Synagogendenkmal auf die Demonstration ein. Er erinnerte an Erfolge, die die Gewerkschaft im vergangenen Jahr gefeiert hatte, wie das Abschaffen der Zahlungen für Ausbildungen in Pflegeberufen, und kritisierte die Pflegekammer. Große Worte wählte er für das Motto der Mai-Demonstration. Die Ruine Europa solle aus der Asche der Pariser Kathedrale Notre-Dame erstehen. „Eine bessere Welt ist möglich.“

Über die Berliner Straße, das Groner Tor und die Groner Straße zog der mehrere Hundert Bürger starke Demonstrationszug zum Gänseliesel auf dem Wochenmarktplatz. Dort warteten bereits weitere Demonstranten und reihten sich ein. 250 Bürger seien vom Platz der Synagoge gestartet, rund 500 seien es am Gänseliesel gewesen, schätzte die Polizei, die Organisatoren der Demonstration lagen mit ihrer Aussage wohl richtiger, mehr als 600 Menschen seien dort. Auf dem Albaniplatz, wo die Demonstration später in eine Familienfeier überging, waren schließlich mehr als 1000 Teilnehmer zusammengekommen.

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Lothar Hanisch, DGB-Kreisvorsitzender, sprach am Gänseliesel „ein wichtiges Gewerkschaftsthema“ an: „bezahlbares Wohnen“. Dass das Wohnen laut Hanisch zum Luxus geworden sei, nannte der Gewerkschaftsmann einen „Skandal“. „Der Mietwahnsinn muss gestoppt werden.“ Das forderte auch Hendrik Falkenberg von der Groner Initiative „Grobian”, der über Großinvestoren sprach, die zahlreiche günstige Wohnungen aufkauften und die Mieten verteuerten.

Das Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung schließlich plädierte für die Abschaffung der Paragrafen 218 und 219 a. „Frauen haben schon immer selbst entschieden, welche Schwangerschaft sie austragen.“ Sie sollten nach einer Abtreibung nicht stigmatisiert werden.

Wie schon bei der vorangegangenen Etappe liefen die Kinder der Sozialistischen Jugend Deutschlands – die „Falken“ in der ersten Reihe. „Richtig Bock, Kinderblock“, riefen sie und formulierten lautstark ihre Anliegen während des Fußmarsches. „Randale, Bambule, wir wollen coole Schule“, skandierten sie. Schließlich bedienten sie sich auch bei der „Fridays for Future“-Bewegung: „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut“.

Mai-Kundgebung in Goettingen

Mai-Kundgebung in Goettingen

Hauptrednerin der Mai-Kundgebung war diesmal Laura Pooth, die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). „Wir zeigen Flagge für unsere Interessen“, rief sie den Zuhörern zu, „wir machen das, was jeder machen sollte, der nicht mit einem goldenen Löffel im Mund geboren ist.“ Sie nannte die Arbeitslosen-Statistik „geschönt“ und lieferte Zahlen. 13 000 Arbeitslose gebe es in Göttingen, dazu annähernd 18 000 Unterbeschäftigte und etwa 4000 sogenannte Aufstocker, deren Lohn mit Sozialleistungen angehoben werden müsse. Vier Millionen Kinder seien in Deutschland von Armut bedroht, sagte Pooth. Die Chance auf Bildung hänge vom Kontostand ab. Und: „Es droht massenhaft Altersarmut.“ Pooth forderte eine „Umverteilung von oben nach unten“. Ihre Vorschläge dazu: höhere Löhne, eine Aufwertung von Pflege- und Betreuungsberufen, die Wiedereinführung sozialer Sicherungssysteme und mehr Rentengerechtigkeit.

Hanisch forderte schließlich zur Beteiligung an der Europawahl am 26. Mai auf: „Ein Europa für die Menschen lässt sich nur erreichen, wenn wir Parteien wählen, die Europa auch sozial voranbringen wollen. Die sozialen Interessen von Bürgern haben Vorrang vor den Interessen der Unternehmen.“

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Von Peter Krüger-Lenz

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