Landgericht Göttingen

Tod in der Karspüle: 20-Jähriger gesteht tödliche Messerattacke in Göttinger Innenstadt

20.05.2019 Prozessauftakt nach dem Tötungsdelikt in der Oberen Karspüle. Der mittlerweile 20-jährige Angeklagte muss sich wegen Totschlags vor dem Göttinger Landgericht verantworten.

20.05.2019 Prozessauftakt nach dem Tötungsdelikt in der Oberen Karspüle. Der mittlerweile 20-jährige Angeklagte muss sich wegen Totschlags vor dem Göttinger Landgericht verantworten.

Göttingen. Ein 20-jähriger Mann aus Göttingen muss sich seit Montag wegen Totschlags vor dem Landgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Heranwachsenden vor, Anfang Dezember in der Göttinger Innenstadt nach einer verbalen Auseinandersetzung mit einem Messer auf einen 28-jährigen Göttinger eingestochen zu haben. Passanten hatten den Schwerverletzten um kurz nach Mitternacht in der Unteren Karspüle auf dem Boden liegend entdeckt. Der 28-Jährige wurde mit dem Rettungswagen in die Uniklinik Göttingen gebracht, wo er wenig später an seinen schweren inneren Verletzungen verstarb. Der Angeklagte gestand zum Prozessauftakt, mit einem Messer auf den 28-Jährigen eingestochen zu haben. "Ich bereue meine Tat und diesen Abend zutiefst", sagte er.

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Aus unbekanntem Grund in Streit geraten

Laut Anklage soll der bereits wegen Körperverletzung vorbestrafte 20-Jährige aus unbekanntem Grund gegen Mitternacht mit dem 28-Jährigen in Streit geraten sein. Der Angeklagte sei dabei immer aggressiver geworden. Der 28-Jährige habe sich zunächst defensiv verhalten. Nachdem er einen zweiten Schlag ins Gesicht erhalten habe, habe er sich zur Wehr gesetzt und sei dann weggegangen. Kurz darauf habe er sich zu dem Angeklagten und dessen Begleitern zurückbegeben.

Einer aus der Gruppe habe noch versucht, den 20-Jährigen festzuhalten, der „rasend vor Wut“ gewesen sei. Der Angeklagte habe sich jedoch losgerissen und dem 28-Jährigen mit einem Klappmesser zweimal in die Brust und dann mit voller Wucht in den rechten Oberschenkel gestochen. Dieser erlitt dadurch einen massiven Blutverlust und verstarb kurze Zeit später auf der Intensivstation.

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Transparente und Mahnwache vor dem Prozess

Am ersten Verhandlungstag hatten Menschen aus dem persönlichen Umfeld des Opfers vor dem Gericht Transparente aufgehängt, um zu dokumentieren, wie viel ihnen der Getötete bedeutete. An dem Prozess nehmen auch die Eltern und die vier Geschwister des 28-Jährigen als Nebenkläger teil. Während der Verhandlung brachen sie wiederholt in Tränen aus.

Nach Angaben des Angeklagten war er am Tatabend gemeinsam mit Freunden in der Stadt unterwegs gewesen. Sie hätten Whiskey und Gin getrunken, er habe zudem auch Haschisch und Koks konsumiert. Zwischendrin habe er sich abgesetzt, um mit seiner Freundin einen Spaziergang zu machen, und sei dann später vor einem Döner-Imbiss wieder zu ihnen gestoßen.

Dort stand auch das spätere Opfer. Der 28-Jährige sei ihm völlig unbekannt gewesen, sagte der Angeklagte. Einer seiner Kumpel, den das Gericht am ersten Prozesstag als Zeugen befragte, berichtete, dass der 28-Jährige sie kurze Zeit vorher am Waageplatz angesprochen hatte. Der 28-Jährige habe Haschisch dabei gehabt und sie nach Feuer gefragt. Sie hätten gemeinsam mehrere Joints geraucht und seien dann zufällig an dem Imbiss wieder aufeinander getroffen.

Das Warum bleibt unklar

Warum und wie es dann zu der tödlichen Auseinandersetzung kam, blieb trotz bohrender Nachfragen des Vorsitzenden Richters unklar. Nach Angaben des Zeugen waren der Angeklagte und der 28-Jährige plötzlich verschwunden. Wenig später habe der Angeklagte sie telefonisch informiert, dass sie in der Unteren Karspüle seien. Der Angeklagte selbst machte keine Angaben dazu, warum er mit dem 28-Jährigen dorthin gegangen war. Der 28-Jährige habe auf einer Treppe eine Federmappe ausgelegt, in der sich ein Klumpen Haschisch und andere Utensilien befunden hätten, außerdem ein Messer.

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Kurz nachdem seine Freunde sich dazu gesellt hatten, sei es zu Beschimpfungen und Beleidigungen gekommen. Er habe sich „stark provoziert“ gefühlt und dem 28-Jährigen mehrfach ins Gesicht geschlagen. Dieser habe ihm einen Faustschlag auf das rechte Auge versetzt. Er habe dann ein Klicken gehört und gedacht, dass der 28-Jährige ihn mit einem Messer angreifen könnte. Daraufhin habe er ein Messer gezogen, um ihm mit einem „kleinen Stich in den Oberkörper oberhalb des Herzens kampfunfähig“ zu machen. Der 28-Jährige sei dann zunächst weggerannt. Als er plötzlich zurückkam, habe er ihm in den Oberschenkel gestochen, worauf dieser zu Boden gesackt sei. Er sei dann weggelaufen und mit einem Kumpel in eine Bar gegangen. Als er am Folgetag erfuhr, dass der 28-Jährige gestorben war, habe er sich der Polizei gestellt.

Beileid zum Schluss

Zum Schluss seiner Einlassung sprach der Angeklagte den Angehörigen sein Beileid aus. Er könne sich nicht erklären, wie es zu dieser Tat kommen konnte. Er sei an dem Abend „nicht ich selbst“ gewesen. „Ich wünschte, ich könnte alle ungeschehen machen“, sagte er.

Links zum Tod in der Karspüle

Anfang Dezember ist ein 28-jähriger Mann an der Unteren Karspüle erstochen worden. Seit Montag läuft der Prozess gegen den Angeklagten. Hier können sie die bisherige Berichterstattung im Göttinger Tageblatt nachlesen.

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Von Heidi Niemann

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