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Kolumne „Mein Landleben“

Vergessene Wörter

Diese Wörter sind nur noch selten oder nie zu hören.

Diese Wörter sind nur noch selten oder nie zu hören.

Göttingen.Du bist ja nicht bange, sagte neulich ein Dorfbewohner im Seniorenalter zu meinem Mann. Es ging um den Umgang mit Pferden, was hier ganz nebensächlich ist. Bedeutend war für meinen Mann in diesem Moment das Wort bange, das unsere Kinder gar nicht mehr kennen – sie würden ängstlich sagen. Mit diesem Wort begann ein Abend, den wir mit längst vergessenen Wörtern verbrachten. Es kam zu einer Diskussion darüber, ob man auch bangig sagen könne, wenn man bange meine. Mein Mann behauptete, das so zu kennen. Aber ich war mir sicher, dass eine Verwechslung mit bannig vorlag. Wir verbrachten bannig viel Zeit mit den beiden Wörtern und stellten fest, dass man offenbar auch bangig sein kann, wenn man bange ist. Von der Wortklauberei war mir schon ganz blümerant geworden, vielleicht lag es aber auch nur am Rotwein, den wir nebenbei tranken.

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Wir blieben bis in die Puppen wach und redeten über seinen Pottschnitt, wegen dem er in seiner Kindheit gehänselt wurde. Heute hänselt keiner mehr, es wird gemobbt. Hänseln – das ist quasi Diskriminierung im Namensbereich. So wie Hanswurst. Und welcher kleine Matthias beziehungsweise Matz war wohl dafür verantwortlich, dass Kinder keine Mätzchen machen sollten? Man wird wohl nie erfahren, wer dieser Dreikäsehoch war. Auch nicht, wo die Hempels wohnten, unter deren Sofa es immer so schrecklich aussah, weil dort lauter Gedöns herumlag, das mir auch als Kladderadatsch bekannt ist. Den sollte ich immer wegräumen und dabei keine Fisimatenten machen, was in meinen Ohren wie fiese Mantenten klang. Als Kind dachte ich, es seien wohl fiese Ausbrüche gemeint. Man verhört sich eben schnell bei diesem Ausdruck, weshalb es für ihn diverse Herkunfts-Analysen gibt. Laut Duden war das Wort ursprünglich ein Satz, mit dem französische Soldaten junge Frauen einluden, in ihr Zelt zu kommen: Visite ma tente. Derartiges verboten Mütter ihren Töchtern natürlich. Im Sprachgebrauch mit Kindern erscheinen Fisimatenten im Nachhinein etwas deplatziert, aber mir war immer klar, dass man sie nie machen sollte.

Das haben sie mit den Sperenzchen gemeinsam. All diese Wörter sind nur aus der Mode geraten. Doch das, was sie benennen, ist im täglichen Leben immer noch relevant. Ganz anders ist es mit den Wörtern, die ausgestorbene Dinge beschreiben. Man braucht sie einfach nicht mehr. Zum Beispiel Groschen. Er verursacht geradezu Wehmut. Mit ihm habe ich Wassereis oder Weingummi gekauft.

Den Bandsalat dagegen, den man gar nicht essen konnte und der nur Ärger gemacht hat, vermisse ich nicht. Wirklich bedauerlich ist, dass kein junger Mensch jemals eine Ahnung haben wird, wie gut eine Matrize gerochen hat. Ich könnte bei diesen Wörtern noch ewig in Erinnerungen schwelgen. Aber bevor ich in Verruf gerate, zu schwafeln, mache ich jetzt lieber Sendeschluss.

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Info: Sie erreichen die Autorin unter E-Mail: autorin@anke-weber.de

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Von Anke Weber

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