Neubau für „Festes Haus“

Zahl der gefährlichsten Patienten verdoppelt sich

Vom Abriss bedroht: Ein Neubau soll das Feste Haus ersetzen. Die Zukunft der Klingebiel-Zelle – hier ein Nachbau – ist ungewiss.

Vom Abriss bedroht: Ein Neubau soll das Feste Haus ersetzen. Die Zukunft der Klingebiel-Zelle – hier ein Nachbau – ist ungewiss.

Künftig sollen dort 70 Hochsicherheitsplätze vorgehalten werden, teilte gestern das Niedersächsische Ministerium für Soziales mit.
Das Feste Haus wurde im Jahr 1900 als Teil des damaligen Krankenhauses für psychisch Kranke erbaut und hat Gefängnischarakter. Bei der Privatisierung des Landeskrankenhauses (heute Asklepios-Kliniken) ging es an das LKH Moringen über, weil der Maßregelvollzug, also die forensische Psychiatrie, Aufgabe des Landes blieb. Die forensischen Landeskrankenhäuser betreuen 1250 Patienten in ganz Niedersachsen. Im Festen Haus Göttingen bestehen derzeit lediglich 32 Plätze mit höchster Sicherheit.

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Mit der Kapazitätserweiterung, so Ministeriumssprecher Thomas Spieker, solle dem steigenden Risikopotential der Hochsicherheitspatienten Rechnung getragen werden. Zugleich sollen bessere therapeutsche Bedingungen für Untergebrachte und Beschäftigte erreicht werden.
Weil eine dringend nötige Sanierung des maroden Altbaus sowie ein Erweiterungsbau höhere Kosten als ein Neubau erfordern würde, habe man sich zu einem Ersatzbau entschlossen. Das sei "ein klares Signal für mehr Sicherheit trotz der Sparzwänge", so Spieker.

Eine Studie für einen Neubau auf der Wiese zwischen Klinik und Jugendanstalt war schon vor einem Jahr erstellt worden. Dann waren die Pläne aber auf der Streichliste der Landesregierung gelandet. Nun wird dieses Bauvorhaben aber doch realisiert. Ab wann gebaut wird, stehe aber nicht fest. Das Finanzministerium bestätigt auf Anfrage, dass Mittel für die gerade begonnenen Planungen bereitstehen. Es wird mit Investitionen von 25 Millionen gerechnet.

Was aus dem Altbau wird, ist unklar. Ein riesiges Kunstwerk könnte den Abriss des alten Hauses verhindern. Eine in den 1950er Jahren von dem schizophrenen Psychiatriepatienten Alfred Klingebiel ausgemalte Zelle des Gebäudes gilt heute als eines der bedeutendsten Kunstwerke psychisch kranker Künstler. Hochrangige Wissenschaftler, der Landesdenkmalschutz und die Prinzhorn-Sammlung für Kunst aus der Psychiatrie der Uni Heidelberg setzen sich für die Erhaltung der Originalzelle ein. Eine der Ideen: In dem Haus könnten um die Klingebiel-Zelle Ateliers entstehen und Ausstellungen stattfinden – mit Kunst von Psychiatriepatienten.

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