Wochenendkolumne

Zeitungsleser kriegen mehr

Der Göttinger Bahnhof.

Der Göttinger Bahnhof.

Göttingen. Jeder redet über die Gefahren für Radfahrer am Groner Tor und an anderen Stellen in der Innenstadt. Die härteste Prüfung für Fußgänger ist in Göttingen aktuell der Weg aus dem Bahnhof. Dort erlebt man praktisch an jedem Morgen einen Werbe-Dreiklang.

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1. Station: Auf dem Weg zum Ausgang linker Hand die Luftrettung oder Kollegen von „Welt“ oder „FAZ“. Jede dieser drei Abordnungen, die sich regelmäßig abwechseln, trifft meine Sympathie, doch das war's dann auch. Mehr als ein Abo von jeder Zeitung verträgt man einfach nicht, und die Notwendigkeit von Luftrettung begreife ich sofort.

2. Station: Rechter Hand stehen drei Gestalten mit einem Mienenspiel zwischen Endzeitstimmung und Waldorf-Seligkeit. Zwei haben einschlägige Druckerzeugnisse in den Händen, die dritte Figur präsentiert auf einem iPad die Frage „Wo ist Gott?“ An der Überlegung bin ich in allen Phasen des Studiums gescheitert, und die für mich wirklich existenzielle Frage am frühen Morgen ist allenfalls: Wo ist mein Autoschlüssel?

Christoph Oppermann

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Richtig unterhaltsam aber wird’s am Klotz. Dort stehen seit einiger Zeit regelmäßig VertreterInnen eines bekannten Kinderhilfswerkes, zumeist junge Damen, die dem äußeren Anschein nach eben erst die Geschäftsfähigkeit im streng juristischen Sinne erreicht haben dürften. Wirklich jedes Mal versuchen sie das Gespräch mit der verblüffenden Feststellung zu eröffnen: „Ich möchte mit Ihnen über Kinder reden.“ Nun, vielleicht bin ich ein bisschen altmodisch, aber zu sehr will ich junge Menschen auch nicht frustrieren, schon gar nicht am frühen Morgen. Deshalb antworte ich immer unter Zuhilfenahme allen mich auszeichnenden Charmes wahlweise mit „Sie sind so gar nicht mein Typ.“ oder dem Hinweis „Aus uns kann nichts werden.“ Die verständnislosen Blicke sind's mir jeden Morgen aufs Neue wert.

Jetzt mal Spaß beiseite: Was Ihnen allen, die in solchen mobilen Agitprop-Trupps tätig sind, klar sein müsste:

1. Am Bahnhof trifft man zwar viele Menschen, aber häufig auch täglich dieselben. Insofern vielleicht als Jagdgrund für Spenden- oder Aboakquise weniger gut geeignet, als man denken möchte.

2. Jeden Morgen gleich mehrfach und von allen Seiten angegangen zu werden, kann man mögen. Muss man aber nicht.

Kleiner Vorschlag: Wer aus solch einer Gruppe mir seine Tageblatt-Abo-Nummer nennen kann, darf mich gern mit seiner Werbebotschaft ansprechen.

Schönes Wochenende.

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Sie erreichen den Autor unter

E-Mail: c.oppermann@goettinger-tageblatt.de

Twitter: @tooppermann

Facebook: @christoph.oppermann

Von Christoph Oppermann

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