Festes Haus in Göttingen

Zukunft der Klingebiel-Zelle bleibt weiter ungeklärt

Psychiatriepatient Justus Klingebiel bemalte in der 1950er-Jahren seine Zelle im Festen Haus Göttingen.

Psychiatriepatient Justus Klingebiel bemalte in der 1950er-Jahren seine Zelle im Festen Haus Göttingen.

Göttingen. Das Land Niedersachsen prüfe derzeit, ob eine geeignete Nachnutzung des „Festen Hauses“ innerhalb der Landesverwaltung erreicht werden könne, teilte das Ministerium für Wissenschaft und Kultur in Hannover mit. Eine solche Nutzung solle dann auch den dauerhaften Erhalt und den öffentlichen Zugang zur Klingebiel-Zelle gewährleisten.

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Das Ministerium beantworte damit eine Anfrage der Landtagspräsidentin und Göttinger Abgeordneten Gabriele Andretta. Die SPD-Politikerin hatte gefragt, welche Pläne die Landesregierung mit den Liegenschaften verfolge.

Außergewöhnliches Raumkunstwerk

Im „Festen Haus“ war der psychisch kranke Schlosser Julius Klingebiel (1904-1965) von 1947 bis 1959 eingesperrt. Aus Zahnpasta, Milch, Speichel und Kohle rührte er Farben an und bemalte die Wände seiner Zelle mit Landschaften, Tieren, religiösen Symbolen und vielen zeitgeschichtlichen Hinweisen. Nur die Tür, das Fenster, den Waschtisch und einen schmalen Streifen unter der Decke sparte er aus. Unter Experten gilt die seit 2012 unter Denkmalschutz stehende Klingebiel-Zelle als außergewöhnliches Raumkunstwerk.

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Die Zelle ist bis heute öffentlich nicht zugänglich, lediglich eine Kopie ist von Zeit zu Zeit im Museum des zwischenzeitlich privatisierten Psychiatrie-Krankenhauses zu besichtigen. Ein Nachbau stand im Herbst 2016 auch für einige Wochen in der Stadtkirche von Wunstorf bei Hannover.

Der Rat der Stadt Göttingen hatte im Juli 2015 einstimmig beschlossen, dass die Zelle in Göttingen bleiben soll. Auch das Sprengel Museum Hannover hatte sich zwischenzeitlich um die Klingebiel-Zelle bemüht. Zuständig für die Zelle ist aber das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege, da es sich beim „Festen Haus“ um eine Liegenschaft des Landes handelt.

Land wollte „Festes Haus“ übernehmen

Nach Angaben des Ministeriums hat das Land der Stadt Göttingen die Übernahme des „Festen Hauses“ angeboten, diese habe aber kein Interesse gezeigt. Die von der Stadt vorgeschlagene Verbringung der Zelle in ein Göttinger Museum sieht wiederum die Landesregierung kritisch: „Die Zelle verlöre mit einer Translozierung ihre Denkmaleigenschaft“, heißt es in der Antwort des Ministeriums.

Von epd

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