Luchse und Co.

Harz: Wildtiere kommen unterschiedlich gut durch den harten Winter

Für Luchse im Harz und anderenorts sind die geschwächten Rehe im wahrsten Wortsinn ein gefundenes Fressen.

Für Luchse im Harz und anderenorts sind die geschwächten Rehe im wahrsten Wortsinn ein gefundenes Fressen.

St. Andreasberg. Die Temperaturen waren im südlichen Niedersachsen nachts auf unter minus 20 Grad gesunken. Dort und im Harz liegen 50 Zentimeter Schnee, auf dem Brocken sind es sogar 1,50 Meter. Das extreme Winterwetter versetzt viele Wildtiere in großen Stress. „Rehe und Rotwild haben es ganz schwer“, sagt der Forstwissenschaftler Ole Anders vom Nationalpark Harz. „Die stecken bis zum Bauch im Schnee und kommen nur langsam voran.“

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Während Hirsche immerhin noch Rinde von Bäumen abschälen können, haben Rehe große Probleme, Nahrung zu finden. „Sie scharren ihr Futter normalerweise unter dem Schnee frei“, so Anders. „Wenn zu viel davon liegt und der auch noch überfriert, wird es schwierig.“ Des einen Leid, des anderen Freud’: Für die Luchse im Harz und anderenorts sind die geschwächten Rehe im wahrsten Wortsinn ein gefundenes Fressen. „Hoher Schnee ist eine gute Zeit für Beutegreifer“, sagt Anders, der seit vielen Jahren das Luchs-Auswilderungsprojekt im Nationalpark leitet.

Raubkatzen bewegen sich schnell im Schnee

Mit ihren im Verhältnis zum Körper sehr großen Pfoten könnten sich die Raubkatzen gut und schnell im Schnee bewegen: „Sie haben sozusagen Schneeschuhe an.“ Im Jahr 2000 begann im Harz die Auswilderung von Luchsen. Rund 90 Pinselohren leben Schätzungen zufolge in dem Mittelgebirge in freier Wildbahn.

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Längst nicht so gut wie die Luchse kommen die Wildkatzen im harten Winter über die Runden. Sie fressen sonst vor allem Mäuse, die aber zurzeit unter der Schneedecke versteckt und damit kaum erreichbar sind. Die Wildkatzen müssen also improvisieren. „Wir haben beobachtet, dass sie sich an die Reste von Luchs-Rissen gemacht haben“, erzählt Anders.

Füchse werden zu Vegetariern

Füchse, normalerweise Allesfresser, werden im Winter zwangsweise zu Vegetariern. Weil Mäuse, Vögel oder Regenwürmer nur schwer zu bekommen sind, ernähren sie sich hauptsächlich von Kompost und Abfällen - und treiben sich deshalb besonders häufig in menschlichen Siedlungen herum. Wie andere einheimische Raubtiere halten auch Füchse weder Winterschlaf noch Winterruhe. Sie sind in der kalten Jahreszeit sogar sehr aktiv, da die Paarungszeit auf die Monate Januar und Februar fällt. Die Rüden streifen wochenlang den Weibchen hinterher und müssen die wenigen Tage abpassen, an denen diese befruchtungsfähig sind. Unabhängig vom Fressen und Gefressenwerden entwickeln alle Wildtiere Strategien, um im Winter zurechtzukommen, weiß Florian Rölfing, Sprecher der Landesjägerschaft Niedersachsen. „Sie wechseln zum Beispiel vom Sommerfell zum Winterfell oder Winterhaar und legen schon im Herbst Fettreserven an, von denen sie dann in den Wintermonaten zehren.“

Stoffwechsel verändert sich im Winter

Bei vielen Tieren, wie beispielsweise beim Rehwild, verändere sich im Winter auch die Stoffwechselaktivität: „Die Körpertemperatur wird abgesenkt“, sagt Rölfing. „Die Herzfrequenz verlangsamt sich, und sie bewegen sich so wenig wie möglich. So sparen sie Energie und Kräfte in der kalten Jahreszeit.“ Dieser „Energiesparmodus“ funktioniere aber nur, wenn die Wildtiere ungestört blieben, betont Rölfing. „Je mehr Stress sie durch Beunruhigung haben, desto schneller bauen sie ihre Reserven ab.“ Bei jeder Störung und jeder Flucht verbrauchten Wildtiere viel Energie, die ihnen im weiteren Verlauf der Kälteperiode fehle. „Das kann mitunter gravierende Folgen haben.“

Friedhart Knolle, Sprecher der Nationalparkverwaltung Harz, ermahnt Wanderer, Rodler und Skilangläufer, sich jetzt besonders rücksichtsvoll zu verhalten. Sie sollten unbedingt auf ausgewiesenen Wegen und Flächen bleiben. Wer querfeldein laufe, richte – oft unbewusst – schwere Schäden an. Tiere würden aufgeschreckt und aus ihren Verstecken vertrieben. „Finden sie danach nicht genug Nahrung, um wieder zu Kräften zu kommen, kann das ihren Tod bedeuten.“

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Von epd

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