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Juckende Haut und Pusteln

In Hannover grassiert die Krätze

Allgemeinmediziner Dr. Helmut Beermann untersucht in seiner Praxis einen Patienten.

Allgemeinmediziner Dr. Helmut Beermann untersucht in seiner Praxis einen Patienten.

Hannover.Das Jahr 2018 ist erst gute drei Monate alt, doch schon jetzt ist klar, dass es ein „Krätzejahr“ wird.  Das Kinder- und Jugendkrankenhaus auf der Bult hat vermehrt Fälle der  juckenden Hautkrankheit festgestellt. Während im vergangenen Jahr insgesamt 79 Patienten mit Krätze – oder latainisch Scabies - behandelt wurden, sind es im ersten Quartal bereits 34 Fälle.  Allein im Februar mussten zehn kleine Patienten stationär aufgenommen werden. „Zuletzt waren drei Kinder gleichzeitig bei uns, die wegen der hohen Ansteckungsgefahr mehrere Tage getrennt von anderen Patienten untergebracht werden mussten“, sagt Kliniksprecher Björn-Oliver Bönsch. Bereits im letzten Jahr habe es eine Zunahme von Krätzefällen gegeben, „aber jetzt ist es richtig auffällig.“

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Auch an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) wurden seit Jahresbeginn mehr Krätzefälle registriert als in den Vorjahren. „Wir haben eindeutig eine Krätzewelle, die Milben sind im Winter und Frühling sehr aktiv“, betont Prof. Alexander Kapp, Direktor der Klinik für Dermatologie und Allergologie an der MHH. Es gebe stets Makrozyklen für den vermehrten Auftritt des Ausschlags, „und 2018 ist ein Krätzejahr“. Grundsätzlich gelte, dass sich die Krankheit dort ausbreitet, „wenn sich Menschen sehr nahe kommen oder  viele auf begrenztem Raum aufeinandertreffen.“

Was tun bei Krätze?

Infoblatt der MHH zum Download (pdf, 47,80 kB).

Krätze  äußert sich durch plötzlich juckende Haut, Pusteln unter den Achseln, im Intimbereich, Nacken oder zwischen den Fingern. Durch engen Kontakt mit bereits infizierten Menschen können die Milben übertragen werden, die für die Eiablage gewissermaßen Gänge unter der obersten Hautschicht bohren. Betroffene sollten die Krätze  beim Haus- oder Kinderarzt nachweisen lassen.  Der Ausschlag kann meist selber äußerlich behandelt werden, „nur in schweren Fällen bei Immundepression  ist eine stationäre Behandlung nötig“, sagt Prof. Kapp. Seit einigen Jahren wird die Krätze auch mit einem Medikament  zur Einnahme therapiert, „das Präparat wird allerdings derzeit so oft – zuweilen auch ohne eindeutige Diagnose – verschrieben, dass es zwischenzeitlich Lieferengpässe gab“, so der Dermatologe. Laut einer Meldung der Krankenkasse Barmer hat sich die Zahl der für Krätze verschriebenen Medikamente bereits 2017 um 60 Prozent erhöht.

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In der Klinik auf der Bult werden vor allem junge Säuglinge stationär behandelt, für die die Behandlung mit dem gängigen Medikament nicht offiziell zugelassen ist, erläutert Sprecher Bönsch.  „Zudem werden Patienten aufgenommen, die unter quälendem Juckreiz und ausgeprägten Ekzemen leiden oder eine bakterielle Infektion entwickeln.“ Helmut Beermann, Allgemeinmediziner aus der Südstadt, hatte einen besonders schweren Fall. „Der Mann war am ganzen Körper befallen. Da zu dem Zeitpunkt das Medikament in Hannover nicht vorrätig war, ist er bis nach Holland gefahren.“ Normalerweise werde der Ausschlag mit Creme erfolgreich therapiert, „aber bei diesem Patienten war der Befall extrem heftig, da musste von innen behandelt werden.“

Bei der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) gibt es keine konkreten Krätze-Zahlen. „Die Krankheit ist nicht meldepflichtig, aber nach unseren Informationen von Krankenhäusern und Landesgesundheitsamt ist die Zahl der Fälle gestiegen“, so KV-Sprecher Detelf Haffke.

Von Susanna Bauch

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