Mahnwache

250 Menschen in Northeim folgen Aufruf

250 Menschen nehmen an der Mahnwache auf dem Northeimer Stadtfriedhof teil.

250 Menschen nehmen an der Mahnwache auf dem Northeimer Stadtfriedhof teil.

Northeim. Die Betroffenheit über die Geschehnisse auf dem Northeimer Stadtfriedhof in der Nacht vom 10. auf den 11. November ist bei allen Teilnehmern an der Mahnwache spürbar. Verwüstet und beschmiert hatten die Täter das muslimische Grabfeld. Dort können seit einigen Jahren auch Moslems ihre Angehörigen bestatten.

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Der Northeimer Bundestagsabgeordnete Roy Kühne (CDU) hatte zur Mahnwache für Mitmenschlichkeit aufgerufen. Und 250 folgten seinem Ruf. „Für einen Freitagnachmittag ist das ein sehr gutes Signal“, meinte der Northeimer, der dazu aufrief, gemeinsam die Gesellschaft zu gestalten. Die Zuhörer nickten zustimmend. „Northeim setzt sich für ein gutes, geselliges Miteinander ein“, fuhr er, der die Grabschändungen als abscheulich und zutiefst schockierend bezeichnete, fort.

Bundestagsabgeordneter Roy Kühne (Zweiter von rechts) hat zur Mahnwache aufgerufen.

Bundestagsabgeordneter Roy Kühne (Zweiter von rechts) hat zur Mahnwache aufgerufen.

Gutes Miteinander

Auch Northeims Bürgermeister Simon Hartmann (SPD) bezog eindeutig Position. „Muslime sind ein fester Bestandteil unserer Gesellschaft. Seien sie bereit, stehen sie zu Gesprächen bereit“, forderte er.

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Sehr eindringlich waren die Worte, die Müfit Pürtelas an die Teilnehmer der Mahnwache richtete. Pürtelas war im Vorstand von DITIB, der türkisch-islamischen Gemeinde in Northeim, leitete selbst diverse Projekte. "Ein oder mehrere Täter haben eine menschenverachtende Tat begangen. Die Farbe und die Zeichen sind mittlerweile fast vollständig weggewischt worden. Aber die tiefe Wunde und die Trauer, die es hinterlassen hat, sitzt sehr tief. Für mich war es sehr schlimm, die Familien am Grab ihrer Verstorbenen weinend und verstört zu sehen. Die Täter wollten zeigen, dass Menschen anderer Herkunft oder anderer Religionen hier nicht willkommen sind", verdeutlichte er. Sie seien dem derzeitigen Trend gefolgt, der sich gegen andersartige oder andersgläubige Menschen richtet. "Die Menschen, die so was machen, sprechen nicht für die Mehrheit. Es sind nur wenige. Wir sind viel mehr", sprach er mit seinen Worten den Zuhörern aus der Seele. Einige konnten die Tränen nicht zurückhalten.

Dialog suchen

Pürtelas appellierte an seine Mitmenschen: „Lasst uns versuchen, diesem Trend entgegenzuwirken, indem wir den Dialog suchen. Sprecht mehr mit euren muslimischen Nachbarn, Arbeitskollegen oder Freunden. Seht in der Andersartigkeit keinen Nachteil, sondern eher die Chance, etwas Neues kennenzulernen. Lasst uns dafür sorgen, dass Northeim weiterhin bunt bleibt, und der Hass die Menschen nicht verändert.“

Setzt die geschändeten Gräber wieder instand: Sebastian Axhovic

Setzt die geschändeten Gräber wieder instand: Sebastian Axhovic

Unter den Teilnehmern an der Mahnwache war auch Sebastian Axhovic. Er hatte von den Grabschändungen aus den Medien erfahren und daraufhin sofort seine Hilfe angeboten. Aus Minden war der selbstständige Steinmetz angereist. „Ich übernehme die Instandsetzung auf meine Kosten“, berichtete er und löste damit spontanen Beifall aus. An Ort und Stelle erläuterte er die Maßnahmen, die ergriffen werden müssen. „In diesem Jahr wird es allerdings nichts mehr, denn es ist schon zu kalt“, sagte er fast entschuldigend.

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Mit roter Farbe ist die Gedenktafel auf dem Northeimer Friedhof beschmiert.

Mit roter Farbe ist die Gedenktafel auf dem Northeimer Friedhof beschmiert.

Auch der evangelische Landesbischof Ralf Meister verurteilte die Schändung der Gräber.

Von Vicki Schwarze

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