Comeback für den Kuschelbot

„Baymax“ ist wieder da – der Roboter mit dem goldenen Herzen startet bei Disney+

Der freundliche Gesundheitsroboter aus der Nachbarschaft: Baymax hilft den Bewohnern von San Fransokio – ob sie wollen oder nicht. Szene aus der Kurzfilmserie „Baymax!“ (Start am 29. Juni).

Der freundliche Gesundheitsroboter aus der Nachbarschaft: Baymax hilft den Bewohnern von San Fransokio – ob sie wollen oder nicht. Szene aus der Kurzfilmserie „Baymax!“ (Start am 29. Juni).

Roboter sind oft zum Verlieben. Sie sind still, hilfreich, menschenlieb, sind oft die besseren Menschen – jedenfalls in den Traumländern Kino und TV. Zu unseren Favoriten zählen Huey, Dewey und Louie, die nach Donald Ducks Neffen benannten zwitschernden Blechkästen, die in Douglas Trumbulls „Silent Running“ (1971) auf dem Raumschiff „Valley Forge“ pflichtbewusst die letzten Wälder der Erde hüten und pflegen.

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R2-D2 und C-3PO (in den Optiken Mülltonne und Goldkerl), die Robo-Clowns aus „Star Wars“, sind uns seit nunmehr 45 Jahren ans Herz gewachsen wie Stan Laurel und Oliver Hardy. Und kaum eine unter den Menschmaschinen toppt an Liebenswürdigkeit Andrew Stantons Schrottbot Wall‑E, der im Alleingang die verheerte Erde aufräumt.

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Und da wäre noch Baymax, der Prototyp eines kybernetischen „Gesundheitsbegleiters“, ein rundlicher Bot, der aussieht wie der Marshmallowmann aus Ivan Reitmans „Ghostbusters“ (1984) und der darauf programmiert ist, Gutes zu tun. 2015 war er der Held des Animationsfilms „Baymax – riesiges Rohuwabohu“, mit dem Disney die relativ unbekannte Marvel-Comicserie „Big Hero 6″ adaptierte (und entkernte). Ein Kinohit, dem zwischen 2017 und 2021 eine Zeichentrickserie in drei Staffeln folgte.

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In San Fransokio fahren noch die guten alten Cable Cars

Und jetzt geht es mit „Baymax!“ computeranimiert weiter. Wir sind zurück in seiner Heimatstadt San Fransokio – einem Mash-up aus Tokio und Frisco, wo die Träger der Golden Gate Bridge an einen buddhistischen Schrein erinnern. Seit dem Los Angeles in Ridley Scotts „Blade Runner“ hat Hollywood keine derart asiatisierte Stadt mehr geschaffen. Aber die guten, alten, goldgelben Cable Cars fahren noch in der Serie von Don Hall, der außer beim „Baymax“-Kinofilm auch Regie bei den Disneyfilmen „Vaiana“ (2016) und „Raya und der letzte Drache“ (2021) führte.

Baymax’ Auftritt auf der Leinwand war damals an die relativ tragische Familiengeschichte um zwei Waisen gekoppelt – den Robotronikstudenten Tadashi und seinen Herumtreiberbruder Hiro. Es ging um kapitalistische Gier und wie sie dem Fortschritt im Wege steht. Es gab auch einen unheimlichen Gegner, der mit einer Kabuki-Maske auf einer Welle von Microbots durch die nächtliche Stadt sauste und besiegt werden musste.

Baymax – der Plastikmann für körperliche und seelische Fitness

Etwas mehr von solchen Abenteuern hätten wir auch diesmal genommen. Doch die Serie „Baymax!“ ist eher eine an Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren gerichtete, niedliche Erinnerung an das Gute in Gestalt jenes aufgeblasenen Helden – mit eher flacher Spannungskurve. Der einst von Tadashi auf den Schutz von Hiro programmierte Baymax, ein bauchiges Getüm mit Armen, die Walflossen ähneln, diagnostizierte damals die wechselhafte, von Trauer und Überschwang geprägte Gefühlswelt von Hiro mit nur einem Wort: Pubertät. Und er half ihm beim Coming-of-Age.

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Und so rollt der Kuschelbot mit der schläfrigen Stimme, verstaut in seinem Köfferchen, auch heute wieder durch Fransokio, um Ausschau zu halten nach einer oder einem Bedürftigen. Um sich dann aufzupumpen, sich auch ein wenig aufzudrängen, alles gutzumachen und den Geholfenen mit einem Lolli zu danken – der Plastikmann für körperliche und seelische Fitness.

Baymax lässt sich in der Drogerie Lieblingstampons aufschwatzen

Der der griesgrämigen Frau Kiko mit ihrem schmerzenden Ischias nicht nur hilft, ihre Wasserphobie zu überwinden, sondern sie auch noch lehrt – viel wichtiger –, „dass es nie zu spät ist, ein bisschen zu leben“. Hiros Tante Cass, die ihr Lucky Cat Café auch nach zwei Fußverletzungen nicht schließen will, bringt Baymax mit Sanftmut und Beharrlichkeit zur Genesung und zur Erkenntnis, dass etwas mehr Selbstbewusstsein durchaus angebracht ist. Es gebe zwar viele Cafés im Viertel, zu denen ihre Kundinnen und Kunden in der Woche, in der sie schließen muss, wechseln könnten – „aber nur eine Cass“.

Auch der zwölfjährigen Sofia steht Baymax erfolgreich bei, die kurz vor einer Schulaufführung ihre erste Periode bekommt und sich auf der Toilette versteckt. Und es ist die witzigste Szene der ganzen Serie, wenn Baymax sich in der Drogerie von verschiedenen Kundinnen diverse Lieblingstampons und ‑binden aufschwatzen lässt – der männlich definierte Bot schleppt dann alles tütenweise bei Sofia an. „Ich bin noch ein Kind“, beharrt die überforderte Sofia. „Dein Körper mag sich ändern, aber du wirst immer du sein“, weiß der weise Weiße. Keiner hätte sie besser trösten können.

Auch die Menschen treten für die liebe Maschine ein

Wie jede gute cineastische Menschmaschine lässt auch der brave Baymax jede Menge Zweifel aufkommen, ob er nicht längst die Grenze zur echten Persönlichkeit überschritten hat. Die Meister von Disney, die diese Kurzgeschichten in kinoreifen Bildern animiert haben, zeigen, dass man mit zwei kleinen, schwarzen, durch einen Strich verbundenen Äugelchen eine unendliche Gefühlswelt abbilden kann.

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Baymax beurteilt Situationen, handelt eigenständig, trifft Entscheidungen, bringt Opfer. Und er bringt Menschen in der letzten von sechs Folgen (offiziell ist jede elf Minuten lang, aber der ewig lange Abspann – üblich bei CGI-Filmen – lässt für die Storys netto fünf bis sechs Minuten übrig) dazu, auch für ihn bedingungslos und heldenhaft einzutreten.

So hätte Baymax gewiss auch Isaac Asimov gefallen, dem König der Robotergeschichten. Und das Helferlein von Entenhausens Ingenieur Daniel Düsentrieb, Disneys allererster freundlicher Roboter, der – der Legende nach – aus einer Lampe von Donald Duck hervorging, hätte am Ende jeder Folge „Chapeau!“ gerufen. Was dann aber – ob der hohen Frequenz – niemand gehört hätte.

„Baymax!“, sechs Episoden, von Don Hall, Computertrickserie (streambar bei Disney+)

 

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