Barbara Dickmann: „Ich saß in der zweiten Reihe“

Die Erste hatte es schwer: Barbara Dickmann ebnete den späteren „Tagesthemen“-Kolleginnen den Weg.

Berlin. Viele Zuschauer trauten ihren Augen nicht: Der Mensch, der ihnen da Anfang 1979 im ARD-Magazin „Tagesthemen“ die neuesten Nachrichten präsentierte, war nicht Ernst Dieter Lueg und auch nicht Wolf von Lojewski. Es war auch kein neuer Moderator im Hamburger Studio, sondern – für damalige Verhältnisse höchst ungewöhnlich – eine Frau.

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Barbara Dickmann ebnete ihren Nachfolgerinnen den Weg

Barbara Dickmann hieß die Journalistin, die vor 40 Jahren, am 8. Februar 1979, als erste Frau die „Tagesthemen“ moderierte. Die damals 37-Jährige begründete damit eine lange Tradition von profilierten Politmoderatorinnen im (west-)deutschen Fernsehen und legte den Grundstein für „Tagesthemen“-Kolleginnen wie Sabine Christiansen, Anne Will oder Caren Miosga. Und auch bei der ZDF-Konkurrenz durfte 1979 zum ersten Mal eine Frau ran: Ingeborg Wurster begann ihre Karriere als Moderatorin des „heute-journals“ und wurde zur Vorläuferin von Kolleginnen wie Marietta Slomka.

Für Barbara Dickmann, die schon seit 1977 als Redakteurin im „Tagesthemen“-Team einen hervorragenden Job gemacht hatte, war die Ernennung zur Moderatorin im Februar 1979 nicht nur ein riesiger persönlicher Karrieresprung, sondern auch mit der Verantwortung verbunden, Frauen auf diesem Feld endlich den Weg zu ebnen, wie sie später einmal sagte. Bei der „Tagesschau“ gab es zwar schon seit 1976 eine Chefsprecherin namens Dagmar Berghoff und Wibke Bruhns hatte schon am 12. Mai 1971 die Spätnachrichten von „heute“ moderiert.

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Dickmann durfte nicht am runden Konferenztisch sitzen

Doch bei den politischen Magazinen „Tagesthemen“ und auch beim „heute-journal“ hatten nach wie vor die Männer das Zepter fest in der Hand. Barbara Dickmann stieß von Anfang an auf männliche Vorbehalte, wie sie später in einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk erzählte. Vor allem Dickmanns damaliger Chefredakteur habe ihr das Leben schwergemacht, so die Journalistin in dem Interview: „Ich durfte bei den Konferenzen nicht am runden Tisch mit dabei sitzen. Dort saßen nur die Männer, ich saß in der zweiten Reihe.“

Es dauerte geschlagene zwei Jahre, bis Barbara Dickmann von ihrem Chef und anderen männlichen Skeptikern in der Redaktion vollauf akzeptiert wurde. Die unerschrockene und meinungsfreudige Journalistin hatte sich in den „Tagesthemen“ durchgesetzt und berichtete 1982 sogar als erste deutsche Fernsehreporterin über eine Fußball-Weltmeisterschaft – allerdings nicht vor Ort in Spanien, sondern von Deutschland aus, wo sie auch nur Beiträge über Spielerfrauen oder die Herstellung von Fußball-Trikots beisteuerte durfte.

Karrieretiefpunkt: Ein Beitrag über die Hitler-Tagebücher

Die heute 75 Jahre alte Barbara Dickmann arbeitete vier Jahre als „Tagesthemen“-Moderatorin und ließ sich 1983 vom „Stern“ abwerben – die renommierte Journalistin wurde Leiterin des Bonner Büros der Zeitschrift. Im selben Jahr erlebte sie dann ihren beruflichen Tiefpunkt: Barbara Dickmann drehte einen Beitrag über die Entdeckung der Hitler-Tagebücher. „Meine Stern-Karriere war also im Grunde schon beendet, bevor ich sie begonnen hatte“, sagte sie später.

Nach diversen Stationen stieß Dickmann 1989 dann zur ZDF-Frauensendung „ML Mona Lisa“, deren Redaktion sie von 2003 bis 2008 leitete. Auf ihre Zeit als erste Frau bei den „Tagesthemen“ blickte sie später mit Stolz zurück: „Ich habe Trampelpfade getreten, die dann später von den Nachfolgerinnen zu bequemen Wegen ausgebaut worden sind“, sagte sie im BR-Interview.

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Frauen in Nachrichtensendungen – Die DDR hatte die Nase vorn

Die DDR freilich hatte die Nase vorn, was Frauen in Nachrichtensendungen betraf: Acht Jahre vor Wibke Bruhns und 15 Jahre vor Dagmar Berghoff stand Anne-Rose Neumann für den Deutschen Fernsehfunk in Ostberlin vor der Kamera. Ihr Einsatz für die Nachrichtensendung „Aktuelle Kamera“ (AK) begann 1963 am 8. März – dem Internationalen Frauentag. Berühmteste AK-Sprecherin war Angelika Unterlauf, die von 1977 bis zur Wende als „Gesicht der DDR“ galt.

Von Martin Weber

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