Das Monster in ihm – ARD-Drama „Kopfplatzen“ über Pädophilie

Schwierige Rolle gemeistert: Max Riemelt spielt in dem eindringlichen Drama „Kopfplatzen“ einen pädosexuellen Mann (Archivfoto).

Schwierige Rolle gemeistert: Max Riemelt spielt in dem eindringlichen Drama „Kopfplatzen“ einen pädosexuellen Mann (Archivfoto).

Besonders Mütter und Väter von kleinen Kindern dürften mit diesem packenden Film ihre Schwierigkeiten haben. Aus guten Gründen: Das Drama „Kopfplatzen“ behandelt eines der letzten Tabuthemen unserer Gesellschaft – Pädosexualität.

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Pädosexualität: Ein Mann wird zur tickenden Zeitbombe

Eindringlich thematisiert wird dies im Film am Beispiel des Endzwanzigers Markus, der äußerlich normal und sympathisch wirkt, innerlich aber einen verzweifelten Kampf mit seiner Neigung führt, sich zu kleinen Jungs sexuell hingezogen zu fühlen. In den Momenten, in denen es ihn überkommt, wird er zu einer tickenden Zeitbombe, zu einem Monster, das kurz davor ist, ein schlimmes Verbrechen an einem Kind zu begehen.

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Inszeniert und geschrieben hat den Film der türkischstämmige Regisseur Savas Ceviz. Eigentlich sollte dessen Langfilmdebüt im Kino starten. So hatte dieses Pädophilendrama bereits im Oktober 2019 Premiere beim Filmfestival in São Paulo, kurz danach lief es auch bei den Hofer Filmtagen, doch den geplanten Kinostart im April 2020 verhinderte die Pandemie.

Und so gelangte der Film erst auf diverse Streamingplattformen und kommt jetzt in der Reihe „Filmdebüt im Ersten“ ins lineare Fernsehen. Und das ist ein Glück.

Max Riemelt verkörpert die tragische Zerrissenheit der Hauptfigur beängstigend gut

Hauptdarsteller Max Riemelt verkörpert die Rolle des Markus unter Ceviz‘ einfühlsamer Regie beängstigend gut. Mit minimalistisch eingesetzter Mimik zeigt er die tragische Zerrissenheit dieser Figur, die wie ein einsamer Wolf lebt und doch stets kurz davor steht, zu einer echten Gefahr zu werden. Markus ist ein Mann, der von seiner sexuellen Neigung beherrscht wird, sie aber gleichzeitig unbedingt loswerden will und dabei gar an Selbstmord denkt.

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Verzweifelt sucht Ceviz‘ „Held“ nach Hilfe, trifft jedoch bei den wenigen Menschen, denen er sich anvertraut, vorwiegend auf Ablehnung und Hass. Einzig ein Sexualtherapeut, der auf derartige „Fälle“ spezialisiert ist, hilft ihm ein wenig weiter mit ganz praktischen Ratschlägen und mit Tabletten, die seinen Sexualtrieb unterdrücken. Doch macht dieser Experte Markus zugleich klar, dass er ihn nicht von seiner Pädophilie heilen kann.

Keiner ahnt das Geheimnis des attraktiven jungen Architekten

Dabei ist Markus‘ Leben auf den ersten Blick wohlgeordnet. Er ist ein attraktiver junger Mann, der erfolgreich in einem Architektenbüro arbeitet und in seiner Freizeit Kampfsport betreibt.

Auch der Kontakt zu seiner Familie ist in Ordnung. Bei seiner Schwester ist er beliebt, macht ihrem kleinen Sohn Geschenke und spielt gerne mit ihm. Und wirklich keiner in Markus‘ Umgebung ahnt, dass er ein dunkles Geheimnis mit sich trägt. In seiner Freizeit fotografiert Markus auf Spielplätzen oder in Badeanstalten kleine Jungs. Inzwischen hat er eine große Sammlung solcher Aufnahmen. Explizite Nacktfotos von Knaben im Internet erregen ihn – auch wenn er dabei gleichzeitig von Selbstekel ergriffen wird.

Markus ist also ein bemitleidenswertes Geschöpf, das vielleicht sogar unsere Sympathie verdient hätte. Doch diese zerstört der Regisseur geschickt durch Szenen, in den Markus beispielsweise im Park einen Jungen verfolgt und kurz davor ist, ihm sexuelle Gewalt anzutun. Dem Zuschauer und der Zuschauerin wird klar, was für eine große Gefahr von diesem Mann ausgeht.

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Mit dem Einzug einer neuen Nachbarin spitzt sich die Situation zu

Die Situation spitzt sich zu, als eine Frau (Isabell Gerschke) mit einem achtjährigen Jungen (Oskar Netzel) in Markus‘ Nachbarwohnung zieht. Sie fühlt sich zu Markus hingezogen. Scheinbar erwidert er ihre Gefühle – doch hat er sich in Wirklichkeit in den kleinen Jungen verliebt. Nun ist alles möglich.

Markus steckt in einer hoffnungslosen Situation. Es bleibt bis zum Schluss offen, ob er jemals einen Ausweg aus seinen Qualen finden wird. Man wünscht es ihm und hat gleichzeitig Angst vor dem, was er tun könnte. Diese den Film durchweg beherrschende Ambivalenz macht „Kopfplatzen“ zu einem spannenden und anrührenden Drama. Und zu einem vielversprechenden Filmdebüt.

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