Erfolgsserie „Das Damengambit“: Schachweltmeisterin klagt gegen Netflix wegen „grob sexistischer“ Darstellung

Anya Taylor-Joy als Beth Harmon und Thomas Brodie-Sangster als Benny in einer Szene aus „Das Damengambit“.

Anya Taylor-Joy als Beth Harmon und Thomas Brodie-Sangster als Benny in einer Szene aus „Das Damengambit“.

Die ehemalige georgische Schach­welt­meisterin Nona Gaprindaschwilli hat den Streaming­dienst Netflix wegen einer vermeintlichen Falsch­darstellung ihrer Person in der Serie „Das Damengambit“ (Originaltitel: „The Queen’s Gambit“) verklagt. Vor einem Gericht im US-Bundesstaat Kalifornien fordert die heute 80-Jährige von dem Unternehmen 5 Millionen Dollar (rund 4,2 Millionen Euro) Schadens­ersatz. Ihr Vorwurf: In der emmy­nominierten Netflix-Eigen­produktion werden ihre Erfolge als mehrfache Schach­welt­meisterin und erste offiziell vom Weltverband Fide ernannte weibliche Großmeisterin „schamlos und absichtlich“ verfälscht dargestellt.

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In der fiktiven, auf einem Roman von Walter Tevis basierenden Netflix-Erfolgsserie, bahnt sich die begnadete Schachspielerin Elizabeth „Beth“ Harmon aus Kentucky (gespielt von Anya Taylor-Joy) in den 1950er- und 1960er-Jahren ihren Weg durch die zu dieser Zeit von Männern dominierten Schachwelt hin zur Weltspitze. Gaprindaschwillis Klage bezieht sich auf die letzte Folge der Miniserie, in der sie im Rahmen eines Schachturniers in Moskau bei einer Partie zwischen Harmon und deren ebenfalls fiktivem russischen Kontrahenten Viktor Laev von einem Kommentator namentlich erwähnt wird.

Gaprindaschwili werden Schach­partien gegen Männer abgesprochen

„Elizabeth Harmon ist nach ihren Maßstäben überhaupt keine wichtige Spielerin“, bemerkt der Turnier­kommentator in der Szene. „Das einzig Ungewöhnliche an ihr ist ihr Geschlecht. Und selbst das ist nicht einzigartig in Russland. Es gibt Nona Gaprindaschwili, aber sie ist die weibliche Weltmeisterin und ist noch nie gegen Männer angetreten. Meine Vermutung ist, dass Laev einen leichten Sieg erwartet hat und keineswegs die 27 Züge, die Beth Harmon ihm gerade gezeigt hat.“

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In ihrer Klage führt Gaprindaschwili an, dass die Behauptung, sie sei niemals gegen Männer angetreten, „offensichtlich falsch, sowie grob sexistisch und herabsetzend“ sei - weswegen sie von Netflix die Streichung des Satzes aus dem Serienkapitel fordert. Im Jahr 1968, in dem die Szene in Moskau spielen soll, war Gaprindashwili bereits gegen 59 Männer angetreten, wovon mindestens zehn seinerzeit den Titel eines Schach­groß­meisters innehatten. Insgesamt wurde die Georgierin in ihrer Karriere fünfmal Schach­welt­meisterin.

Darstellung als Russin als Beleidigung gewertet

„Netflix hat offen und absichtlich über Gaprindaschwilis Errungen­schaften gelogen, mit dem billigen und zynischen Zweck, das Drama zu verbessern, indem es den Anschein erweckt, dass ihr fiktiver Held es geschafft hätte, das zu tun, was noch keine andere Frau, einschließlich Gaprindaschwili, getan hatte“, heißt es in der Klageschrift. Durch diese Darstellung werde die „einzige echte Pionierin, die in derselben Ära tatsächlich Männern auf der Weltbühne gegen­über­stand und sie besiegt hatte“, bewusst gedemütigt.

Zudem sei Gaprindaschwili, anders als in der entsprechenden Szene dargestellt, keine Russin, sondern Georgierin – aus Sicht der Klägerin eine weitere Beleidigung ihrer Person. „Netflix fügte eine weitere Beleidigung hinzu und beschrieb Gaprindashwili als Russin, obwohl sie wussten, dass sie Georgierin ist und dass Georgier unter russischer Herrschaft gelitten haben, als sie Teil der Sowjet­union waren und danach von Russland eingeschüchtert und von Russ­land überfallen wurden“, argumentiert die Klageschrift. Tatsächlich ist Gaprindaschwili während ihrer aktiven Schachkarriere bei internationalen Turnieren zunächst für die Sowjetunion und später für Georgien angetreten.

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Netflix hat inzwischen angekündigt, es in dem Fall auf einen Prozess ankommen zu lassen. „Netflix hat größten Respekt vor Frau Gaprindaschwili und ihrer Karriere“, wird der Streaming­dienst von der Zeitung „Los Angeles Times“ zitiert, „aber wir glauben, dass diese Behauptung unbegründet ist, und wir werden den Fall energisch verteidigen“.

RND

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