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Polizei habe nicht angemessen auf Notrufe reagiert

Halloween-Katastrophe in Seoul: Südkoreanische Polizei gesteht Fehler ein

Nach der Halloween-Katastrophe in Seoul beginnt die Ermittlungsarbeit der südkoreanischen Polizei. Verlorene Kleidungsstücke sollen den Geschehnissen zugeordnet werden.

Nach der Halloween-Katastrophe in Seoul beginnt die Ermittlungsarbeit der südkoreanischen Polizei. Verlorene Kleidungsstücke sollen den Geschehnissen zugeordnet werden.

Die südkoreanische Polizei hat eine „schwere Verantwortung“ für die Massenpanik bei Halloween in Seoul eingestanden. Beamte hätten am Samstag früh eingehende Notrufe über das sich anbahnende Desaster nicht effektiv behandelt, sagte Polizeichef Yoon Hee Keun am Dienstag. 156 Menschen kamen im Gedränge in einem Vergnügungsviertel Seouls ums Leben.

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„Ich empfinde eine schwere Verantwortung (für die Katastrophe) als Leiter einer der betroffenen Behörden“, sagte Yoon, der Generalkommissar der Koreanischen Nationalen Polizeibehörde ist, in einer Pressekonferenz. „Die Polizei wird ihr Bestes geben, um zu verhindern, dass so eine Tragödie noch einmal passiert.“

Polizisten reagierten nicht angemessen

Yoon teilte mit, ersten Ermittlungen zufolge seien viele dringende Notrufe eingegangen, in denen Menschen die Behörden auf die mögliche Gefahr durch die Bildung einer großen Menge in Itaewon hinwiesen. Die Beamten, die die Anrufe entgegengenommen hätten, hätten nicht angemessen reagiert. Er habe eine noch tiefer gehende Untersuchung darüber angeordnet, die klären soll, wie auf Notrufe reagiert wurde und andere Fragen wie die, wie Polizisten vor Ort mit dem Gedränge umgingen.

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Bei einer Kabinettssitzung am Dienstag räumte Präsident Yoon Suk Yeol ein, dass es in Südkorea an Forschung zu Massenkontrollmanagement mangele. Drohnen und andere High-Tech-Ressourcen müssten dafür entwickelt werden. Am Montag wurde bekannt, dass in der Einsatzplanung für das Halloween-Fest, zu dem Zehntausende Menschen erwartet wurden, 137 Polizisten vorgesehen waren.

„Menschengemachte Katastrophe“

Fachleute sagten, die Behörden hätten nicht nur mehr Einsatzkräfte bereitstellen können. Sie hätten auch Straßen zu Fußgängerzonen deklarieren und andere Maßnahmen ergreifen müssen, um das Gedränge in den engen Gassen zu reduzieren. Der Professor für Stadtplanung an der Hanyang-Universität in Seoul, Lee Changmoo, erklärte, die Todesfälle sollten als „menschengemachte Katastrophe“ betrachtet werden.

Premierminister Han Duck Soo deutete unterdessen am Dienstag bei einer Pressekonferenz an, der Polizei solle künftig freiere Hand bei der Steuerung von Massenereignissen ohne erkennbaren Organisator gegeben werden. „Der wichtigste Faktor war das Management der Menschenmengen“, sagte er in Anspielung auf die Katastrophe. Diese habe Defizite offenbart. „Wir sollten das System komplett ändern.“ Er könne jedoch wegen der laufenden Untersuchungen nicht ins Detail gehen.

Südkorea: Mehr als 150 Tote nach Massengedränge bei Halloweenparty in Seoul
 149 confirmed dead in Halloween stampede in Seoul s Itaewon SEOUL, SOUTH KOREA, OCT 30: 149 people confirmed dead and 100 were injured in a Halloween stampede in Seoul s Itaewon. Paramedics rescue people suffering from cardiac arrest in Seoul, South Korea on October 30, 2022. As many as one hundred thousand people gathered to enjoy Halloween parties in the nightlife district of Itaewon, Seoul, and the stampede took place in a narrow alleyway near the Hamilton Hotel. The National Fire Agency said the death toll could be increased. Seoul Itaewon South Korea 7652_265662 Copyright: xJimmyxHan/PentaPressx

Die meisten Opfer sind Jugendliche und junge Erwachsene.

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Innenminister Lee Sang Min als auch der Seouler Bürgermeister Oh Se Hoon entschuldigten sich wegen des Massenunglücks. Als Stadtoberhaupt fühle er grenzenlose Verantwortung, sagte Oh. Er versprach, die Stadt werde ihr Bestes tun, um die Sicherheit bei Massenveranstaltungen zu verbessern.

Die Zahl der vorwiegend jungen Todesopfer erhöhte sich nach Angaben des Innenministeriums auf 156. Zwei Personen erlagen demnach seit Montagnacht ihren Verletzungen. Nach den aktualisierten Zahlen wurden 151 Verletzte erfasst. Von ihnen befänden sich 29 in einem kritischen Zustand. Unter den Todesopfern waren auch 26 Ausländer aus verschiedenen Ländern. Itaewon zieht wegen seiner Clubszene und zahlreichen Kneipen besonders an den Wochenenden besonders viele Menschen an.

RND/AP/dpa

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