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Mietpreise spielen keine Rolle

Ranking der lebenswertesten Städte: Warum ist Frankfurt in den Top Ten?

Die weltbekannte Skyline von Frankfurt am Main. Die Bankenmetropole hat seit dem vorigen Jahr einen Baulandbeschluss und verbindliche Quoten für den sozialken Wohnungsbau.

Flughafen, hochwertiger Wohnraum und ein gutes Gesundheitssystem machen Frankfurt zur siebtlebenswertesten Stadt der Welt.

Dicht an dicht gedrängt liegen sie am Mainufer, der Blick ist Richtung Fluss und Skyline gerichtet, in den Händen Bier und Apfelwein. Im Hintergrund hupen Autos, ein Radfahrer schimpft lautstark. Der Schuh einer Frau fällt ins Wasser. In der Strandbar kennt man das schon, ein Netz ist schnell besorgt, mit dem der einige Meter weit abgetriebene Schuh aus dem Wasser gefischt werden kann. Es gibt nicht viele Orte in Frankfurt, in denen sich in der Natur am Wasser liegen lässt, an sonnigen Tagen ist das Mainufer stark frequentiert, im Innenstadtbereich ist kaum noch das Grün des Rasens zu sehen. Frankfurt, die lebenswerteste Stadt Deutschlands.

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Jedes Jahr wertet „The Economist“ verschiedene Faktoren aus, die eine Stadt lebenswert machen sollen – und kürt weltweit die besten. Österreichs Hauptstadt Wien hat es auf Rang eins geschafft, vor dem dänischen Kopenhagen und dem schweizerischen Zürich. Die beste deutsche Stadt und der größte Gewinner im Ranking im Vergleich zum Vorjahr: Frankfurt auf Platz sieben.

Flughafen macht Frankfurt zum großen Gewinner im Städte-Ranking

Was macht eine Stadt lebenswert? Sind es viele Grünflächen oder vielfältige Kulturangebote? Ist es eine gute Verkehrsinfrastruktur, oder sind es günstige Mieten? Wenn es nach dem Schwesternunternehmen des Medienhauses, Economist Intelligence Unit (EIU), geht, sind es vielfältige Faktoren in den fünf Kategorien Stabilität und Sicherheit, Gesundheitswesen, Bildungswesen, Infrastruktur und Kultur und Umwelt.

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Wer einen näheren Blick auf die Faktoren wirft, sieht, warum Frankfurt in den Top Ten gelandet ist – etwa, wenn die Kategorie Infrastruktur, in der Frankfurt 100 Prozent erzielte, aufgedröselt wird. Einer der sieben Unterpunkte ist die internationale Erreichbarkeit des Ortes – Frankfurt mit einem der größten Flughäfen Europas und einer guten Bahnanbindung ins europäische Ausland kann hier punkten. Die Verkehrsinfrastruktur bezieht sich auf Straßenverhältnisse, die Anzahl der Straßen und die Anzahl der asphaltierten Straßen. Die Infrastruktur für Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrer – bei der Frankfurt laut anderen Rankings international und auch deutschlandweit abgeschlagen ist – wird nicht separat bewertet, sondern spielt nur eine untergeordnete Rolle in der Betrachtung.

Lebenswerte Stadt: Mietpreise spielen bei Bewertung keine Rolle

Im Bereich Wohnen wertet EIU zwar die Verfügbarkeit von qualitativ hochwertigem Wohnraum, nicht aber die Preise. Dass die Kosten für Wohnraum keine Rolle spielen (und auch nicht für den öffentlichen Nahverkehr), bringt Frankfurt einen Vorteil. Denn immerhin sind die Mieten mit 2022 durchschnittlich 17,21 Euro pro Quadratmeter sehr hoch – in Deutschland ist Wohnen nur in München teurer. Miet- und Wohnungspreise indes haben laut den Studienmachern aber keinen Einfluss darauf, ob eine Stadt lebenswert ist oder nicht. „Die Global Liveability Ratings der EIU bewerten Standorte auf der ganzen Welt, um Lebensbedingungen zu bestimmen, und um die Herausforderungen zu quantifizieren, die sich für den Lebensstil der Einzelnen ergeben. Die Lebenshaltungskosten in einer Stadt werden in einer anderen EIU-Studie erfasst“, sagt Upasana Dutt, die die Studie betreut, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.

„Der Indikator für die Verfügbarkeit von hochwertigem Wohnraum berücksichtigt Annehmlichkeiten wie Parks, Schwimmbäder, Concierge, Zugang zu Fitnessstudios“, sagt Dutt. Schwimmbäder (mit dem Brentanobad sogar das größte Freibad in Deutschland) hat Frankfurt einige vorzuweisen, Fitnessstudios sowieso, und auch Concierge-Dienste findet man in Frankfurt eher als in Gelsenkirchen.

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Frankfurt bewirbt sich als „Green City“ – schneidet dabei aber nicht gut ab

Doch wie steht es um Grünflächen? Frankfurt hat viele davon, wirbt damit, „Green City“ zu sein. Mehr als die Hälfte der gesamten Fläche ist naturnah, besteht also aus Parks, Gärten, Spielplätzen. Doch im deutschlandweiten Verhältnis zeigt sich: Von den 79 deutschen Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern kommt Frankfurt nicht über Platz 67 hinaus, was der Anteil an Grünfläche angeht. Auch bei der Grünfläche, die jedem Einwohner und jeder Einwohnerin zur Verfügung steht, ist Frankfurt abgeschlagen. Das liegt vor allem daran, dass Frankfurt ohnehin verhältnismäßig wenig Fläche hat und eher in die Höhe als in die Breite baut. Damit ist Frankfurt eine der am dichtesten besiedelten Städte Deutschlands, bei den Großstädten drängen sich nur in München und Berlin mehr Personen.

Nebst der Verkehrsinfrastruktur holt Frankfurt auch im Bereich Gesundheitswesen 100 Prozent der Punkte. Hier wurden jeweils Verfügbarkeit und Qualität von privaten und öffentlichen medizinischen Angeboten ausgewertet sowie die Verfügbarkeit von frei verkäuflichen Arzneimitteln. Am schlechtesten schnitt Frankfurt beim Punkt Stabilität ab. Hier werden Vorherrschen von Kleinkriminalität und Gewaltverbrechen, Gefahren durch Terror oder militärische Konflikte und Bedrohung durch zivile Unruhen und Konflikte einbezogen.

Wien schneidet überall gut ab – nur in der Kategorie „Kultur und Umwelt“ nicht

Dass Wien indes Rang eins zurückerobert hat, verwundert kaum – weder auf den ersten, noch auf den zweiten Blick. Schon 2018, 2019 und 2020 lag die österreichische Hauptstadt ganz vorne, durch Corona-Einschränkungen und Lockdowns rutschte sie 2021 aber auf Platz zwölf ab. Gemeinhin hat Wien viel, was Bürgerinnen und Bürgern gefällt: ein gut ausgebauter ÖPNV mit 365-Euro-Jahreskarte, Wienerinnen und Wiener können die Stadt also für einen Euro am Tag mit Bus und Bahn bereisen. Ein Viertel des gesamten Wohnbestandes in der Stadt sind sogenannte Gemeindewohnungen, worunter hierzulande sozialer Wohnungsbau zu verstehen ist. Der Mietpreis liegt im Schnitt bei 14,04 Euro, in sozialen Wohnungen zahlen die Mieterinnen und Mieter bisweilen nur 5 Euro pro Quadratmeter.

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Auffällig bei der Bewertung für den Index: Wien liegt in vier der fünf Kategorien bei 100 Prozent – ausgerechnet in der Kulturstadt Wien ist der Bereich „Kultur und Umwelt“ am schlechtesten bewertet. Dort werden aber nicht nur kulturelle und sportliche Angebote einbezogen, sondern auch Temperaturen und Klima, der Grad der Korruption und Zensur sowie das Angebot von Restaurants und Shoppingmöglichkeiten.

Das Ranking:

  1. Wien, Österreich (Quote: 99,1)
  2. Kopenhagen, Dänemark (98)
  3. Zürich, Schweiz und Calgary, Kanada (96,3)
  4. -
  5. Vancouver, Kanada (96,1)
  6. Genf, Schweiz (95,9)
  7. Frankfurt, Deutschland (95,7)
  8. Toronto, Kanada (95,4)
  9. Amsterdam, Niederlande (95,3)
  10. Osaka, Japan und Melbourne, Australien (95,1)

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