Commonwealth bröckelt

Einigkeit unter der britischen Krone: König Charles III. und seine größte Herausforderung

König Charles III. tritt nun in die Fußstapfen seiner Mutter.

König Charles III. tritt nun in die Fußstapfen seiner Mutter.

König Charles III. reist aktuell durch das Vereinigte Königreich, um an Trauerfeiern für die verstorbene Königin Elizabeth II. teilzunehmen. Doch Charles‘ Besuche haben gerade jetzt nach dem Tod der am längsten amtierenden Monarchin auch eine politische Bedeutung: Expertinnen und Experten sehen nach dem Ableben der Queen eine starke Anti-Monarchie Bewegung und bezweifeln, dass Charles das Commonwealth unter der britischen Krone zusammenhalten kann.

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+++ Alle Entwicklungen nach dem Tod der Queen im Liveblog +++

Die Anteilnahme am Tod der Queen ist derweil groß - auch in Schottland. Tausende Bürgerinnen und Bürger besuchten etwa den Trauerzug in Edinburgh oder legten Blumen in Sandringham nieder. Trotz dieser Bilder gibt es in Schottland, Wales und Nordirland jedoch starke Bestrebungen, sich von der Monarchie zu lösen.

So setzt sich etwa die mitregierende „Scottish National Party“ (SNP) für die Unabhängigkeit Schottlands ein. Im Jahr 2014 sollte ein Referendum über den Verbleib im Vereinigten Königreich entscheiden, knapp 55 Prozent der Schottinnen und Schotten stimmte damals noch dafür. Das war jedoch vor dem Brexit, der von einer Mehrheit der schottischen Bevölkerung abgelehnt wurde. Im Herbst 2023 soll es daher erneut ein Referendum über die Unabhängigkeit geben. Da Schottland dafür jedoch die Zustimmung der britischen Regierung fehlt, wird der Fall im Oktober vor Gericht verhandelt.

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In Edinburgh protestierten Tausende Menschen beim «Marsch für Unabhängigkeit» im Jahr 2019.

In Edinburgh protestierten Tausende Menschen beim «Marsch für Unabhängigkeit» im Jahr 2019.

Regierungschefin Nicola Sturgeon hatte nach den Parlamentswahlen im vergangenen Jahr angekündigt, ein unabhängiges Schottland aus dem Vereinigten Königreich und zurück in die EU führen zu wollen. Nach dem Tod der britischen Königin würdigte sie „die Hingabe und den außergewöhnlichen Dienst“ der Queen und ergänzte: „Wir läuten eine neue Ära in der großartigen Geschichte unseres großartigen Landes ein, genau wie Ihre Majestät es gewünscht hätte.“

Wie sieht es in Australien und Neuseeland aus?

Auch in Neuseeland und Australien nehmen Regierung und Bevölkerung Anteil, obwohl dort in der Vergangenheit immer wieder Forderungen nach Unabhängigkeit laut wurden. Beide Länder sind als ehemalige britische Kolonien dem Commonwealth zugehörig und politisch unabhängig, unterstehen aber dem britischen Monarch.

Der australische Premierminister Anthony Albanese betonte zuletzt seinen Respekt vor der britischen Krone und verkündete ein umstrittenes Protokoll, wonach das australische Parlament 15 Tage nicht beraten darf. Ein Referendum über die Unabhängigkeit Australiens schließe er vorerst aus, wie er dem britischen Nachrichtensender „Sky News“ mitteilte. Auch in Neuseeland sind bisher keine politischen Schritte Richtung Unabhängigkeit gewählt worden. Die neuseeländische Ministerpräsidentin Jacinda Ardern sowie der König der Maori, Tuheitia Pak, werden zum Staatsbegräbnis der Queen nach London reisen.

König Charles III. plädiert für Einigkeit

In seiner ersten Amtsansprache vergangenen Freitag machte König Charles III. bereits deutlich, dass ihm die Einigkeit unter der britischen Flagge ein besonderes Anliegen ist: „Wo auch immer Sie im Vereinigten Königreich leben mögen oder in den Reichen und Territorien in aller Welt, und was auch immer Ihr Hintergrund oder Ihr Glaube sein mag: Es wird mein Bestreben sein, Ihnen mit Loyalität, Respekt und Liebe zu dienen, wie ich es mein ganzes Leben lang getan habe.“ Er verpflichte sich, ebenso wie seine Mutter, „für die übrige Zeit, die Gott mir gewährt, die konstitutionellen Prinzipien im Herzen unserer Nation hochzuhalten.“ Charles‘ Reise nach Schottland ist Teil der Trauertage, die Besuche des neuen Königs in allen vier britischen Landesteilen vorsehen. Am Dienstag ist Nordirland an der Reihe, auch ein Besuch in Wales ist noch geplant.

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In den vergangenen Jahren hatte Charles bereits stellvertretend für seine Mutter als Oberhaupt des Commonwealth an den Commonwealth Heads of Government Meetings (CHOGM) teilgenommen, bei der sich die jeweiligen Staats- und Regierungschefs regelmäßig zusammenfinden. Bei der diesjährigen Konferenz in Ruanda im Juni betonte er, dass die „Commonwealth-Familie“ eine „freie Vereinigung unabhängiger, selbstverwalteter Nationen“ sei. „Ich möchte klar sagen, (...) dass die verfassungsmäßige Ausgestaltung jedes Mitglieds als Republik oder Monarchie ausschließlich Sache jedes Mitgliedslandes ist“, so Charles. „Der Vorteil eines langen Lebens bringt mir die Erfahrung, dass sich solche Arrangements ruhig und ohne Groll ändern können.“

Charles will Freundschaften im Commonwealth vertiefen

Gerade in krisenhaften Zeiten sei es ihm daher ein besonderes Anliegen, den Zusammenhalt im Commonwealth zu stärken: „Während wir uns von der Pandemie erholen, die so viele Leben zerstört hat; während wir auf den Klimawandel und den Verlust der biologischen Vielfalt reagieren, der unsere Existenz bedroht; und wenn wir sehen, wie Leben durch die ungedämpfte Aggression gewalttätiger Kräfte zerstört werden, sind solche Freundschaften wichtiger denn je.“ Er freue sich darauf, die Freundschaft zwischen Ländern des Commonwealth „in den kommenden Jahren zu vertiefen.“

Dem Commonwealth of Nations, oder kurz Commonwealth genannt, gehören heute 56 Staaten an, von denen 15 den britischen Monarchen als Staatsoberhaupt haben. Der weltweite lose Bund verschiedener Nationen wurde ursprünglich 1931 gegründet, um den Autonomiebestrebungen ehemaliger Kolonien wie Kanada, Kenia und Australien entgegenzuwirken.

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RND/al

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