Deutschland droht eine Hitzewelle

Wie heiß wird es denn nun? Warum sich Wettervorhersagen so stark voneinander unterscheiden

Das US-Wettermodell sieht in seiner aktuellen Berechnung eine gefährliche Sturmwetterlage direkt über Deutschland. Böen bis 120 km/h wären demnach bis ins Flachland möglich.

Das US-Wettermodell sieht in seiner Berechnung (hier zu einem zurückliegenden, nicht aktuellen Zeitpunkt) eine Sturmwetterlage direkt über Deutschland. (Archivbild)

Deutschland steht eine Hitzewelle bevor. Am Samstag (23. Juli) und Sonntag (24. Juli) kann das Thermometer rund 40 Grad anzeigen – das sagen zumindest die aktuellen Langzeitprognosen. Auch unter der Woche erwarten Meteorologen bereits Temperaturen von über 30 Grad vor allem im Westen, in der Mitte und im Süden Deutschlands.

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Dass es heiß wird, gilt als sicher. Doch wie heiß wird es genau? In verschiedenen Wetter-Apps oder auf Wetter-Websites werden teils weit auseinanderliegende Werte vorhergesagt. In einigen Prognosen heißt es mehr als 40 Grad, in anderen wird eine deutliche niedrigere Temperatur für die nächsten Tage angegeben. Woran liegt das?

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An einigen Sommertagen klettert das Thermometer gerne mal über 30 Grad. Hier ein paar praktische Tipps, um sich abzukühlen.

Welche Wettermodelle gibt es?

Grund für die abweichenden Vorhersagen sind die verschiedenen Wettermodelle. Auf der Welt gibt es zig Wettermodelle, die zudem in globale Modelle und Lokalmodelle unterschieden werden können. Wie gut und verlässlich sie sind, lasse sich pauschal nicht sagen, sagt die Meteorologin Britta Siebert-Sperl vom Wetterkontor dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Modelle haben unterschiedliche Stärken und Schwächen. Das Modell des polnischen Wetterdienstes sagt zum Beispiel Nebel sehr genau voraus“, erläutert die Expertin. Jedes Modell nutze unterschiedliche Daten und Datenmengen.

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In Deutschland zählt das Wettermodell des Deutschen Wetterdienstes (DWD) namens ICON zu den viel genutzten. Aber auch das britische oder das Modell des amerikanischen Wetterdienstes NOAA, das als das detailreichste gilt, finden Beachtung. Letztlich entscheide jeder Meteorologe oder Meteorologin selbst, welche Karten er oder sie nutzt, meint Siebert-Sperl.

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Wie berechnet ein Wettermodell die Vorhersagen?

Jedes Modell wird auf Grundlage von Informationen wie Temperatur, Luftdruck, Niederschlagsrate oder Luftfeuchtigkeit erstellt. Diese Daten stammen von Messstationen auf der Erde, aus der Luft, vom Wasser und aus dem All, erklärt der DWD auf seiner Website.

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Mithilfe von numerischen Wettervorhersagen, also computergestützten Prognosen, erstellen Meteorologinnen und Meteorologen dann Wetterberichte und -vorhersagen. In einem dreidimensionalen räumlichen Gitter berechnet eine Software die zeitliche Entwicklung von Variablen wie Temperatur, Feuchtigkeit und Co.

Die Größe des Gitters lasse oft auf die Vorhersagequalität schließen, sagt Siebert-Sperl. „Umso enger die Maschen sind, desto detailreicher und genauer sind die Vorhersagen meist“, erklärt sie. Die Spanne bei globalen Modellen liegt etwa zwischen zehn und 50 Kilometern, bei lokalen Modellen ist die Maschenweite etwas enger zwischen einem bis 15 Kilometern. ICON vom DWD hat beispielsweise eine Maschenweite von 13 Kilometern, was für ein globales Modell recht niedrig und damit genau ist

Verlässliche Wettervorhersagen sind teuer

Die Wettermodelle werden von den leistungsstärksten Computern der Welt erstellt, betont Siebert-Sperl. Dazu gehören auch zahlreiche qualifizierte Programmierer, die die Technik bedienen und weiterentwickeln. Diese Kombination könne sich nicht jeder staatliche oder private Wetterdienst leisten und somit keine eigenen Modelle erstellen. Das Einkaufen von detaillierten Karten und Modellen anderer Dienste sei sehr teuer, erklärt Siebert-Sperl. Es gebe aber auch gute öffentlich zugängliche Vorhersagemodelle.

Dazu kommt, dass die Qualität von kurzfristigen Prognosen, beispielsweise für die nächsten Stunden oder den nächsten Tag, insgesamt verlässlicher seien als mittel- oder gar langfristige Vorhersagen.

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Modellverwendung ist „Erfahrungs- und Geschmackssache“

Wettermodelle seien aber nur die Grundlage, versichert die Meteorologin. Wichtig sei die Erfahrung. „Junge Meteorologen und Meteorologinnen, die frisch aus der Uni kommen, nehmen meist an, dass das, was auf der Vorhersagekarte steht, genau so eintreffen wird. Das ist aber so gut wie nie der Fall“, sagt sie. „Die Aufgabe der Meteorologen und Meteorologinnen ist es, das zu deuten, was auf den Modellen zu sehen ist“, betont Siebert-Sperl. Umstände, die zu kleineren Abweichungen führen können, gebe es immer.

„Ich bin seit rund 35 Jahren Meteorologin“, sagt sie. Die Expertin habe schon mit etlichen Modellen gearbeitet. „Jeder Meteorologe und jede Meteorologin arbeitet mit anderen Modellen. Das ist Erfahrungs- und Geschmackssache.“ Oft würden sich Menschen beschweren, wenn sie auf ihre Apps oder auf Websites schauen und verschiedene Angaben sehen, oder Vorhersagen nicht eintreffen. Eine einhundertprozentige Genauigkeit könne nie gewährleistet werden, entgegnet Siebert-Sperl: „Wir Meteorologinnen und Meteorologen geben jeden Tag unser Bestes, um die Vorhersagen so genau wie möglich zu gestalten.“

mit tm

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