Aufruf zu geordnetem Übergang

Fall Schlesinger: Große Fassungslosigkeit im RBB über die Senderspitze

Der Skandal um die ehemalige RBB-Intendantin Patricia Schlesinger beschäftigt den Sender weiterhin (Symbolbild).

Der Skandal um die ehemalige RBB-Intendantin Patricia Schlesinger beschäftigt den Sender weiterhin (Symbolbild).

Berlin. In der Affäre um den Rundfunk Berlin-Brandenburg rumort es auch Tage nach der Abberufung von Intendantin Patricia Schlesinger weiter. Nach den Worten der RBB-Personalratsvorsitzenden Sabine Jauer herrscht unter den Kolleginnen und Kollegen noch immer große Fassungslosigkeit über die Senderspitze. MDR-Intendantin Karola Wille äußerte in einem Zeitungsinterview die Sorge, dass durch die RBB-Krise der öffentlich-rechtliche Rundfunk insgesamt an Vertrauen verliert.

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„Die Gefahr ist, dass wir als öffentlich-rechtlicher Rundfunk delegitimiert werden“, sagte Wille der „Leipziger Volkszeitung“ (Freitag). Die Diskussion werde besonders von populistischen Kräften genutzt, fügte die Intendantin des Mitteldeutschen Rundfunks hinzu. Man habe „gerade richtig Arbeit zu leisten, damit uns die Menschen auch weiterhin vertrauen“, betonte sie: „Alle Intendanten haben da eine enorme Verantwortung.“

Die MDR-Intendantin glaubt nicht, dass das Aufsichtsmodell mit Rundfunk- und Verwaltungsrat bei den öffentlich-rechtlichen Sendern grundsätzlich reformiert werden muss. „Das Rundfunkrat-Modell ist zukunftsfähig, weil es mit der Repräsentanz verschiedener gesellschaftlicher Gruppen die Vielfalt der Perspektiven widerspiegelt“, sagte Wille.

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RBB-Personalratsvorsitzende ruft zu geordnetem Übergang auf

Wegen Vorwürfen der Vetternwirtschaft, Vorteilsnahme und Verschwendung war RBB-Intendantin Patricia Schlesinger am 7. August zurückgetreten. Zuvor hatte sie bereits den ARD-Vorsitz niedergelegt. Anfang dieser Woche berief sie der RBB-Rundfunkrat mit sofortiger Wirkung als Intendantin ab.

Die RBB-Personalratsvorsitzende Jauer erwartet weitere Schritte und rief die Geschäftsleitung des Senders zu einem geordneten Übergang auf. Der Personalrat sehe die Geschäftsleitung kommissarisch im Amt, sagte Jauer am Freitag im Deutschlandfunk. Derzeit habe der Rundfunk Berlin-Brandenburg keine Spitze, und es sei nicht klar, wie schnell der Rundfunkrat eine neue Intendanz findet.

Bei einer Belegschaftsversammlung am Donnerstag habe RBB-Programmdirektor Jan Schulte-Kellinghaus deutlich gesagt: „Wir sind hier alle nur auf Zeit.“ Es sei deshalb Aufgabe des geschäftsführenden Intendanten Hagen Brandstäter, diesen Übergang jetzt geordnet zu organisieren, sagte Jauer.

Forderung nach flacheren Hierarchien

Im Hinblick auf eine Überarbeitung der Senderstrukturen müssten flachere Hierarchien gebildet und den Belangen der Belegschaft Gehör verschafft werden, forderte die Personalratsvorsitzende. Deutlich geworden sei, dass die aktuelle Geschäftsleitung in den vergangenen Monaten oder gar Jahren den Kontakt zur Belegschaft komplett verloren habe: „Es herrscht ein strenges ausgeklügeltes hierarchisches System im Haus.“

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Sabine Jauer, Vorsitzende des Personalrats des RBB.

Sabine Jauer, Vorsitzende des Personalrats des RBB.

Jauer, die als Personalratsvorsitzende selbst Mitglied im achtköpfigen RBB-Verwaltungsrat ist, kritisierte intransparente und undemokratische Strukturen in dem Gremium unter dem zurückgetretenen Vorsitzenden Wolf-Dieter Wolf. Häufig habe es interne Runden gegeben, zu denen sie nicht eingeladen war. „Da ist man mit nur einer Stimme auf verlorenem Posten“, sagte Jauer.

RND/epd

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