Hohe Temperaturen erwartet

Deutsche Krankenhausgesellschaft erwartet „extreme Belastung“ für Kliniken durch Hitzewelle

Eine Schwester auf der Station eines Krankenhauses: Die Belastung für Kliniken dürfte in der zu erwartenden Hitze steigen.

Eine Schwester auf der Station eines Krankenhauses: Die Belastung für Kliniken dürfte in der zu erwartenden Hitze steigen.

Berlin. Angesichts der prognostizierten Hitzewelle rechnet der Chef der Deutschen Krankenhaus­gesellschaft (DKG), Gerald Gaß, mit einer steigenden Belastung der Krankenhäuser. „Falls wirklich die Rekordwerte eintreten, die Meteorologen derzeit für die nächste Woche vorher­sagen, werden wir mit einer hohen Zahl an hitzebedingten Krankenhausfällen rechnen müssen“, sagte der DKG-Vorstandsvorsitzende dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

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Zahl der Hitzepatienten in den letzten zwanzig Jahren teilweise verdoppelt

Gaß erwartet neben dehydrierten Patientinnen und Patienten auch Menschen, die unter Herzrhythmusstörungen, niedrigem Blutdruck oder Schlafstörungen leiden. Auch Magen-Darm-Infekte könnten durch Hitze verstärkt werden. „Insbesondere in den Städten, in denen es kaum Ausweichmöglichkeiten vor Hitze gibt und sich die Hitze zwischen den Betonbauten besonders ballen kann, muss mit extremen Belastungen für die Krankenhäuser gerechnet werden“, so Gaß. „Und das in einer Situation, in der die Personalsituation durch Quarantäne und Isolation durch Corona besonders angespannt ist.“

Der Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß.

Der Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß.

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Hitze ist bereits in den vergangenen Jahren für die Krankenhäuser immer mehr zum Problem geworden. „Die Zahl der Patientinnen und Patienten, die aufgrund von Hitze und Sonne stationär behandelt werden mussten, hat sich über die vergangenen Jahre teilweise verdoppelt“, sagt Gaß. Hätte die Zahl der Fälle von Hitze- und Sonnenschäden im Jahr 2000 noch bei 1198 gelegen, sei sie 2015 bereits auf 2322 gestiegen. Angesichts von anhaltenden Temperaturrekorden in den vergangenen Jahren halte sich diese Zahl auf hohem Niveau.

Keine Klimaanlagen in Patientenzimmern

Hinzu kommt, dass die Patientenzimmer in der Regel nicht mit Klimaanlagen ausgestattet sind. „Kurzfristig werden wir mit Ventilatoren, verdunkelnden Vorhängen und Kühlakkus für die Patienten arbeiten müssen“, sagt der DKG-Chef. Derart behelfsmäßige Lösungen sind allerdings keine langfristige Perspektive. „Die Krankenhäuser müssen sich stärker an den Klimawandel anpassen. Wir brauchen ein großes Investitionsprogramm, das Kliniken in die Lage versetzt, zum einen die eigenen Emissionen herunterzufahren, zum anderen aber auch sich baulich stärker an die heißen Temperaturen anzupassen“, sagt Gaß. Dazu brauche es auch die Unterstützung aus der Politik, in Form eines Klimaanpassungsprogramms. „Wir fordern, dass das Wirtschaftsministerium in Kooperation mit dem Gesundheitsministerium ein Sonderprogramm ‚Green Hospital‘ auflegt“, erklärt Gaß.

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Arbeitgeberverband Pflege sieht ambulant versorgte alte Menschen gefährdet

Auch in den Pflegeheimen bereitet man sich auf die hohen Temperaturen vor. Besonders alte Menschen sind durch die Hitze gefährdet. Laut dem Arbeitgeberverband Pflege (AGVP) achten die Mitarbeitenden daher darauf, dass die Bewohnerinnen und Bewohner genügend trinken. Auch angepasste Mahlzeiten, kühle Umschläge und Bettlaken statt Bettdecken sollen Abhilfe bringen. Viele Heime würden außerdem bereits modernisiert. „Der Bund kann mit Förderprogrammen die energetische Sanierung der Pflegeunternehmen unterstützen, um zukünftig gegen die immer wärmer werdenden Sommer gewappnet zu sein“, heißt es auf RND-Anfrage vom AGVP. Je nach Baustruktur sei der Einbau einer Klimaanlage allerdings nicht immer möglich.

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Der kommenden Hitzewelle blickt Thomas Greiner, Präsident des AGVP, aber gelassen entgegen. „Die Mitarbeiter im Altenheim kennen das Hitzeproblem aus jahrelanger Erfahrung, zum Beispiel wird über Trinkprotokolle die Flüssigkeitsaufnahme überwacht. Bei heißen Temperaturen mache ich mir viel größere Sorgen um die Dehydrierung der alten Menschen, die ambulant versorgt werden.“

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