Migranten als Druckmittel

Hunderte Migranten überwinden Zaun in Melilla: Marokko öffnet seine Schleusen

Sicherheitskräfte auf der marokkanischen Seite der Grenze zwingen Migranten, sich vor den Zaun zu legen, nachdem sie sie daran gehindert haben, die Zäune zwischen der spanischen autonomen Stadt Melilla in Nordafrika und Marokko zu überwinden.

Sicherheitskräfte auf der marokkanischen Seite der Grenze zwingen Migranten, sich vor den Zaun zu legen, nachdem sie sie daran gehindert haben, die Zäune zwischen der spanischen autonomen Stadt Melilla in Nordafrika und Marokko zu überwinden.

Madrid. „In welchem Zustand befindet sich zurzeit die Beziehung mit Marokko?“, fragte vor Kurzem ein Redakteur der Netzzeitung „eldiario.es“ den spanischen Außenminister José Manuel Albares. „Wir bauen eine Beziehung des 21. Jahrhunderts auf und schauen in die Zukunft“, sagte der Minister.

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Nach einigen Sätzen des Lobes über seinen südlichen Nachbarn schloss Albares, ein enger Vertrauter von Ministerpräsident Pedro Sánchez und ein Diplomat alter Schule, mit der Bemerkung: „Allein in der Weihnachtszeit, in einem Zeitraum von etwa 15 Tagen, wurden mehr als 1000 Menschen daran gehindert, über die Zäune von Ceuta und Melilla zu springen.

Ohne die Zusammenarbeit Marokkos wäre dies nur sehr schwer zu erreichen, und das macht Marokko zu einem strategischen Partner für Spanien und auch für Europa. Damit gebe ich mich natürlich nicht zufrieden, sondern ich möchte noch weiter gehen. Und mein Eindruck ist, dass Marokko sich auf derselben Linie bewegt.“

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Migranten als politisches Mittel

Offenbar war der Minister zu optimistisch. Marokko verfolgt seine eigenen Ziele und übt dafür beinahe unablässig Druck auf Spanien aus. An diesem Mittwoch und Donnerstag ließen es die marokkanischen Grenzschützer zu, dass erst etwa 2500 und am nächsten Tag noch einmal rund 1200 Menschen auf den Zaun der spanischen Nordafrikaexklave Melilla zuliefen; an die 850 – meistens junge Männer aus Schwarzafrika – schafften den Sprung.

Es war der größte jemals registrierte Ansturm auf die Grenzanlagen von Melilla. Von der Zusammenarbeit, die Spaniens Außenminister gerade noch hervorhob, war dieser Tage nichts zu merken.

Migranten ruhen sich aus, nachdem sie die Zäune zwischen der spanischen autonomen Stadt Melilla in Nordafrika und Marokko überquert haben.

Migranten ruhen sich aus, nachdem sie die Zäune zwischen der spanischen autonomen Stadt Melilla in Nordafrika und Marokko überquert haben.

Zaunsprünge sind eine spektakuläre Angelegenheit und machen Schlagzeilen. Etliche Menschen verletzen sich dabei, auf beiden Seiten der Grenze, auch wenn Spanien im vergangenen Jahr den scharf schneidenden Nato-Draht auf der Zaunkrone abmontiert hat.

Auch Grenzbeamte kommen immer wieder zu Schaden, wenn die Migranten mit aller Macht auf die europäische Seite des Zauns gelangen wollen. So war es auch an diesen beiden Tagen: Ein paar Dutzend Grenzpolizisten mussten behandelt werden und etwa doppelt so viele Zaunspringer, von denen auf marokkanischer Seite mindestens drei schwerere Verletzungen davongetragen haben sollen.

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Zahlenmäßig viel bedeutsamer ist die Migration von Marokko und der Westsahara zu den Kanaren. Im Januar und Februar sind insgesamt knapp 5500 Menschen in eher instabilen Booten auf den spanischen Atlantikinseln angekommen, mehr als doppelt so viele wie in den ersten beiden Monaten des Vorjahrs.

Neuer Rekord möglich

Wenn es bei dieser Tendenz bleibt, werden die Kanaren dieses Jahr einen größeren Migrantenansturm als 2006 erleben, dem bisherigen Spitzenjahr. Hier kommen, anders als jetzt in Melilla, etwa zur Hälfte Marokkaner an, zur anderen Hälfte vornehmlich Schwarzafrikaner.

Das Ziel des marokkanischen Druckes ist eine Wende der spanischen Westsahara-Politik: Spanien soll die Idee einer Volksabstimmung über eine Unabhängigkeit des völkerrechtswidrig besetzten Territoriums aufgeben und sich mit einer Autonomie zufriedengeben. Andere Länder, wie die USA, sind schon ganz oder, wie Deutschland, halb eingeknickt.

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