Interview zum Fischsterben in der Oder

Polens Vizeaußenminister: Kann Deutschland nicht mehr machen, um Verschmutzung zu bekämpfen?

Ein Mann in Schutzkleidung holt mit einem Kescher tote Fische aus der Oder.

Ein Mann in Schutzkleidung holt mit einem Kescher tote Fische aus der Oder.

Warschau. Die polnische Feuerwehr hat nach eigenen Angaben bislang fast 160 Tonnen toter Fische aus der Oder und einem kleineren Fluss geborgen. In Brandenburg wurden nach früheren Angaben des Umweltministeriums mindestens 36 Tonnen geborgen. Der polnische Vizeaußenminister Szymon Szynkowski vel Sek räumt im RND-Interview Fehler der polnischen Behörden im Umgang mit der Umweltkatastrophe ein, macht aber auch Deutschland Vorwürfe. Am umstrittenen Oderausbau will Polen festhalten.

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Was halten Sie für die wahrscheinlichste Ursache für die Umweltkatastrophe in der Oder?

Giftige Goldalgen sind die erste Substanz, die in den Proben nachgewiesen werden konnte und als möglicher Verursacher gefunden wurde. Natürliche Ursachen sind Stand heute also die wahrscheinlichste Hypothese. Wir haben an 29 Kontrollstellen mehr als 250 Proben genommen und 5000 Analysen gemacht in Laboren in Polen, Tschechien und Deutschland. Bis wir eine eindeutige Antwort bekommen, wird es noch dauern. Die Entstehung der Algen konnte aber auch durch chemische Stoffe begünstigt werden, dass kann man nicht völlig ausschließen, deswegen machen wir weitere Untersuchungen.

Der polnische Vizeaußenminister Szymon Szynkowski vel Sek.

Der polnische Vizeaußenminister Szymon Szynkowski vel Sek.

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Warum hat es zwei Wochen nach dem ersten Fischsterben Ende Juli gedauert, bis Deutschland und die polnischen Behörden am Unterlauf der Oder informiert wurden?

Ende Juli haben die Behörden in Niederschlesien die ersten toten Fische registriert. Das Problem schien ihnen nicht groß genug, um die Informationen weiterzugeben. Ministerpräsident Morawiecki hat deswegen bereits zwei Behördenleiter entlassen. Aber auch die deutschen Behörden haben nicht alle Informationen weitergegeben, die sie hatten. Die Brandenburger Behörden hatten bereits in den ersten Augusttagen Informationen über den erhöhten Salzgehalt des Flusses und haben sie für sich behalten.

Fischsterben in der Oder: gesamtes Ökosystem geschädigt

Noch immer steht nicht fest, was genau das massive Sterben der Tiere im deutsch-polnischen Grenzfluss verursacht hat.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Polen und Deutschland bei der Bekämpfung?

Wir sind im ständigen Kontakt auf allen Ebenen. Auch die Arbeitsgruppe, auf die sich die Umweltministerinnen Anna Moskwa und Steffi Lemke sowie die Landesbehörden von Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg geeinigt haben, tagt. Manchmal frage ich mich aber, ob auf deutscher Seite nicht mehr gemacht sein könnte, um die Verschmutzung zu bekämpfen. Wir haben auf polnischer Seite inzwischen 26 Sperren in den Fluss gelegt, um tote Fische einzusammeln. Auf deutscher Seite sind es nur drei. Auf polnischer Seite ist die Oder aktuell von 1200 Polizisten und 300 Feuerwehrleuten überwacht. Wir sind bereit, den Deutschen zu helfen. Wir haben angeboten, zusätzliche Sperren auch auf deutscher Seite zu bauen.

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Wie lange wird es dauern, bis die Oder sich erholt?

Der Fluss beginnt sich bereits langsam zu erholen, aber das wird einige Zeit in Anspruch nehmen. Wir werden auch neue Fische einsetzen müssen. Und die Regierung hat umgerechnet 50 Millionen Euro bereitgestellt, um ein dichteres Warnsystem aufzubauen.

Soll der umstrittene Ausbau der Oder als Schifffahrtsweg gestoppt werden, damit sich die Natur erholen kann?

Wir sind entschlossen, die Schiffbarkeit der Oder zu verbessern. Das hat nicht nur ökonomische, sondern auch strategische Gründe. Transportwege sind in heutigen Zeiten ein sehr wichtiger Aspekt der Sicherheit. Natürlich aber werden wir beachten, dass die Oder nicht nur ein Transportweg, sondern auch ein fragiles Ökosystem ist, und die Umweltaspekte völlig berücksichtigen.

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