Jahrestag des Putsches: Proteste und stiller Streik in Myanmar

Eine leere Straße in Mandalay. Bereits im Dezember gingen zahlreiche Menschen in Myanmar in einen landesweiten „stillen Streik", um gegen die Militärjunta zu protestieren (Archivbild).

Eine leere Straße in Mandalay. Bereits im Dezember gingen zahlreiche Menschen in Myanmar in einen landesweiten „stillen Streik", um gegen die Militärjunta zu protestieren (Archivbild).

Yangon. Am ersten Jahrestag des Militärputsches in Myanmar haben zahlreiche Menschen in dem Krisenland gegen die Unterdrückung des Volkes durch die Junta protestiert.

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In vielen Städten kam es zu kleineren Demonstrationen, wie lokale Medien am Dienstag berichteten. Die Teilnehmer machten mit Slogans und Plakaten ihrer Wut über die Generäle Luft und forderten Freiheit und Demokratie. Großkundgebungen wie in den ersten Wochen nach dem Umsturz gab es aber aus Angst vor Repressionen durch das Militär nicht.

Stattdessen traten viele Bürger - wie bereits in den vergangenen Monaten - in einen „stillen Streik“ und blieben zu Hause, statt zur Arbeit zu gehen. Geschäfte waren geschlossen, die Straßen auch in der größten Stadt Yangon (früher: Rangun) waren teilweise verwaist, wie auf Fotos in sozialen Netzwerken zu sehen war.

Junta hatte Festnahmen angekündigt

„Ich gehe heute nicht zur Arbeit, denn ich kann zwar nicht zu den echten Demos gehen, aber ich will doch irgendwie an den Protesten teilnehmen“, sagte Sin Sin, eine 23-jährige Verkäuferin aus Yangon, der Deutschen Presse-Agentur. Angst ging dennoch um: Die Junta hatte in der vergangenen Woche angekündigt, jeden festzunehmen, der sich an dem stillen Streik beteiligt.

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Seit dem Putsch vom 1. Februar 2021 und der Entmachtung der faktischen Regierungschefin Aung San Suu Kyi versinkt das frühere Birma in Chaos und Gewalt. Der Gefangenenhilfsorganisation AAPP zufolge bereits mehr als 1500 Menschen getötet und fast 12.000 festgenommen. Hunderttausende leben als Vertriebene im eigenen Land, viele weitere sind in Nachbarländer wie Thailand und Indien geflohen.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International sprach am Dienstag von einer „humanitären Katastrophe“. Die neue Bundesregierung müsse die schwere Krise in Myanmar auf ihre politische Agenda setzen, für humanitäre Unterstützung sorgen und sich auf internationaler Ebene für ein globales Waffenembargo einsetzen, forderte Amnesty-Asien-Expertein Theresa Bergmann.

Ein Jahr nach dem Putsch: Eine Bilanz

Die Bilanz ist ein Jahr nach dem Putsch Experten zufolge sowohl für die Bevölkerung als auch für die Junta ernüchternd: Die Generäle haben das frühere Birma in den vergangenen zwölf Monaten trotz massiver Gewaltanwendung nicht unter Kontrolle gebracht und kämpfen an vielen Fronten gegen bewaffnete Rebellengruppen und zivilen Ungehorsam. Während es am Dienstag zu den landesweiten Protestaktionen kam, verhängten die USA und Großbritannien neue Sanktionen. Die Vereinten Nationen kündigten derweil Ermittlungen zu den Gräueltaten an.

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Die Umstände von mehr als 1000 Tötungen durch die Einsatzkräfte könnten möglicherweise als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ oder „Kriegsverbrechen“ eingestuft werden, teilte der Chefermittler des Unabhängigen Untersuchungsmechanismus für Myanmar (IIMM), Nicholas Koumjian, mit. Gegen die Militärs unter Führung von Min Aung Hlaing gebe es glaubhafte Vorwürfe willkürlicher Festnahmen, Folter und sexueller Gewalt. Auch seien Zivilisten in der Haft ermordet worden.

Der IIMM bemühe sich darum, die Vorwürfe zu verifizieren und zu dokumentieren, damit die Verantwortlichen eines Tages zur Rechenschaft gezogen werden könnten, so Koumjian. „Die internationale Justiz hat ein langes Gedächtnis“, warnte er.

Der Gefangenenhilfsorganisation AAPP zufolge wurden seit dem Putsch mehr als 1500 Menschen getötet. Dazu gehörten Studenten, Ärzte, Frauen und sogar Kinder, die ihre Leben geopfert hätten, schrieb AAPP-Mitgründer Bo Kyi in der Zeitung „The Irrawaddy“. Er sprach von einer „Terror-Kampagne“ des Regimes: „Min Aung Hlaings Gier und Brutalität stürzen ganze Generationen in die Armut.“

RND/dpa

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