Neue Chefinnen: Ein großer Schritt für Die Linke, aber kein Sprung an die Macht

Janine Wissler (links) und Susanne Hennig-Wellsow, die neuen Vorsitzenden der Linken.

Janine Wissler (links) und Susanne Hennig-Wellsow, die neuen Vorsitzenden der Linken.

In der Linken ist am Samstag etwas für die Partei Sensationelles passiert. Sie hat nicht nur zwei Frauen an die Spitze gewählt, die erste weibliche Doppelspitze ihrer demnächst fast 15-jährigen Geschichte. Sie hat es zudem geradezu harmonisch getan. Ob dies die Republik verändern wird, muss man bezweifeln. Die Linke verändert es mit Sicherheit.

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In die Partei zieht ein konstruktiveres Klima ein. Das hat mit dem Rückzug von Sahra Wagenknecht von der Fraktionsführung begonnen, deren Nachfolgerin Amira Mohamed Ali Kolleginnen und Kollegen schon mal einfach anruft und fragt: „Wie geht’s?“ Das Gift, das den Göttinger Parteitag 2012 und die Zeit danach für die Linke prägte und verfinsterte, scheint entwichen.

Der Prozess dürfte sich mit Janine Wissler und Susanne Hennig-Wellsow an der Spitze der Partei fortsetzen. Beide sind erfahrene Teamspielerinnen, die am Erfolg der gemeinsamen Sache ein größeres Interesse haben als am eigenen. Dass die eine einer Regierungsbeteiligung auf Bundesebene eher skeptisch gegenübersteht, während die andere sie offensiv anstrebt, ist Abbild der Verhältnisse in der Linken. Ein echter Clinch steht nicht zu erwarten.

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Die Linke: In Koalitionen allenfalls kleiner Teil des Kuchens

Nicht zu erwarten steht ebenso eine grün-rot-rote Bundesregierung nach der Wahl im Herbst. Es dürfte sie schon aus rechnerischen Gründen nicht geben. Überdies kommt die Öffnung der Linken für ein Linksbündnis viel zu spät und ist, wie man auch an den neuen Vorsitzenden sieht, abermals halbherzig. Ein solches Bündnis hätte bereits vor Jahren inhaltlich und atmosphärisch vorbereitet werden müssen.

So oder so gilt: Wer bei Wahlen bestenfalls 10 Prozent der Stimmen erlangt, der kriegt in einer Koalitionsregierung – um in einem Bild von Janine Wissler zu bleiben – allenfalls einen kleineren Teil des Kuchens. Die ganze Bäckerei bekäme er selbst mit einer absoluten Mehrheit nicht.

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