Bisher keine Worst-Case-Rezession in Russland

Trotz Sanktionen steigert der Kreml seinen Export nach Deutschland

Für einen Schlussverkauf öffnete die schwedische Modekette H&M Anfang August noch einmal zwei Filialen in Moskau. Hunderte Kunden standen Schlange. Schon im März hatte H&M alle Filialen in Russland geschlossen und seinen Rückzug vom russischen Markt verkündet.

Für einen Schlussverkauf öffnete die schwedische Modekette H&M Anfang August noch einmal zwei Filialen in Moskau. Hunderte Kunden standen Schlange. Schon im März hatte H&M alle Filialen in Russland geschlossen und seinen Rückzug vom russischen Markt verkündet.

Berlin. Anfang August hatte im Rostocker Seehafen der letzte russische Frachter festgemacht, um Steinkohle für das dortige Kraftwerk der Stadtwerke zu löschen. Am 10. August endete die Übergangsfrist für die EU-Sanktionen auf russische Kohle.

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Es bröckelt hinter Putins Kulissen

Die westlichen Sanktionen wirken nur allmählich, aber sie treffen Russland inzwischen hier und da bereits schmerzhaft – und mit langfristigen Folgen. Noch allerdings simuliert Staatschef Wladimir Putin so gut es geht Normalität: Mit Geld aus dem Gas- und Ölverkauf verschleiert er die wachsenden Probleme.

Obwohl Europa inzwischen viele Importe wie Stahl, Holz, Zement bis hin zu Gold aus Russland verboten beziehungsweise stark eingeschränkt hat, tut dies bislang der russischen Außenhandelsbilanz mit Blick auf Deutschland keinen Abbruch.

So erhöhten sich die deutschen Importe aus Russland laut Statistischem Bundesamt im Juni gegenüber dem Vormonat um 4,8 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro. Natürlich hängt das nicht mit einer mengenmäßigen Steigerung zusammen, sondern mit höheren Marktpreisen für Rohstoffe.

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Russland schafft es offenbar, Verluste bei anderen Exportgütern durch höhere Energiepreise überzukompensieren, obwohl die Liefermengen nach Deutschland schon reduziert sind. Doch vor allem bei Öl und Kohle, wo die Konditionen nicht so langfristig festgelegt sind wie beim Gas, haben die Lieferanten massiv von den gestiegenen Preisen profitiert.

Und obwohl die russische Wirtschaft den stärksten Rückgang seit 2009 erlebt, ist es ihr bisher gelungen, die Auswirkungen in Grenzen zu halten. Wie das russische Portal Kommersant (Geschäftsmann) dieser Tage berichtete, haben US-Experten ihre Prognosen für den Produktionsrückgang in Russland für 2022 auf 3,5 bis 5,5 Prozent angepasst. Zuvor lagen sie bei 7 bis 9,6 Prozent. Der Internationale Währungsfonds erwartet für dieses Jahr ein Schrumpfen der russischen Wirtschaftsleistung um 6 Prozent.

Tatsächlich befindet sich die russische Industrie in schwerer See, im Mai ging allein die Autoproduktion um 97 Prozent zurück. Aber der Abschwung wurde durch Maßnahmen zur Stabilisierung des Rubels und große Exporterlöse abgefedert.

Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) hatte am 25. Februar unter Bezug auf das erste EU-Sanktionspaket gesagt: „Das wird Russland ruinieren.“

Heute, knapp sechs Monate später, muss man nüchtern konstatieren, dass das (noch) nicht eingetreten ist. Ganz sicher zeigen die Sanktionen Wirkung, aber sie haben bisher nicht dazu beigetragen, den Kreml zur Beendigung des Krieges zu bewegen.

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