Kommentar

Auflösung der Sittenpolizei – Etappensieg der Freiheit im Iran

Teheran: Eine Frau steht während einer Demonstration nach dem Tod der 22-jährigen Mahsa Amini vor einem brennenden Autoreifen.

Teheran: Eine Frau steht während einer Demonstration nach dem Tod der 22-jährigen Mahsa Amini vor einem brennenden Autoreifen.

Die Nachricht, wonach die Mullahs die Sittenpolizei im Iran auflösen wollen, ist noch kein Grund zum Jubeln. Aber die Freiheit hat einen Etappensieg errungen. Die religiös-autoritäre Führung im Iran sieht sich angesichts der seit zwei Monaten andauernden Proteste zum Einlenken gezwungen. Obwohl die Häscher des Systems seit Wochen die Protestierenden niederknüppeln, verstümmeln, in Foltergefängnisse verschleppen und töten, gehen die Menschen gegen die staatliche Unterdrückung weiter auf die Straße. Vor so viel Mut und Tapferkeit kann man sich nur verneigen.

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Auch an diesem Wochenende gab es wie in Washington weltweit Solidaritätsbekundungen mit den Protestierenden im Iran.

Auch an diesem Wochenende gab es wie in Washington weltweit Solidaritätsbekundungen mit den Protestierenden im Iran.

Es steht zu befürchten, dass das Blutvergießen mit dem Aus der Sittenpolizei leider nicht beendet ist. Noch ist unklar, was die Auflösung bedeutet. Werden die brutal agierenden Sicherheitskräfte einfach neu organisiert und machen weiter? Oder bedeutet das Ende dieser verhassten Polizei auch ein Ende des Zwangs zum Tragen eines Kopftuchs? Das Regime hat sich mit dem offiziellen Auflösen der Sicherheitspolizei Zeit verschafft. Über die Kopftuchpflicht soll erst in ein bis zwei Wochen entschieden werden. Dann erst weiß man, ob der Schritt an diesem Sonntag nur ein Ablenkungsmanöver war, um in Wahrheit die eigene Macht zu sichern.

Die Protestbewegung wird weitermachen

Den Protestierenden geht es ohnehin um viel mehr, als nur um das Kopftuch. Denn das Kopftuch ist vor allem das Symbol für staatliche Unterdrückung und einem verächtlichen Umgang mit Frauen. Die Mullahs werden sich also darauf einstellen müssen, dass die erweckte Protestbewegung weitermacht.

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Man darf es nicht unterschätzen: In den 70er-Jahren war der Iran ein Land auf dem Weg in die Moderne, bevor Khomeini den Schah stürzen konnte. Den Durst nach Freiheit, Bildung und Selbstbestimmung konnte der erzkonservative antiwestliche Gottesstaat seinen Menschen nicht austreiben. Die nächste Revolution liegt in der Luft.

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