Warnungen aus Moskau und Kiew

Lage um AKW Saporischschja bleibt angespannt – kappt Russland Stromverbindung?

Das Kernkraftwerks Saporischschja: Eine tickende Zeitbombe?

Das Kernkraftwerks Saporischschja: Eine tickende Zeitbombe?

Moskau hat erneut vor einer Katastrophe um das von russischen Truppen besetzte ukrainische Atomkraftwerk Saporischschja gewarnt. Das ukrainische Militär beschieße das AKW mit von den USA gelieferten Waffen, sagte der Sekretär des russischen nationalen Sicherheitsrates, Nikolai Patruschew, der Agentur Interfax zufolge am Freitag in der usbekischen Hauptstadt Taschkent. „Wenn es zu einer Katastrophe kommt, dann werden die Folgen in allen Ecken der Welt zu spüren sein. Die Verantwortung dafür werden Washington, London und ihre Handlanger tragen“, sagte er auf einer Sitzung der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO).

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Die russische und die ukrainische Führung machen sich seit Tagen gegenseitig verantwortlich für den Beschuss des größten Atomkraftwerks in Europa. Sie warnen immer wieder auch vor der Gefahr einer Nuklearkatastrophe. Russland lehnt internationale Forderungen ab, das AKW zu entmilitarisieren – offiziell mit der Begründung, dass die Regierung in Kiew wegen des Krieges nicht für die Sicherheit der Atomanlagen sorgen könne.

Gegenseitiger Vorwurf der Provokation

Die Kriegsparteien hatten auch vor möglichen Provokationen um das AKW für Freitag gewarnt. Es gab aber zunächst keine neuen Meldungen über den Beschuss der Kraftwerksanlagen. Laut der Nachrichtenagentur Reuters erklärte das staatliche ukrainische Atomunternehmen Energoatom am Freitag, dass die russischen Streitkräfte planten, die funktionierenden Stromblöcke des Kernkraftwerks Saporischschja, das unter russischer Kontrolle steht, abzuschalten und vom ukrainischen Stromnetz zu trennen. In einer Erklärung von Energoatom hieß es, dass Russland eine „groß angelegte Provokation“ vorbereite. Noch am Donnerstag hatte Moskau Kiew den gleichen Vorwurf gemacht.

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„Es gibt Informationen, dass die russischen Besatzungstruppen planen, die Kraftwerksblöcke abzuschalten und sie in naher Zukunft von den Stromleitungen zum ukrainischen Stromnetz zu trennen (...). Das russische Militär ist derzeit auf der Suche nach Treibstofflieferanten für die Dieselgeneratoren, die sich nach der Abschaltung der Kraftwerksblöcke in Ermangelung einer externen Stromversorgung für die Kühlsysteme der Kernbrennstoffe einschalten sollen“, hieß es in der ukrainischen Erklärung.

Die Abschaltung des Kraftwerks würde die ukrainische Versorgung, insbesondere im Süden, weiter in Bedrängnis bringen. Schon jetzt bereitet sich die Ukraine auf den schwierigsten Winter seit ihrer Unabhängigkeit vor und rechnet mit einer möglichen Energieknappheit.

Atomenergie-Organisation kündigt Besuch an

Derzeit wird das AKW von ukrainischen Technikern betreut – nur zwei der sechs Reaktoren arbeiten mit voller Leistung. Geplant ist, dass sich Expertinnen und Experten der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA) bald ein Bild von der Lage im Kraftwerk machen. Ein Termin steht allerdings nicht fest. Russlands Vertreter bei den internationalen Organisationen in Wien, der Diplomat Michail Uljanow, meinte am Freitag, dass es womöglich Anfang September zu der IAEA-Reise in die Ukraine kommen könnte.

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Unterdessen behauptete Patruschew, der Westen bereite sich auf einen offenen militärischen Konflikt mit Russland vor. Dabei wird im Westen immer wieder betont, zwar Waffen an die Ukraine zu liefern, sich aber nicht in einen Krieg mit Russland hineinziehen zu lassen. Patruschew warf dem Westen vor, in der Ukraine nach dem Sturz des moskaufreundlichen Präsidenten Viktor Janukowitsch 2014 ein „Marionettenregime“ für eine gegen Russland gerichtete Politik errichtet zu haben.

RND/dpa/Reuters

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