Streit um Turbine

Wie Russland die Gasdrosselung von Nord Stream 1 rechtfertigt

Seit Mittwoch kommen nur noch 20 Prozent der maximalen Kapazität durch die Gaspipeline Nord Stream 1 in Lubmin.

Seit Mittwoch kommen nur noch 20 Prozent der maximalen Kapazität durch die Gaspipeline Nord Stream 1 in Lubmin.

Seit vergangenem Donnerstag fließt wieder Gas durch die Gaspipeline Nord Stream 1. Anfangs waren es noch 40 Prozent der maximalen Kapazität und damit so viel wie vor der zehntätigen Routinewartung. Nur sechs Tage später wurden die Lieferungen jedoch erneut reduziert. Nun kommen nur noch 20 Prozent, das heißt 33 Millionen Kubikmeter Gas, täglich aus Russland.

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Der Staatskonzern Gazprom nennt als Grund eine wichtige Turbine, die noch nicht aus der Reparatur zurück sei. Und jetzt müsse eine andere, für die Gasweiterleitung relevante Turbine, in die Wartung. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte in Moskau, die EU schade sich mit ihren Sanktionen selbst.

Die Strafmaßnahmen erschwerten die notwendige Reparatur von Gasturbinen, argumentiert der Kremlsprecher. „Wenn es diese Einschränkungen nicht gäbe, würden alle Reparatur-, Garantie- und Servicearbeiten in der üblichen, routinierten, operativen Ordnung erfüllt werden.“

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Drosselung wurde angekündigt

Eine Drosselung sei möglich, wenn eine in Kanada reparierte Turbine nicht rechtzeitig wieder zur Verfügung stehe, hieß es vom russischen Präsidenten Wladimir Putin bereits vergangene Woche. Außerdem werde die Reparatur eines „weiteren Aggregats“ nötig sein, sagte Putin damals.

Zwar behauptet der Kreml, es gebe keine politischen Gründe für die Reduzierung der Gasmenge nach Deutschland. Aber selbst russische Kommentatoren fordern inzwischen die Führung in Moskau auf, mit offenen Karten zu spielen: Immerhin versuchten die EU und die USA mit den Sanktionen Russlands Wirtschaft zu zerstören. Da sei es nur legitim, Russlands Gas in diesem Wirtschaftskrieg ebenso als Sanktionsinstrument zu benutzen, um dem Westen zu schaden.

Keine technischen Gründe für Reduzierung

Politiker in Europa halten die Kremlargumentation für einen Vorwand. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) sagte, es gebe, anders als von Russland behauptet, keine technischen Gründe für die Lieferkürzungen: „Putin spielt ein perfides Spiel.“ Die Bundesregierung wirft Russland ebenfalls politische Spielchen vor.

Russland halbiert Gaslieferungen

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Die in Kanada gewartete Turbine von Siemens Energy wartet in Deutschland auf den Weitertransport nach Russland. „Die Turbine steht zur Auslieferung an Russland bereit“, so Habeck. Die Ausfuhrdokumente von Siemens Energy lägen vollständig vor, aber Russland verweigere die Ausstellung der Einfuhrdokumente.

„Die Turbine steht zur Auslieferung an Russland bereit.“

Robert Habeck,

Wirtschaftsminister

Zolldokumente für Import fehlen

„Was fehlt, sind erforderliche Zolldokumente für den Import nach Russland. Diese Informationen können nur vom Kunden bereitgestellt werden“, gab ein Sprecher von Siemens Energy bekannt. Habeck wirft Russland vor, Verträge zu brechen und anderen die Schuld zu geben. Die Wartung der Turbinen sei und bleibe dem Siemens-Energy-Sprecher zufolge ein Routinevorgang. „In den letzten zehn Jahren gab es keine wesentlichen Komplikationen.“

Die aktuelle Genehmigung der kanadischen Regierung sehe auch vor, dass weitere Turbinen von Siemens Energy in Montreal gewartet und anschließend ausgeführt werden könnten, so der Sprecher.

RND/gh/dpa

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