Newsletter „Hauptstadt-Radar“

You’ll never walk alone, Teil II

Bundeskanzler Olaf Scholz (links) will die deutschen Frauen beim Finale in London im Stadion unterstützen.

Bundeskanzler Olaf Scholz (links) will die deutschen Frauen beim Finale in London im Stadion unterstützen.

Liebe Leserin, lieber Leser,

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

am Sonntagabend erleben wir eine Premiere von Olaf Scholz. Er verfolgt erstmals als Bundeskanzler ein Finale der Fußball-Europameisterschaft der Frauen. Im legendären Londoner Wembley-Stadion. Die deutsche Nationalelf von Martina Voss-Tecklenburg („MVT“) spielt gegen England, und die meisten der erwarteten 90.000 Zuschauerinnen und Zuschauer werden dessen Landsleute sein. Und wahrscheinlich werden sie „You’ll Never Walk Alone“ anstimmen, die berühmte Fußballhymne des FC Liverpool, die inzwischen viele Fans auf der Welt singen, um ihren Mannschaften Mut zu machen.

Scholz könnte dabei ein Schauer über den Rücken laufen. Er hat in der vorigen Woche den Deutschen versichert, dass die explodierenden Gaspreise infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine für sie beherrschbar bleiben werden. Der Staat werde jene entlasten, die die Preissteigerungen nicht bezahlen können – Menschen wie Unternehmen. „You’ll never walk alone“, garantierte er. Es ist nur fraglich, ob er dieses allumfassende Versprechen halten kann.

Für die Fußballerinnen will er auch etwas tun: Er fordert gleiche Bezahlung für Frauen und Männer im Sport, besonders in Nationalteams. Kleines Beispiel gefällig? Für den Fall des Titelgewinns würde jede deutsche Spielerin 60.000 Euro erhalten. Die Männer hätten im vorigen Jahr 400.000 Euro bekommen, wären sie nicht schon im Achtelfinale ausgeschieden.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige
Will auch am Sonntag wieder jubeln: Deutschlands Toptorjägerin Alexandra Popp (Dritte von rechts)

Will auch am Sonntag wieder jubeln: Deutschlands Toptorjägerin Alexandra Popp (Dritte von rechts)

Die Europäische Fußball-Union Uefa generiert durch TV-Rechte, Sponsoring und Tickets bei einer Europameisterschaft der Männer deutlich höhere Umsätze und schüttet daher auch höhere Prämien an die Verbände aus. Es geht also darum, dass es im Frauenfußball die gleichen Voraussetzungen wie bei den Männern gibt: TV-Rechte, Sponsoring, Vermarktung.

Sie hätten es mehr als verdient. Die deutschen Frauen, von Torhüterin Merle Frohms bis zur Stürmerin Alexandra Popp, haben schon vor dem großen Endspiel ein wunderbares Sommermärchen aufgeführt. Am Mittwochabend gegen Frankreich war ein Fußball zu erleben, den die Männer immer seltener zeigen.

Keine am Boden liegenden, sich scheinbar vor Schmerzen wälzenden Menschen nach einem Hauch von Foul, keine Zickerei in Interviews nach dem Spiel wie von Toni Kroos im ZDF. Da gratuliert der Reporter dem Real-Madrid-Spieler zum „großartigen“ Sieg im Champions-League-Finale und wagt noch die Frage zu stellen, warum sich der Favorit etwas schwergetan habe (gegen den You’ll-Never-Walk-Alone-FC-Liverpool), und Kroos haut ab. Der Multimillionär empfand das offenbar als Majestätsbeleidigung. Jedenfalls seien das „Scheißfragen“ gewesen, „ganz schlimm“.

Am Sonntag zum ersten Mal als Kanzler im Stadion: Olaf Scholz.

Am Sonntag zum ersten Mal als Kanzler im Stadion: Olaf Scholz.

Eine Liebeserklärung bekommt der Frauenfußball von jenem Trainer, für den der „großartige“ Abend für Real Madrid das Gegenteil war: Liverpool-Trainer Jürgen Klopp. Zur Frauen-EM sagte er nun, der Frauenfußball habe sich explosionsartig entwickelt. „Ich muss wirklich sagen, dass ich den Frauenfußball liebe. Die Qualität des Turniers ist Wahnsinn.“ Bleibt zu wünschen, dass das MVT-Team diese EM mit dem Titel krönt, auch wenn es schwer wird.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

DFB-Direktor Oliver Bierhoff hat bereits ein Gespräch mit Scholz über die gleiche Bezahlung von Frauen und Männern im Fußball angeregt. You’ll never walk alone, Teil II.

Zunächst darf man aber gespannt sein, ob sich der hanseatische Scholz zu emotionalen Regungen während des Spiels hinreißen lässt. Seine Vorgängerin Angela Merkel war bei Toren der Männerelf vom Stuhl aufgesprungen und hatte die Arme nach oben gerissen – und die Schultern hochgezogen und die Augen zusammengekniffen, wenn es ein Gegentor gab. Die Kameras werden auf Scholz gerichtet sein, wie er sich mitfreut oder mitleidet. So oder so wird man auch über den Kanzler, der sich als Feminist bezeichnet, etwas Neues erfahren.

 

Machtpoker

Diejenigen, die mit dem Feuer spielen, werden daran zugrunde gehen.

Xi Jinping,

Chinas Staatschef

Es ist ein beunruhigender Satz von Chinas Staatschef Xi Jinping in einem Telefonat mit US-Präsident Joe Biden. Xi bezog sich auf die Taiwan-Frage. Die chinesische Führung betrachtet das freiheitliche Taiwan als Teil der kommunistischen Volksrepublik und droht mit einer Eroberung. Europa und die USA sehen die Entwicklung mit größter Sorge. Sie befürchten, dass sich China genau anschaut, wie sie auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine reagieren und welche Lehren daraus für den Taiwan-Konflikt zu ziehen sind. Fest steht, ein dritter Weltkrieg soll mit allen Mitteln verhindert werden. Deshalb schaltet sich die Nato nicht in der Ukraine ein. Diese wird stattdessen mit Waffen beliefert. Aber was würde das westliche Bündnis bei einem Angriff Chinas auf Taiwan machen? Peking hatte die USA zuletzt vor einer möglichen Taiwan-Reise der Vorsitzenden des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, gewarnt. Xis Feuerformel ist eine neue Machtdemonstration. Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn China einen Schritt weitergeht.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige
Wird sehr deutlich, wenn es um Taiwan geht: Chinas Staatschef Xi Jinping.

Wird sehr deutlich, wenn es um Taiwan geht: Chinas Staatschef Xi Jinping.

 

Wie unsere Leserinnen und Leser auf die Lage schauen

Ralf M. Parlar aus Garbsen zum Interview mit dem CDU-Generalsekretär Czaja

„Er hat tatsächlich gesagt: ‚… unfair gegenüber Geringverdienern‘. Natürlich hat jemand, der mit oder ohne Arbeit fast das gleiche Einkommen hätte, keine große Motivation zu arbeiten. Aber unfair ist meiner Meinung nach der immer noch viel zu geringe Steuerfreibetrag und die viel zu niedrigen Steuersätze bei den Großverdienern. Unter welchem Kanzler sind die Spitzensteuersätze gesenkt worden und wurden nie wieder angehoben? Dieses offensichtliche Geheuchel kann man sich sparen.“

Ingo Vormann zum Kommentar „Die alles überwölbende Krise“

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

„Zum Vertreter aus Bangladesch, der vom Krieg an der Klimafront in seinem Land erzählt hat und Mittel aus der Klimafinanzierung einfordert: Leider, vielleicht auch klugerweise, hat er die anderen Kriege in seinem Land nicht erwähnt: die Kriege gegen „malgovernance“ in allen Bereichen des öffentlichen Lebens, gegen das Versagen des Justizsystems, die Gewalt und besonders die Korruption.“

Hartmut Wexel zu den „Signalstörungen in der Ampelkoalition“

„Es wird an einer Stelle das schöne englische Wort „Wording“ erwähnt: „Andererseits änderte sich zuletzt das, was man im Berliner Regierungsviertel das ‚Wording‘ nennt“, dann kommt die Erläuterung: also die Art, in der bestimmte Positionen kommuniziert werden“. Das ist so, als würden wir das ebenfalls „uber-coole“ englische „Hoovering“ anstelle von „Staubsaugen“ verwenden. Um dann anschließend zu erläutern, dass damit „die mit Vakuum unterstützte Aufnahme von Staub“ gemeint ist. Ein kurzer Hinweis wie: „Wording“ (= Wortwahl) hätte völlig gereicht oder aber noch besser: „Andererseits änderte sich zuletzt im Berliner Regierungsviertel die Wortwahl bei der Darstellung parteipolitischer Positionen.“

 

Das ist auch noch lesenswert

„Die dysfunktionale Republik“

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Markus Decker über Habecks Sommerreise

Jan Emendörfers Kommentar zu den deutschen Panzerhaubitzen für die Ukraine

 

Das „Hauptstadt-Radar“ zum Hören

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Spotify Ltd., der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Das Autorenteam dieses Newsletters meldet sich am Dienstag wieder. Dann berichtet mein Kollege Markus Decker. Bis dahin!

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Herzlich

Ihre Kristina Dunz

Sie möchten uns Ihre Meinung zu den aktuellen Themen und Diskussionen in diesem Newsletter mitteilen? Oder möchten Sie Lob, Kritik und Anregungen mit uns teilen? Schreiben Sie uns gerne eine E‑Mail an hauptstadt-radar@rnd.de. Wir freuen uns auf Ihre Nachrichten. Wenn Sie keine Veröffentlichung wünschen, teilen Sie uns dies bitte in Ihrer E‑Mail mit.

Mit RND.de, dem mobilen Nachrichtenangebot des Redaktions­Netzwerks Deutschland, dem mehr als 60 regionale Medienhäuser als Partner angehören, halten wir Sie immer auf dem neuesten Stand, geben Orientierung und ordnen komplexe Sachverhalte ein – mit einem Korrespondenten­netzwerk in Deutschland und der Welt sowie Digitalexperten aller Bereiche.

Mehr aus Politik

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Verwandte Themen

Letzte Meldungen