Ministrant und Musterprofi: Die ungewöhnliche Karriere von Christoph Metzelder

Der ehemalige Fußball-Nationalspieler Christoph Metzelder.

Der ehemalige Fußball-Nationalspieler Christoph Metzelder.

Düsseldorf. Meinungsstark, redegewandt, telegen - ein gewöhnlicher Fußball-Profi war Christopher Metzelder nie. Und auch nach seiner aktiven Laufbahn startete der ehemalige Verteidiger eine bemerkenswerte Karriere.

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Sein guter Ruf als einstiger Musterprofi, sein soziales Engagement, sein Herz für den Amateurfußball und seine guten Kontakte machten den 38-Jährigen zuletzt sogar zu einem Kandidaten für das Amt des DFB-Präsidenten, das nach dem Rücktritt von Reinhard Grindel im April vakant geworden war. Zeitgleich wurde er beim FC Schalke als neuer Sportvorstand gehandelt.

Trainerlehrgang abgesagt

Jetzt wird gegen Metzelder wegen des Verdachts der Verbreitung von Kinderpornografie ermittelt. Das hatte die Staatsanwaltschaft Hamburg am Mittwoch bestätigt, die "Bild"-Zeitung hatte zuvor darüber berichtet.

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Wegen der Ermittlungen wird Metzelder zunächst nicht weiter am derzeit laufenden Trainerlehrgang teilnehmen, wie der Deutsche Fußball-Bund (DFB) am Donnerstag erklärte. "Die Teilnahme von Christoph Metzelder am laufenden Fussballlehrer-Lehrgang ruht einvernehmlich bis zur Klärung der gegen ihn erhobenen Vorwürfe", heißt es in dem Statement.

Einser-Abiturient

Der schnelle Aufstieg vom Amateurfußballer zum Vize-Weltmeister passt ins Bild einer unkonventionellen Vita. Eigentlich war der ehemalige Ministrant und Einser-Abiturient nach seinem Wechsel im Jahr 2000 vom Regionalligisten Preußen Münster zu Borussia Dortmund für die 2. Mannschaft des Revierclub vorgesehen. Verletzungen von Stammkräften beförderten ihn schnell in das Profi-Team, in dem er sich auf Anhieb für weitere Einsätze empfahl. Nur zwölf Monate später debütierte er beim 5:2 gegen Ungarn in der Nationalmannschaft.

Schon am Ende der folgenden Saison feierte der Innenverteidiger mit dem BVB die Meisterschaft, bei der WM in Japan und Korea trug er als Stütze der DFB-Elf zum Einzug ins Endspiel bei. Selbst eine zweijährige Zwangspause warf ihn nicht aus der Bahn. Mit dem dritten Platz bei der Heim-WM 2006 und dem zweiten Rang bei der EM 2008 festigte er seinen Ruf als verlässlicher Abwehrspieler. Im Finale gegen Spanien bestritt er sein letztes von 47 Länderspielen.

Auch wenn er 2011 mit dem FC Schalke den DFB-Pokal gewann, zeigte die Formkurve schon in den Jahren zuvor nach unten. Nicht zuletzt aufgrund weiterer gesundheitlicher Rückschläge zählte er in seiner Zeit bei Real Madrid (2007-2010) nie wirklich zur Stammelf. Und auch sein Wechsel zum FC Schalke war der Karriere nur bedingt förderlich. Als der Revierclub seinen im Sommer 2013 auslaufenden Vertrag nicht verlängern wollte, beendete Metzelder seine aktive Karriere.

Metzelder engagierte sich für wohltätige Zwecke

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Schon während seiner Zeit beim BVB nutzte Metzelder seine Popularität, um sich für wohltätige Zwecke zu engagieren. Zusammen mit seinem Teamgefährten Sebastian Kehl unterstütze er von 2001 an die Aktion Roter Keil, die sich gegen Kinderprostitution einsetzte. Das bescherte beiden Profis 2005 eine Audienz bei Papst Johannes Paul II.

2006 gründete das CDU-Mitglied die Stiftung "Zukunft Jugend" mit dem Ziel, "Kinder und Jugendliche auf ihrem schulischen und persönlichen Lebensweg zu begleiten". Die damalige Ministerpräsidentin Hannelore Kraft verlieh ihm 2011 den NRW-Verdienstorden für sein soziales Engagement mit den Worten: "Sie haben Außergewöhnliches geleistet."

Dass Metzelder trotz seiner erfolgreichen Karriere eine enge Bindung zu seinem Heimatverein TuS Haltern und seinem ehemaligen Club Preußen Münster pflegte, brachte ihm bei den Amateurfußballern viel Sympathien ein. In Haltern war er zuletzt im Trainerstab der U19 tätig. Zudem fungiert er seit 2014 als Vorsitzender - dieses Amt lässt er seit Bekanntwerden der Vorwürfe ruhen. Seit Oktober 2016 sitzt er im Aufsichtsrat des Drittligisten aus Münster.

Experte im Fernsehen

Ähnlich eifrig trieb der Vater einer Tochter seine beruflichen Ambitionen voran. Nach seiner Zeit als Geschäftsführer der Agentur Jung von Matt/sports gründete er 2018 eine Agentur, die sich nach eigener Darstellung auf "Social Campaigning, Sustainable Marketing und Sport Marketing" spezialisiert hat. Diese Agentur verlässt Metzelder nun - die Entscheidung habe man gemeinsam getroffen, sagte sein Geschäftspartner Raphael Brinkert am Donnerstag. Eine gemeinsame Fortführung der Agentur "BrinkertMetzelder" sei zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich.

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Mit seiner Arbeit als TV-Experte und Co-Kommentator bei Sky kehrte Metzelder in den Profi-Fußball zurück. Zuletzt wurde ein Wechsel zur ARD bekannt - der TV-Sender lässt die Zusammenarbeit bis zur Klärung der Vorwürfe ruhen.

RND/dpa/msc

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