Nachruf auf eine Hotelierlegende

Besitzer des weltberühmten Hotels Hassler in Rom ist tot

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Wenige Menschen stehen an der Spanischen Treppe in Rom. Rechts oberhalb der Treppe steht das Hotel Hassler – Besitzer Roberto Wirth ist jetzt im Alter von 72 Jahren gestorben.

Rom. Die italienischen Zeitungen waren in diesen Tagen wieder einmal voll von alten und jüngeren Fotos der Hotelierlegende: Roberto Wirth mit Audrey Hepburn, mit Ronald Reagan, mit Henry Kissinger, mit Fürst Rainier und seiner Gattin Grace Kelly, mit Prinzessin Diana, mit Pablo Picasso, mit Madonna, mit George Clooney, mit Apple-Gründer Steve Jobs: Wirth hat seine Gäste immer persönlich begrüßt – wortlos, mit einem Lächeln.

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Das Hotel hatte er von seinem Vater Oscar Wirth und seiner Mutter Carmen übernommen und führte es bereits in der fünften Generation; die Familie Wirth stammte ursprünglich aus dem Kanton Luzern, während die Vorfahren seiner Frau aus Baden-Württemberg einge­wandert waren. Die Familie besitzt in Flims im Kanton Graubünden ein Ferienhaus, wo Roberto Wirth oft seine Urlaube verbrachte. Nun ist er im Alter von 72 Jahren gestorben.

Hotelier Roberto Wirth in Rom.

Hotelier Roberto Wirth in Rom.

Hotel Hassler thront oberhalb der Spanischen Treppe

Das Hassler ist die unbestrittene Königin der römischen Fünf-Sterne-Hotellerie: Es thront oberhalb der Spanischen Treppe, gleich neben der Kirche Trinità dei Monti; vom Dach­restaurant Imago aus genießen die Gäste einen spektakulären Blick auf die Ewige Stadt. Alles liegt dem Betrachter zu Füßen: die Piazza di Spagna, die Kuppel des Petersdoms, das Pantheon, das Kapitol, die Piazza Venezia, das Forum Romanum. Nur wenige Hundert Meter hinter dem Luxushotel befindet sich die Via Veneto, wo Federico Fellini sein Meisterwerk „La Dolce Vita“ gedreht hatte.

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„Das Hassler ist meine Leidenschaft, mein Zuhause, meine Familie“, pflegte Wirth zu sagen. Nun soll es von seinem Sohn Roberto Junior und seiner Tochter Veruschka weitergeführt werden. Vor einigen Jahren hatte der mit zahlreichen Hotelleriepreisen ausgezeichnete Wirth eine Autobiografie veröffentlicht, in welcher er beschreibt, wie er wegen seiner Hör- und Sprachbehinderung vor allem in seiner Jugend immer wieder Vorurteilen ausgesetzt war. Das Buch trägt den Titel „Il silenzio è stato il mio primo compagno di giochi“ („Die Stille war mein erster Spielkamerad“).

Roberto Wirth beherrschte fünf Sprachen; seine wichtigste Botschaft in seiner Autobiografie lautete: „Blick immer vorwärts, mit Entschlossenheit und Zuversicht. Im Leben ist alles möglich, und wenn man sich anstrengt, können es alle schaffen – auch die Taubstummen: Wir können alles, außer hören.“ Gemäß diesem Motto hat Wirth das Hassler zu einer weltweiten Hotelikone gemacht, wo sich gekrönte Häupter, Staats- und Regierungschefs, Film- und Popstars bis heute die Klinke in die Hand geben. Daneben baute er das Familienunternehmen im Lauf der Jahre aus und erweiterte das Portfolio.

Schauspieler Al Pacino (rechts) mit Roberto E. Wirth während seines Eintrages ins Gästebuch des Hotels Hassler.

Schauspieler Al Pacino (rechts) mit Roberto E. Wirth während seines Eintrages ins Gästebuch des Hotels Hassler.

Zum Wirth-Imperium gehören inzwischen auch das Palazzetto und das Luxusresort Borgo Bastia Creti nördlich des Lago Trasimeno in Umbrien, das Hotel Vannucci in Città della Pieve (ebenfalls in Umbrien), sowie die einstige Adelsresidenz Parco del Principe in der Toskana. Es sei sein Kindheitstraum gewesen, ein Hotel selbstständig zu führen und ein großer Hotelier zu werden, hatte Wirth einmal erklärt.

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Neben seiner Tätigkeit als erfolgreicher Hotelier und Unternehmer hat sich Wirth auch jahrelang für die Anliegen von Menschen mit einer Hörbehinderung und für die Förderung und Verbreitung der Zeichensprache eingesetzt. Schon ab dem Jahr 1992 hat er jährliche Stipendien für hörbehinderte Studierende ausgerichtet, damit sich diese an der Gallaudet University in Washington, D. C. weiterbilden konnten – der einzigen Universität der Welt, an der das gesamte Lehrangebot auch in Zeichensprache unterrichtet wird. Seit 2004 unter­stützte Wirth mit einer von ihm gegründeten NGO außerdem Familien mit hörbehinderten Kindern im Alter von null bis sechs Jahren.

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