Steigende Preise

Können wir uns den Urlaub bald nicht mehr leisten?

Zwei Frauen laufen mit Luftmatratze zum Strand (Symbolfoto).

Zwei Frauen laufen mit Luftmatratze zum Strand (Symbolfoto).

Nach mehr als zweieinhalb Jahren Pandemie haben die allermeisten Urlaubsziele die Einschränkungen heruntergefahren – oder ganz abgeschafft. Einer entspannten und sorgenfreien Auszeit steht damit prinzipiell nichts mehr im Weg. Nichts, bis auf die Sache mit dem Geld.

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Lebensmittel, Heizen, Strom: Alles wird teurer. Ein Beispiel: Allein für Gas müssen Familien mit Einfamilienhaus pro Jahr fast 600 Euro mehr einplanen, das hat das Onlinevergleichsportal Verivox berechnet. Gasumlage und teilweise saftige Preiserhöhungen der Energieversorger treffen aber auch Hotels und andere Unterkünfte in Deutschland.

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Bundesfinanzminister Christian Lindner hat in Berlin weitere Maßnahmen gegen die hohe Inflation vorgestellt.

70 Prozent der Anbieterinnen und Anbieter von Ferienhäusern und Ferienwohnungen sehen die laufenden Kosten, etwa für den Unterhalt ihrer Immobilie, betroffen. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Ferienhausportals Holidu. „Ganz klar stellen die hohen Energiekosten im Herbst und Winter wie für die meisten anderen Branchen auch für den Tourismus eine große Herausforderung dar“, sagt Norbert Kunz, Geschäftsführer des Deutschen Tourismusverbandes (DTV). Die Energiekosten seien im Tourismus ein entscheidender Kostenfaktor.

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Ingrid Hartges, Hauptgeschäftsführerin des Dehoga-Bundesverbandes, wird noch deutlicher: „Teilweise werden bei Strom und Gas Erhöhungen von 300 bis 500 Prozent und mehr gemeldet, existenzielle Sorgen wachsen.“ Auch die Gäste seien von der allgemeinen Inflation und der Energiekrise massiv betroffen.

Kurzfristige Buchungen im Winter

Wer kurzfristig eine Unterkunft für den Herbst oder Winter bucht, muss mit „Kostenanpassungen“ rechnen, sagt Michelle Schwefel, Geschäftsstellenleiterin des Deutschen Ferienhausverbands. Nachträgliche Aufschläge auf den Mietpreis schließt sie hingegen aus: „Diese sind zwar unter bestimmten Umständen möglich. Allerdings sind die Hürden hoch und die Durchsetzung gegebenenfalls mit Ärger verbunden. Man kann aber als Gastgeber versuchen, mit den Gästen zu reden, um eine einvernehmliche Anpassung zu erzielen.“

Und wie sieht es 2023 aus? In puncto Preisgestaltung stehen Anbieter von Feriendomizilen derzeit vor einer großen Herausforderung. Denn die Unterkünfte werden oft mit großem Vorlauf gebucht – und meist sind die Energiekosten im Mietpreis als Pauschale inkludiert, es wird nicht nach Verbrauch abgerechnet. Denn das sei sehr viel Aufwand. „Für jeden Gast müsste dann eine individuelle Ablesung erfolgen und eine Rechnung geschrieben werden. Da haben die wenigsten Lust drauf.“

Das heißt: Anbieterinnen und Anbieter müssen in die Glaskugeln schauen und die Gegebenheiten für das Folgejahr einschätzen. Auf der einen Seite müssen die Kosten gedeckt werden, auf der anderen Seite wollen Anbieter attraktive Preise bieten. „Die Preise für die Saison 2023 werden wohl ein Stück ansteigen – aber sie werden sich wohl im Rahmen halten“, so Schwefel.

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Wie hoch die Steigerungen prozentual werden, kann sie nicht sagen. Zu volatil ist die Situation. Ein Blick in andere Bereiche der Reisebranche zeigt aber, was drohen könnte.

„Zeit der Ultrabilligtickets vorbei“

Für Flüge beispielsweise müssen Reisende schon jetzt deutlich tiefer in die Tasche greifen. „Aus unserer Sicht ist die Zeit der Ultrabilligtickets ganz klar vorbei“, betonte Eurowings-Sprecher Florian Gränzdörffer gegenüber dem Redaktions­Netzwerk Deutschland (RND). „Fliegen wird teurer und muss auch teurer werden – da reicht ein Blick auf die Rekordstände des Ölpreises jenseits der 100-Dollar-Marke.“

Er spricht von Kostensteigerungen in Höhe eines dreistelligen Millionenbetrages. Entsprechend werde Eurowings Tarife, die bereits etwa 10 Prozent teurer sind als 2019, um mindestens weitere 10 Prozent nach oben anpassen müssen. Anders sei die Belastung durch den Ölpreisschock nicht zu schultern.

Zwar wolle man weiterhin und auch im Winter für erschwingliche Flüge sorgen, so Gränzdörffer, doch angesichts dieser Belastungen könne es nicht mehr so günstig bleiben.

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Ähnlich äußerte sich Ryanair-Chef Michael O’Leary. Die Airline hatte in den vergangenen Jahren den Markt mit Ultrabilligtarifen aufgemischt. Diese Zeit sei nun vorbei: „Es besteht kein Zweifel daran, dass unsere billigen Sondertarife wie die Ein-Euro-Tarife, die 99-Cent-Tarife und auch die 9,99-Euro-Tarife in den nächsten Jahren nicht mehr zu finden sein werden“, sagte O’Leary in einem Interview mit der BBC. Mittelfristig werde die Airline die durchschnittlichen Preise pro Ticket von 50 auf 60 Euro anheben.

Die Preise von Pauschalreisen lassen sich deutlich schwieriger vergleichen als die reinen Flugpreise. Grund dafür ist die Vielfalt des Angebotes – auch in Bezug auf Hotelkategorie und Verpflegung. Doch die Tendenz ist die gleiche: Auch hier steigen die Preise deutlich. Das zeigte eine Analyse des Reiseportals Holidaycheck Anfang Mai.

In Griechenland und Spanien mussten Reisende zu diesem Zeitpunkt für vergleichbare Leistungen im Schnitt 16 Prozent mehr zahlen als vor der Pandemie. Ähnliche Preissteigerungen gab es in Portugal und in der Türkei. Noch teurer wird es in Ägypten mit einem Plus von 27 Prozent. Ein Ende? Nicht absehbar.

Jeder Fünfte kann sich Urlaub nicht leisten

Für viele Menschen in Deutschland dürfte dies dazu führen, dass sie sich Urlaub schlichtweg nicht mehr leisten können – zumal ja auch die anderen Lebenshaltungskosten steigen. Ferienhaus­verbandschefin Schwefel ist deswegen in Sorge: „Der klassische Buchungszeitpunkt für den Sommerurlaub fällt zusammen mit dem Erhalt der Energiekosten­rückzahlungs­rechnung. Die Frage ist dann: Haben die Leute überhaupt noch Geld, um zu verreisen?“

Dabei hat schon jetzt mehr als jede und jeder fünfte Mensch (22,4 Prozent) nicht genug Geld, um sich einmal pro Jahr einen einwöchigen Urlaub leisten zu können. Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch befürchtet, dass die Inflation das Problem noch einmal vergrößert: „Das Inflationsmonster wird die Schere zwischen Reisenden und Bleibenden weiter verstärken“, sagte Bartsch dem Redaktions­Netzwerk Deutschland (RND).

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