Strategie für ausländische Gäste

Krieg in der Ukraine: Hoffen und warten auf Touristen

Soldaten stand Sonnenbaden: Der Tourismus in der Ukraine, etwa am Schwarzen Meer, ist nach dem russischen Angriffskrieg zum Erliegen gekommen.

Soldaten stand Sonnenbaden: Der Tourismus in der Ukraine, etwa am Schwarzen Meer, ist nach dem russischen Angriffskrieg zum Erliegen gekommen.

Einst ein beliebtes Ziel für den Strandurlaub am Schwarzen Meer, doch nach den russischen Bomben ist Satoka nicht mehr wiederzuerkennen. Satoka in der Nähe von Odessa geht es wie vielen Orten in der Ukraine. Zerstörte Hotels und Sehenswürdigkeiten, stark beschädigte Freizeit- und Erholungszentren, Reisende, die nicht kommen, Einheimische, die während des Kriegs keinen Gedanken an Inlandsreisen verschweden: Mehr als ein halbes Jahr nach Kriegsbeginn zeichnet die Staatliche Agentur für Tourismus­entwicklung in der Ukraine (SATD) ein verheerendes Bild von der touristischen Infrastruktur des Landes. „Die Tourismusbranche ist am stärksten von der russischen Invasion betroffen“, sagt Mariana Oleskiw, Vorsitzende der SATD, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

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Erst vor wenigen Wochen hatte die ukrainische Initiative „Visit Ukraine Today“ Aufmerksamkeit erregt: Dort werden wieder touristische Touren durch Kiew und andere Städte angeboten. Vor allem die Tour „Mutige Städte“ sorgte für Kritik, handelt es sich dabei um ein Sightseeing-Angebot an die Schauplätze des Krieges, nach Butscha und Irpin, wo mutmaßlich Hunderte Zivilistinnen und Zivilisten vom russischen Militär gefoltert und ermordet wurden. Gebucht werden die Touren vor allem von Einheimischen, aber auch aus dem Ausland, unter anderem aus den USA, gab es Buchungen.

Kiew hat einige historische und kulturelle Schätze - vor Corona und Krieg war der Tourismus ein wichtiger Wirtschaftssektor.

Kiew hat einige historische und kulturelle Schätze - vor Corona und Krieg war der Tourismus ein wichtiger Wirtschaftssektor.

Der Inlandstourismus erholt sich in der Ukraine

Noch sei die Zeit für internationalen Tourismus nicht gekommen, meint Oleskiw – wenngleich viele Menschen vor Ort darauf angewiesen sind. „Wir raten Ausländern davon ab, für einen touristischen Aufenthalt in die Ukraine zu kommen. Sicherheit ist das Wichtigste und in einem Land, das sich im Krieg befindet, ist kein Ort zu 100 Prozent sicher“, sagte sie dem RND.

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Einen kleinen Lichtblick gab es zuletzt: Die Ukrainerinnen und Ukrainer wollen sich kleine Auszeiten vom Krieg nehmen, fahren für wenige Tage innerhalb des Landes in touristische Gebiete. „Der Inlandstourismus erholt sich allmählich“, sagt Oleskiw. Lokale Reiseagenturen hätten ihre Aktivitäten um bis zu 20 bis 50 Prozent erhöht, gibt sie an. „Meist handelt es sich um Wochenendausflüge in relativ sichere westliche und zentrale Regionen. Diese Reisen dienen jedoch eher einem Neustart, nicht einem Urlaub oder einer Erholung.“

Tourismusbranche hofft das Kriegsinteresse umwandeln zu können

Während die Tourismusbranche wieder erste Gäste empfängt, wird im Hintergrund an einer langfristigen Strategie gearbeitet. „Wir wollen, dass sich die Welt daran erinnert, dass die Ukraine ein großartiges Reiseziel ist“, sagt Oleskiw. Sie hofft, dass der Krieg nach Ende sogar mehr Menschen ins Land bringen könnte – immerhin ist das Interesse an der Ukraine gerade groß, überall wird über das osteuropäische Land und auch seine Kulturschätze gesprochen.

„Wir arbeiten derzeit an der Schaffung neuer Routen, die Orte der Erinnerung einschließen, um unseren ausländischen Touristen zu zeigen, was genau in der Ukraine passiert ist“, kündigt Oleskiw an, „damit sie ihren Kindern und Enkeln von unserem Kampf und Sieg erzählen können.“ Auch die Kriegsschauplätze und wie das Leben der Überlebenden dort weiterging, soll dann eine Rolle spielen, immerhin, so Oleskiw, hätten auch die Ukrainerinnen und Ukrainer gelernt, unter Kriegsbedingungen zu leben und zu arbeiten. Bis Touristinnen und Touristen das zu sehen bekommen sollen, werden allerdings noch Monate vergehen: „Das ist für die Zukunft, nicht für jetzt.“

Spenden auf andere Art: Buchungen für Reisen, die nicht stattfinden

Reisende, die die Ukraine und die gebeutelte Tourismusbranche dennoch bereits unterstützen wollen, könnten schon jetzt Unterkünfte und Touren buchen, sagt Oleskiw. Sollten die Reisen nicht wie geplant stattfinden können, weil der Krieg noch immer andauere, würde das Geld an wohltätige Zwecke sowie für die ukrainische Hotellerie gespendet, so die Tourismus-Chefin. „Im Moment besteht unsere Hauptaufgabe darin, die Tourismusbranche in dieser schwierigen Zeit zu unterstützen.“

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Wo einst Strandurlauberinnen und Strandurlauber am Schwarzen Meer entspannten, ist heute militärische Sperrzone, hier in Odessa.

Wo einst Strandurlauberinnen und Strandurlauber am Schwarzen Meer entspannten, ist heute militärische Sperrzone, hier in Odessa.

Zuletzt hatte es mehrere private wie staatliche Initiativen in diese Richtung gegeben. So buchten Ausländerinnen und Ausländer weltweit Unterkünfte in der Ukraine via Airbnb – ohne eine Reise dorthin tatsächlich zu beabsichtigen. Das Geld nutzten die Menschen vor Ort entweder, um sich selbst zu versorgen – oder um Geflüchtete aus anderen Regionen des Landes aufzunehmen. Das staatlich initiierte Programm „Visit Ukraine in the Future“ hat eine ähnliche Aufmachung: Über Online-Plattformen haben Hotels Zimmer vermietet, obwohl bisweilen klar war, dass die Reise nicht stattfinden könne.

„Ich möchte noch einmal darauf hinweisen, dass die Sicherheit das Wichtigste ist“, betont Oleskiw noch einmal. „Als staatliche Einrichtung empfehlen wir Ausländern nicht, ein ukrainisches Reiseziel zu besuchen, solange Krieg herrscht. Es wäre jedoch eine gute Idee, eine Reise für die Zukunft zu buchen und so die ukrainische Tourismusindustrie zu unterstützen.“

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