„Vielleicht haben die Jugendlichen hier etwas geschlafen“

Trotz 9‑Euro-Ticket: Verkehrsverbünde verkaufen teurere Monatskarten

„9‑Euro-Ticket“ ist am Berliner Hauptbahnhof auf einem Fahrkartenautomaten zu lesen.

Seit einem Monat können die Menschen mit dem 9‑Euro-Ticket durch Deutschland fahren. Der Zuspruch ist enorm: Dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) zufolge wurden bundesweit rund 21 Millionen der Rabattkarten verkauft. Die Mehrheit, nämlich 53 Prozent, nutzt das Ticket für alltägliche Fahrten, 33 Prozent für Ausflugsfahrten und 14 Prozent für den Urlaub.

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Das 9‑Euro-Ticket gilt einen Monat lang, günstiger kommen Reisende eigentlich nicht weg. Doch sie können vielerorts an Automaten und in Apps weiterhin auch deutlich teurere Monats- oder Tagestickets kaufen – und einige tun das offenbar auch.

107 Euro statt Sonderticket bei der BVG

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) haben im Juni einzelne Monatskarten, die bis zu 107 Euro kosten, „im mittleren vierstelligen Bereich“ verkauft, wie das Nachrichtenportal „T-Online“ einen Sprecher zitiert. Von 24-Stunden-Karten, die in den verschiedenen Tarifzonen der BVG zwischen 8,80 und 10 Euro kosten, wurden sogar Zehntausende verkauft, laut Sprecher „im mittleren fünfstelligen Bereich“. Auch bei anderen Verkehrsverbünden tritt das Problem auf, wie eine Abfrage des Redaktions­Netzwerks Deutschland (RND) zeigt.

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Auch im Großraum Hannover sind Monatstickets sowie 24-Stunden-Karten nicht nur an den Automaten, sondern auch in der GVH-App weiterhin buchbar. „Für den Zeitraum von drei Monaten haben wir die Vertriebskanäle nicht geändert“, so GVH-Sprecher Otkun. Das heißt, es ist derzeit möglich, teurere Monatskarten zu kaufen. Im Juni seien etwa 1800 Monatskarten zu regulären Preisen verkauft worden. Im Normalpreisniveau kosten diese, je nach Tarifzone, zwischen 70 und 115 Euro.

Der allergrößte Anteil betreffe jedoch reduzierte Jugendnetzkarten, die 15 Euro kosten. Davon seien 1500 Stück für Juni verkauft worden. „Das verwundert uns schon – vielleicht haben die Jugendlichen hier etwas geschlafen“, sagt Otkun. Die Schuld sieht er nicht beim GVH, denn die Hinweise auf das 9‑Euro-Ticket seien kaum zu übersehen. „In der GVH-App gibt es ein Infobanner, das aktiv weggeklickt werden muss“, so Otkun. Hinzu komme, dass die Angebote für das 9‑Euro-Ticket an oberster Stelle positioniert sind. Bei den allermeisten Menschen kommt das offensichtlich an: So sind beim GVH für den Juni mehr als 240.000 9‑Euro-Tickets verkauft worden.

Hohe Nachfrage beim 9‑Euro-Ticket: Bereits 21 Millionen Fahrkarten verkauft

Im ersten Gültigkeitsmonat des 9‑Euro-Tickets sind dem VDV zufolge bundesweit rund 21 Millionen der Sonderfahrkarten verkauft worden.

Hamburg stellt Ticketverkauf um

Der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) hat bislang 978.000 der Sondertickets verkauft und stellt sich etwas anders auf. Auch reguläre Monatskarten würden für die Monate Juni, Juli und August als 9‑Euro-Tickets angeboten. „Dafür haben wir in der App und an Fahrkartenautomaten eine neue Ticketart eingeführt, der Verkauf der regulären Monatskarten wurde für die drei Monate vorübergehend eingestellt“, so ein Sprecher.

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„Zusätzlich sind auch weiter Einzelkarten erhältlich, sofern sie nicht mehr als 9 Euro kosten“, teilt der HVV mit. Auch Tages- und Gruppenkarten werden weiterhin angeboten, weil diese zur Mitnahme weiterer Personen berechtigen, was beim 9‑Euro-Ticket nicht der Fall sei. Die Kosten pro Ticket variieren hier zwischen 6,90 und 27,90 Euro.

Damit berücksichtige man auch die Bedürfnisse von Kundinnen und Kunden, die nur sehr selten oder einmalig den Nahverkehr nutzen möchten, dies betreffe nicht zuletzt Touristinnen und Touristen. „In der HVV-App, über die etwa ein Drittel des Umsatzes läuft, wurden im Juni bisher etwa 35.000 Tages- und Gruppenkarten gekauft“, teilt ein HVV-Sprecher mit. Die Anzahl der im Monat Juni insgesamt über die verschiedenen Vertriebskanäle verkauften Tageskarten ließe sich derzeit noch nicht beziffern.

Andere Verkehrsverbünde geben auf Anfrage des RND keine Auskunft. So teilt etwa der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) mit: „Eine Verkaufsstatistik für das reguläre Ticketsortiment für den Zeitraum liegt aktuell nicht vor.“ Für die 9‑Euro-Tickets sieht das anders aus, davon sind laut VRR 1,8 Millionen über die Apps, Ticketshops, Automaten und Kundencenter verkauft worden.

Von angefragten Verkehrsverbünden in Baden-Württemberg, Brandenburg, Rheinland-Pfalz und Sachsen sowie von der Deutschen Bahn hat das RND bislang keine Antwort erhalten.

RND/gei

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