Judosport

Fares Badawi träumt von der Olympia-Teilnahme

Fares Badawi, hier mit seinem Trainer und Mentor Peter Klammer bei einem Judogriff, lebt seinen großen Olympiatraum.

Fares Badawi, hier mit seinem Trainer und Mentor Peter Klammer bei einem Judogriff, lebt seinen großen Olympiatraum.

Göttingen/Braunschweig. 2016, es war kurz vor Weihnachten, stand der 23-jährige Syrer beim Judotraining des ASC Göttingen vor der Tür. Badawi war zuvor im Grenzdurchgangslager Friedland gelandet. Von dort aus erkundigte er sich nach Judovereinen in der Region. Bei Peter Klammer in Göttingen wurde er fündig. „Er stand einfach in der Tür, war von Beginn an sehr wissbegierig und hat die Sprache sehr schnell gelernt“, erinnert sich Klammer, der seit 1967 als Trainer tätig ist und selbst als Judoka an vielen Europa- und Weltmeisterschaften teilgenommen hat.

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Der Judoka Fares Badawi über seinen Traum

Fares Badawi träumt von Olympia

Fares Badawi träumt von Olympia

Trainer Klammer ist wie ein Vater

Nicht nur am ASC-Training mit Klammer nahm Badawi teil, sondern übernahm schnell eine eigene Kindertrainingsgruppe. „Die Kinder hingen wie eine Klette an ihm – er war sehr beliebt“, so Klammer. Mittlerweile wohnt der Bauingenieurstudent mit seiner Familie in Braunschweig. Der aus Damaskus stammende Badawi reist immer noch regelmäßig zum Training nach Göttingen, startete aber in der vergangenen Saison beim VFL Stade. Seit dem neunten Lebensjahr steht der Syrer auf der Judomatte und kam zu dem Sport durch seinen großen Bruder. „Der hat danach aufgehört und war neidisch“, so Badawi.

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Zur damaligen Zeit hätte sich der Judoka in seinem Heimatland mehr Unterstützung und ein besseres Verhältnis zu seinem Trainer gewünscht. In Deutschland hingegen, bei Peter Klammer, ist das anders: „Peter ist Trainer und Vater zugleich“, sagt der Judoka, der betont, hier die Möglichkeiten zu haben, an großen Wettkämpfen teilzunehmen. „Ein syrischer Judoka hat noch nie eine Medaille gewonnen – zwei sind einmal bei den Olympischen Spielen gestartet. Deutschland zählt da eher zu den starken Ländern“, sagt der 23-Jährige.

Die Saison in der Regionalliga lief sehr erfolgreich. „Er hat die Regionalliga dominiert und einige Angebote von höherklassigen Vereinen bekommen“, sagt Klammer, der in Göttingen kein Team auf dem Niveau zusammen bekommt. „Wir haben nicht genügend Leute, die so stark sind“, so der Coach.

Da das Niveau in der dritthöchsten Liga für Budawi zu schwach war, wechselte der Syrer zum BJC Braunschweig, für den von vier Kämpfen keinen verlor. Auch beim internationalen Turnier in Sindelfingen, das mit zahlreichen Holländern, Schweizern und Franzosen stark besetzt war, belegte der Judoka einen starken 3. Platz. „Fares hatte fünf Kämpfe à vier Minuten – ist schon verdammt hart. Dafür fährt man auch einige Stunden mit dem Auto“, berichtet Klammer, der betont, dass ein Kampf unter Umständen nur Sekunden dauern kann.

Olympia-Chance über den internationalen Judobund

Durch seinen Status als Flüchtling kann Budawi in Deutschland nur bis zu den Landesmeisterschafen, die er im vergangenen Jahr gewann, teilnehmen. Der 23-Jährige gehört daher seit diesem Jahr der International Judo Federation (IJF) an. Die Daten gab sein Trainer an den Deutschen Judo Bund (DJB) weiter. Auf den Kampfanzügen der Flüchtlinge steht keine Nation, sondern nur der Name und IJF.

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Durch diese Möglichkeit, für die IJF an diversen Grand-Prix-Turnieren teilzunehmen, kann Budawi im Idealfall sogar für die Olympischen Spiele in Tokio 2020 nominiert werden. „Es gibt ein Kontingent von etwa 30 Startern – in den verschiedenen Gewichtsklassen. Fares kann auf sich aufmerksam machen“, erklärt Klammer. Der erste Grand Prix für den Syrer findet am Sonnabend, 13. Juli, im ungarischen Budapest statt. Am Ende der Serie könnte Budawi als Teilnehmer zu Olympia fahren.

„Da entscheiden Kleinigkeiten. Die Teilnehmer sind schon sehr renommiert. Nur wer kämpft, kann gewinnen. Man bekommt nicht viele Chancen, aber Fares kann jeden schlagen“, schätzt Klammer. So nutzt der alte Trainerfuchs bei den Kämpfen schon einmal die passende Motivation: „Fares, Tokio ruft“. In Sindelfingen scheint dies schon geholfen zu haben.

Von Jan-Philipp Brömsen

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