Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

 

Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

Anzeige
Physio- & Ergotherapie

A winning team: Ergotherapie und Schlaganfall

A winning team: Ergotherapie und Schlaganfall Bildunterschrift anzeigen Bildunterschrift anzeigen

Nach einem Neglect, einer besonders herausfordernden Form des Schlaganfalls, nehmen Betroffene eine Seite nicht mehr wahr. Ergotherapeuten geben sensorischen Input durch festes Berühren, Drücken oder Führen und setzen so Lernprozesse im Gehirn in Gang. Foto: unsplash

Ergotherapie hilft effektiv beim so genannten Neglect

Die DSG, Deutsche Schlaganfallgesellschaft, bescheinigt Deutschland eine qualitativ hochwertige Versorgung von Patienten mit einem Schlaganfall, was unter anderem den deutschlandweit angesiedelten Stroke Units zuzuschreiben ist. Zu den interdisziplinär aufgestellten Teams dieser Spezialeinheiten gehören Ergotherapeuten, die vom ersten Moment an dabei sind und ebenso bei der Nachsorge eine wichtige Rolle spielen. „Die Nachsorge ist bei einem Schlaganfall entscheidend dafür, wie gut Betroffene in ihrem Alltag und mit ihrem Leben zurechtkommen“, betont Tanja Benecke, Ergotherapeutin im DVE (Deutscher Verband Ergotherapie). Sie legt dar, wodurch sich die ergotherapeutische Herangehensweise bei einem Neglect, der nach einem Schlaganfall auftreten kann, auszeichnet.

Die Auswirkungen nach einem Schlaganfall sind unterschiedlich und hängen unter anderem davon ab, in welchem Teil des Gehirns sich der Vorfall ereignet. Eine für alle – Betroffene, Angehörige und Behandelnde – besonders herausfordernde mögliche Folge eines Schlaganfalls ist der Neglect. Trotz funktionierender Sinnesorgane und Nervenbahnen ist das Gehirn nicht in der Lage, die Signale, die von der betroffenen Körperseite kommen, zu verarbeiten. Betroffene nehmen diese Hälfte ihres Körpers nicht mehr wahr. Die Krux: Menschen mit Neglect realisieren dies in den wenigsten Fällen selbst.

Die mit dem Neglect einhergehende fehlende Krankheitseinsicht macht für Ergotherapeuten eine besonders einfühlsame Herangehensweise nötig.

Als erstes ist es wichtig, das Vertrauen dieser verunsicherten Patienten zu gewinnen. Ergotherapeuten spüren, wenn Menschen mit Schlaganfall bei ihnen ‚angedockt‘ haben, achten dazu auf deren Körpersprache und Körperspannung. Sie merken, wenn sich diejenigen mit einem Neglect zu öffnen beginnen. Und gehen dann Schritt für Schritt behutsam in ihrer Intervention voran.

„Die Nachsorge ist bei einem Schlaganfall entscheidend dafür, wie gut Betroffene in ihrem Alltag und mit ihrem Leben zurechtkommen“

Um die Wahrnehmung der betroffenen Körperhälfte quasi wieder in Gang zu setzen, wenden Ergotherapeuten verschiedene Methoden an. Durch sensorischen Input wie festes Berühren oder Drücken der betroffenen Extremitäten bahnen sie etwa im Gehirn der Patienten wieder die Fähigkeit an, Signale dieser Körperhälfte zu verarbeiten.

Um parallel das Geschehen immer mehr in die betroffene Raumhälfte zu lenken, gestalten Ergotherapeuten ab einem bestimmten Punkt des Prozesses die Umgebung entsprechend um.

Dazu rücken sie Gegenstände, von denen ein Patient mit einem Neglect weiß, dass sie da sind, wie beispielsweise das Trinkglas, auf die Seite, die derjenige im Moment nicht wahrnimmt. Und leiten ihn zum Erforschen dieser Seite an.

Dazu rücken sie Gegenstände, von denen ein Patient mit einem Neglect weiß, dass sie da sind, wie beispielsweise das Trinkglas, auf die Seite, die derjenige im Moment nicht wahrnimmt. Und leiten ihn zum Erforschen dieser Seite an.

Gerade beim Neglect ist es wichtig, die Patienten konsequent in für sie zunehmend sicheres Terrain zu führen, ihnen immer wieder zu vermitteln, dass ihre Fähigkeiten vorhanden sind, jedoch wiederbelebt werden möchten

Auch das für den Alltag nötige Können wie Zähne putzen, Brötchen schmieren und vieles mehr.  dve/star