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Service: Recht - Recht haben und bekommen

Rechtsanwälte als Streitschlichter

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SYMBOLFOTO: UNSPLASH 

Anwaltliche Hilfe verhindert Konflikte und hilft, sie beizulegen

An dieser Stelle findet der geneigte Leser (und natürlich auch die geneigte Leserin) üblicherweise Rechtsrat. Als jemand, der regelmäßig mit erbrechtlichen Fragestellungen zu tun hat, möchte ich heute einmal etwas weiter ausholen.

Es entspricht der Erfahrung vieler Kollegen, aber auch der Erfahrung von Seelsorgern, dass Menschen an ihrem Lebensende bedauern, bestimmte Fehler gemacht zu haben. Noch nie hat jemand bereut, zu wenig gearbeitet oder zu viel Zeit mit geliebten Menschen verbracht zu haben. Am häufigsten wird vielmehr bedauert, die Beziehung zu den Kindern und Enkeln sowie Freunden nicht genug gepflegt zu haben. Gerade wenn nach einem lange zurückliegenden Streit mit dem Sohn oder der Tochter kein Kontakt mehr besteht, kommt der dringende Wunsch auf, sich zu versöhnen. Fragt man nach, welche Gründe es eigentlich waren, die einem Zerwürfnis zugrunde liegen, kommen regelmäßig banale Umstände zu Tage, die es nicht ansatzweise rechtfertigen, dass die Enkel nicht mehr zu Besuch kommen.

FOTO: PRIVAT

Ähnlich ist die Situation, wenn es um die rechtliche Auseinandersetzung von zerstrittenen Erbengemeinschaften geht. Es ist schon erstaunlich, wie viel Ablehnung und Hass Geschwister gegeneinander empfinden können. Dabei geht es nur vordergründig ums Geld – tatsächlich spielen Kränkungen eine viel größere Rolle. Die Überzeugung, der Bruder sei schon zu Lebzeiten der Eltern immer bevorzugt worden und jetzt, nach dem Erbfall, nehme man das nicht mehr hin, versperrt dann den Weg zu jeder konstruktiven Einigung. Anwälte leben bekanntlich davon, dass Menschen sich streiten und ihre Konflikte bei Gericht austragen. Klüger und vor allem kostensparender ist es aber, einen Streit beizulegen und die Vergangenheit ruhen zu lassen. Auch dabei kann ein Rechtsanwalt oder Notar Unterstützung geben und beispielsweise eine Mediation begleiten.

Was folgt daraus? Es ist nie zu spät, das Richtige zu tun. Es ist vielmehr ein Zeichen von Souveränität und Stärke, den ersten Schritt hin zu einer Versöhnung zu gehen und zu verzeihen. Es nützt niemandem, Ärger zu kultivieren. Es bereichert und befreit vielmehr, eine Verletzung zu vergeben. Außerdem ist es möglich, in einem Testament einige klarstellende Sätze mit aufzunehmen, warum die getroffene Regelung aus Sicht des Vererbenden für gerecht gehalten wird sowie eine Teilungsanordnung zu treffen, die genau festlegt, welcher Erbe was erhalten soll. Eine absolute Gerechtigkeit gibt es nicht. Kinder können aber wesentlich besser mit einer formalen Ungleichbehandlung im Verhältnis zu den Geschwistern umgehen, wenn sie erkennen, dass die Eltern es gut gemeint haben. Rechtsanwälte und Notare können hier wertvolle Formulierungshilfen geben, die im Idealfall Streit vermeiden. Patrick Riebe 

Rahmen schaffen für Konfliktlösungen

Jedes Jahr im Juni ist der Tag der Mediation, der von den großen deutschsprachigen Mediationsverbänden aus Deutschland, Österreich und der Schweiz im Rahmen der „Wiener Erklärung“ von 2013 ins Leben gerufen wurde.

Mediation, das bedeutet die Klärung von Konflikten in einem strukturierten Verfahren mit Hilfe von unparteiischen, neutral-allparteilichen Dritten. Deren Aufgabe ist die Schaffung eines geeigneten Rahmens zur Konfliktlösung, während die Streitparteien für die Inhalte des Lösungsprozesses verantwortlich sind.

Mediation stellt damit eine sehr erfolgreiche Methode dar, um Klarheit in Konflikten zu finden und gemeinsame Lösungsansätze zu erarbeiten. Bei bestehenden Konflikten helfen die Mediationsverbände, einen Überblick über mögliche MediatorInnen zu schaffen und bei Bedarf den geeigneten Mediator zu finden.

Die deutschen Mediations-Berufsverbände, die Bundesarbeitsgemeinschaft für Familienmediation BAFM, der Bundesverband Mediation BM und der Bundesverband Mediation in Wirtschaft und Arbeitswelt BMWA gewährleisten durch ihre hohen Ausbildungsstandards und ihre Zertifizierungsverfahren eine besondere Qualität des Mediationsverfahrens. In ihren Regionalgruppen gibt es vor Ort die Möglichkeit, sich weiter über das Thema Mediation zu informieren und Fragen zum Mediationsprozess sowie Fortbildungsmöglichkeiten zu erhalten:

• Regionalgruppe Südniedersachsen BAFM (buero@goettingen-mediation.de / www.bafm-mediation.de )

• Regionalgruppe Niedersachsen BMWA (mediation@trenczek.net & / www.bmwa-niedersachsen.de) BM