„Atomenergie ist in Deutschland Geschichte“

Energieexpertin Claudia Kemfert hält nichts von einer Verlängerung der AKW-Laufzeiten

Aus dem Kühlturm des seit Ende 2021 stillgelegten Kernkraftwerks in Gundremmingen steigt Dampf auf (Archivbild).

Aus dem Kühlturm des seit Ende 2021 stillgelegten Kernkraftwerks in Gundremmingen steigt Dampf auf (Archivbild).

Bleiben Deutschlands drei verbliebene Atomkraftwerke über 2022 hinaus am Netz? Angesichts der steigenden Energiepreise hat sich das Thema in den vergangenen Wochen zur Streitfrage in der Ampel entwickelt. Während SPD und Grüne einem Weiterbetrieb lieber ausweichen möchten, macht die FDP Druck. Auch aus der Union hallen die Rufe nach einer Laufzeitverlängerung. Vor allem die CSU prescht wegen der Sorge vor einer Stromknappheit in Bayern nach vorne. Zuspruch erhielt die Partei kürzlich von der Wirtschaftsweisen Veronika Grimm, die einen AKW-Weiterbetrieb von bis zu fünf Jahren empfahl.

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Energieökonomin Claudia Kemfert hält derweil nicht viel von einer Laufzeitverlängerung der drei verbliebenen Meiler. Priorität müsse für sie stattdessen der Ausbau der erneuerbaren Energien haben. „Wir müssen die Energiewende voranbringen und nicht an den alten Technologien festhalten. Atomenergie ist in Deutschland Geschichte“, sagt die Energieexpertin vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

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Angesichts der Energiekrise sollten bereits in Genehmigungsprozessen befindliche erneuerbare Energien „schnellstmöglich“ genehmigt werden, fordert sie und legt nach: „Wenn es möglich ist, in Deutschland ein Flüssiggasterminal innerhalb von vier Monaten zu genehmigen, sollte dies auch für erneuerbare Energien möglich sein.“

Die DIW-Expertin argumentiert, dass Aufwand und Ertrag für eine Laufzeitverlängerung „in keinem Verhältnis“ stünden. Grund sei, dass für einen entsprechenden Schritt das Atomgesetz geändert, die Meiler sicherheitstechnisch überprüft sowie neue Brennstäbe angeschafft werden müssten. Außerdem fehle es an geschulten Arbeitskräften, zählt sie auf. All diese Fragen zu klären würde sehr viel Zeit kosten. Hinzu komme, dass Atomkraftwerke nur 6 Prozent des deutschen Stroms produzieren. Aus diesem Grund sei auch der diskutierte Streckbetrieb keine Lösung, „da ja nicht mehr Strom produziert, sondern nur zeitlich gestreckt wird“.

Die Energieökonomin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW).

Die Energieökonomin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW).

Kemfert: Ein neuer Atomdeal wird teuer

Kemfert verweist auch auf die vom Bund geleistete Ausgleichszahlung von 2,4 Milliarden Euro, die die Kraftwerksbetreiber für Verluste des frühzeitigen Atomausstiegs erhalten haben. Diese müsste – so wie viele andere Beschlüsse des Atomausstiegs – neu verhandelt werden. „Auch dies würde Zeit in Anspruch nehmen und könnte teuer werden“, mahnt sie und macht deutlich: „Die Entschädigungszahlungen müssen an den Atomausstieg gekoppelt sein. Wenn man diesen wieder aufschnürt, müssen die Konzerne sie zurückzahlen, damit die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler sie nicht umsonst gezahlt haben.“

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Das Resümee der Energieökonomin: „Für die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler wird ein neuer Atomdeal teuer. Es wäre viel preiswerter, konsequent auf erneuerbare Energien zu setzen und gleichzeitig mehr Energie einzusparen.“ Ihr persönlicher Wunsch: „Dass diese politische Leidenschaft, die derzeit für die Atomkraft aufgebracht wird, zukünftig für den Ausbau der erneuerbaren Energien eingesetzt wird.“

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